Weltpolitik

Unbekannte Palästinenser-Gruppe bekennt sich zu Lkw-Anschlag

Eine bisher unbekannte palästinensische Gruppe hat sich am Montag zu dem Anschlag mit einem Lastwagen in Jerusalem bekannt, bei dem am Vortag vier Israelis getötet wurden. Ein Palästinenser war mit dem Fahrzeug in eine Gruppe israelischer Soldaten gefahren. Bei den Toten handelt es sich um drei Frauen und einen Mann. 17 Menschen wurden verletzt.

 SN/APA (AFP)/MENAHEM KAHANA

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu machte die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) für den Anschlag verantwortlich. Alle Anzeichen sprächen dafür, dass der Täter ein Unterstützer des IS sei, sagte er unmittelbar nach dem Anschlag.

In arabischen sozialen Medien erklärte indes eine Bewegung mit dem Namen "Gruppen der Märtyrer Baha Eleyan", sie habe den Anschlag verübt. Der Organisation gehörten Palästinenser an, "die keine Verbindungen außerhalb Palästinas" hätten. Sie seien bereits früher aktiv gewesen und würden weitere Anschläge verüben. "Das ist nicht die erste Operation, die von unseren Gruppen ausgeführt wurde", hieß es. "Eine Welle weiterer Aktionen zur Verteidigung unseres Jerusalems und zur Vergeltung für unsere Märtyrer und Gefangenen wird folgen."

Eine Gruppe dieses Namens ist bisher nie in Erscheinung getreten. Die Echtheit der Erklärung konnte zunächst nicht überprüft werden.

Der IS hat in mehreren Ländern Anschläge verübt oder sich zumindest dazu bekannt. Vom IS inspirierte Aktionen in Israel und den besetzten Palästinensergebieten sind allerdings selten. Nur wenige arabische Israelis und Palästinenser haben bisher offen ihre Sympathie mit dem IS erklärt.

Ein Palästinenser hatte am Sonntag seinen Lastwagen gezielt in eine Gruppe von Soldaten gelenkt. Der 28-jährige Attentäter aus Ost-Jerusalem wurde danach erschossen. Es war der schwerste Anschlag seit Juni 2016, als zwei Palästinenser in einem Tel Aviver Freizeitpark vier Menschen erschossen hatten.

Netanyahu kündigte an, künftig entschlossener gegen Palästinenser vorgehen, die sich wie der Attentäter mit dem Terrornetzwerk IS identifizieren. IS-Anhänger sollen nach einer Entscheidung des Sicherheitskabinetts verstärkt in sogenannte Administrativhaft genommen werden. Diese erlaubt es, Häftlinge für jeweils verlängerbare Zeiträume von sechs Monaten ohne offizielle Anklage festzuhalten. Menschenrechtler haben diese Praxis immer wieder scharf kritisiert.

Der Anschlagsort Armon Hanaziv liegt in dem 1967 von Israel eroberten Teil Jerusalems. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil einer künftigen Hauptstadt für sich. Israel sieht jedoch ganz Jerusalem als seine "ewige, unteilbare Hauptstadt".

Die israelische Polizei versetzte die Sicherheitskräfte in Jerusalem nach dem Anschlag in erhöhte Alarmbereitschaft, wie eine Polizeisprecherin am Montag mitteilte. Nach dem Anschlag gab es neun Festnahmen, darunter fünf Angehörige des Attentäters.

Netanyahu betonte, ein Wachmann und Soldaten hätten während des Anschlags rasch gehandelt und damit eine noch größere Katastrophe verhindert. Auch die Armee hatte Vorwürfe zurückgewiesen, die Mitglieder eines Offizierskurses hätten zögerlich und panisch auf die Attacke reagiert.

Israel will nach dem Anschlag das Haus des Attentäters im Viertel Jabel Mukabar zerstören. Es liegt in Ost-Jerusalem. Israels Sicherheitskabinett beschloss am Sonntag zudem, seine Leiche nicht an die Familie zu übergeben. Auch ein Antrag auf Familienzusammenführung mit Angehörigen im Gazastreifen solle nicht genehmigt werden, berichtete der Rundfunk am Montag.

Die im Gazastreifen herrschende Hamas drohte am Montag unterdessen mit neuen Anschlägen. Palästinenser würden weiter Angriffe gegen Israel begehen, bis sie das Ziel der Befreiung erreicht hätten, sagte das führende Hamas-Mitglied Mushir al-Masri am Montag in Gaza.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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