Weltpolitik

Unterhändler arbeiten neuen Friedensvertrag mit FARC aus

Nach dem Scheitern des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der linken Guerillaorganisation FARC in einem Referendum arbeiten die Unterhändler beider Seiten einen neuen Vertrag aus.

Die Vorschläge der Kritiker werden in den neuen Entwurf einfließen, sagte der Chef-Unterhändler der Regierung, Humberto de la Calle, am Freitag in Havanna. Ziel sei es, zügig ein neues Abkommen vorzulegen, sagte FARC-Unterhändler Ivan Márquez.

Er habe die Regierungsdelegation angewiesen, ohne Unterlass an dem neuen Vertrag zu arbeiten, sagte Präsident Juan Manuel Santos. "Alles liegt auf dem Tisch. Es ist eine Frage des Willens und der Entscheidungsfreude. Das kann innerhalb von Tagen gelingen." Der Staatschef mahnte zur Eile, da der bis Ende des Jahres vereinbarte Waffenstillstand mit den FARC zerbrechlich sei.

Santos und FARC-Kommandeur "Timochenko" hatten bereits Ende September einen Friedensvertrag unterzeichnet, um den seit Jahrzehnten andauernden Konflikt beizulegen. Allerdings scheiterte das Abkommen in einer Volksabstimmung Anfang Oktober. Die Kritiker monierten vor allem die politische Beteiligung der FARC und die relativ milden Strafen für die Rebellen.

Die kolumbianische Regierung verschob indes die ursprünglich für Donnerstag geplanten Friedensgespräche mit der linken Guerillaorganisation ELN. Die Gespräche könnten erst beginnen, wenn die Rebellen den entführten Politiker Odin Sanchez freiließen, sagte Präsident Juan Manuel Santos.

Er habe die Unterhändler angewiesen, zunächst nicht zu den Verhandlungen nach Quito, der Hauptstadt des Nachbarlandes Ecuador, zu fliegen.

Die Regierung hatte die Friedensverhandlungen mit der ELN stets von der Freilassung aller Geiseln abhängig gemacht. Wie viele Menschen sich noch in der Gewalt der Guerilla befinden, ist derzeit unklar. Sanchez ist aber die letzte prominente Geisel der Rebellen.

Der frühere Abgeordnete hatte sich im März gegen seinen Bruder Patrocinio Sanchez austauschen lassen. Der einstige Gouverneur des Departments Choco war im August 2013 entführt worden und in der Geiselhaft schwer erkrankt.

Die Bemühungen um die Freilassung des Ex-Abgeordneten Sanchez wurden am Donnerstag fortgesetzt. Daran sei auch die katholische Kirche beteiligt, gab das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bekannt. Regierungsunterhändler Juan Camilo Restrepo zeigte sich zuversichtlich, dass die Freilassung bis zum 3. November erwirkt werden könne.

Die ELN teilte auf Twitter mit, es habe Missverständnisse gegeben, und sie wolle die Verhandlungen in den kommenden Tagen wieder aufnehmen.

Die kolumbianische Armee warf der ELN unterdessen die Ermordung von zwei Lastwagen-Fahrern vor. Oberst Miguel Angel Rodriguez sagte der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag (Ortszeit), die beiden Fahrer seien von Mitgliedern der ELN bei einem "Terrorakt" getötet worden. Die Tat ereignete sich demnach im Bezirk Arauca im Norden des Landes.

Nach dem Friedensschluss mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) will die kolumbianische Regierung auch den Konflikt mit der zweitgrößten Guerillagruppe des Landes beenden. Die ELN hatte ebenso wie die FARC 1964 ihren Kampf gegen die Regierung, Großgrundbesitzer und rechte Paramilitärs begonnen.

Die kolumbianische Regierung hatte erst kürzlich ein Abkommen mit der FARC-Guerilla getroffen. Die Vereinbarung wurde aber am 2. Oktober in einer Volksabstimmung knapp abgelehnt. Die Gegner kritisierten vor allem die geplante politische Beteiligung der FARC und die relativ milden Strafen für die Rebellen.

Santos wird für seinen Einsatz für eine Beendigung des Konflikts mit der FARC in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Verhandlungen mit der FARC in Kuba hatten vier Jahre gedauert. Santos verlängerte nach der Volksabstimmung den Waffenstillstand mit der FARC bis zum 31. Dezember.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 10:46 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/unterhaendler-arbeiten-neuen-friedensvertrag-mit-farc-aus-934063

Schlagzeilen