Weltpolitik

UNO beklagt Menschenrechtsverletzungen im Jemen-Krieg

Die Tötungen Tausender Zivilisten im Bürgerkrieg im Jemen muss nach Überzeugung von Menschenrechtsexperten unabhängig untersucht und international strafrechtlich verfolgt werden. Entsprechende Forderung erhoben am Donnerstag in Genf der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Zeid Raad al-Hussein, und die Organisation Human Rights Watch (HRW).

UNO beklagt Menschenrechtsverletzungen im Jemen-Krieg SN/APA (AFP)/AHMAD AL-BASHA
Alle Gruppierungen griffen Zivilisten an.

Im Jemen seien seit März vergangenen Jahres mindestens 3.799 Zivilisten getötet und 6.711 verletzt worden, erklärte Hussein bei der Vorstellung eines UNO-Berichts zur Lage in dem Land im Süden der Arabischen Halbinsel. Alle beteiligten bewaffneten Gruppierungen hätten sich schwerer Verbrechen an der Bevölkerung schuldig gemacht, beklagte der Hochkommissar. Er appellierte zugleich an die internationale Gemeinschaft, die Schaffung eines unabhängigen internationalen Gremiums zu ermöglichen, das mit dem Mandat für umfangreiche Ermittlungen zu Kriegsverbrechen im Jemen beauftragt wird.

Der Genfer HRW-Direktor John Fisher sagte, die leidgeprüfte Bevölkerung des Jemen dürfe nicht länger hingehalten werden, sondern habe das Recht auf Verfolgung der Verantwortlichen für Verbrechen an Zivilisten. Der UNO-Menschenrechtsrat müsse dafür spätestens bei seiner nächsten Sitzung im September sorgen. Zuvor waren Bemühungen einer nationalen Untersuchungskommission fruchtlos geblieben.

Laut dem UNO-Bericht leiden 7,6 Millionen Jemeniten an Unterernährung, drei Millionen seien aus ihren Wohnorten vertrieben worden. Das Dokument listet zahlreiche willkürliche Angriffe auf Zivilisten vor. Dazu gehörten Bombardierungen von Wohngebieten, Märkten, Krankenhäusern und Schulen. Zivilisten seien mit Streubomben und Landminen sowie von Heckenschützen getötet worden. Zudem seien Kinder zwangsrekrutiert und als Kämpfer eingesetzt worden.

"Die Folgen dieses Konflikts für die Bevölkerung sind verheerend", heißt es in dem UNO-Dokument. "Die internationale Gemeinschaft hat rechtlich und moralisch die Pflicht, Maßnahmen zur Linderung der verzweifelten Notlage der Menschen zu ergreifen." Im Jemen bekämpfen vom Iran unterstützte, schiitische Houthi-Rebellen den international anerkannten Präsidenten Abd-Rabbu Mansour Hadi, der von einer saudisch geführten Militärkoalition unterstützt wird.

Die Angriffe des Bündnisses, die im März letzten Jahres begannen, trafen immer wieder humanitäre Einrichtungen, Märkte oder auch Hochzeitsgesellschaften. Viele Unbeteiligte wurden dabei getötet. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte kürzlich sein Personal auf dem Norden des Landes abgezogen und als Grund "willkürliche Bombardements" und "unverlässliche Zusicherungen" des Militärbündnisses angeführt.

Quelle: Apa/Dpa

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