Weltpolitik

Ursache nach Flugzeugabsturz in Russland weiter unklar

Beim Absturz eines russischen Flugzeugs auf dem Weg nach Syrien sind 92 Menschen ums Leben gekommen. Die Maschine vom Typ Tupolew Tu-154 ging Sonntagmorgen über dem Schwarzen Meer verloren. Es sei noch zu früh, etwas zur Ursache zu sagen, so Transportminister Maxim Sokolow. An Bord der Maschine waren 84 Passagiere sowie acht Crew-Mitglieder, wie das Verteidigungsministerium mitteilte.

Blumen am Haus des Alexandrov Ensembles. SN/APA (AFP)/ALEXANDER UTKIN
Blumen am Haus des Alexandrov Ensembles.

An Bord waren unter anderen 64 Sänger und Tänzer des Alexandrow-Ensembles, das auch als Chor der Roten Armee bekannt ist, wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte. Der Armeechor sollte bei den Neujahrsfeiern auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt in Hamaimim im Westen Syriens auftreten. Auch der Chorleiter, Generalleutnant Waleri Chilalow, starb.

Neben den Musikern seien acht Mann Besatzung, neun Fernsehjournalisten der Sender NTW, Erster Kanal und Swesda sowie Militärs und Beamte an Bord gewesen. Eine zweite Maschine mit weiteren Musikern sei planmäßig in Hamaimim gelandet, berichtete die Zeitung "Nowaja Gaseta".

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums war das Flugzeug am frühen Sonntagmorgen nahe der Schwarzmeerstadt Sotschi in Richtung Syrien gestartet und kurz darauf vom Radar verschwunden. "Die Absturzstelle der Tu-154 wurde bestimmt", erklärte ein Armeesprecher. Demnach wurden Trümmerteile der Tupolew etwa 1,5 Kilometer von der Küste entfernt in 50 bis 70 Meter Tiefe gefunden.

Die Maschine aus Moskau hatte in Sotschi eine Zwischenlandung eingelegt und war nach Militärangaben um 5.25 Uhr Ortszeit (3.25 Uhr MEZ) wieder gestartet. Zwei Minuten später sei der Kontakt abgerissen.

Zur Unglücksursache lagen zunächst keine gesicherten Informationen vor. Ein terroristischer Anschlag wurde eher ausgeschlossen. Nicht genannte Behördenvertreter sprachen von möglichen technischen Problemen im Steigflug. Routinemäßig gingen Ermittler auch dem Verdacht auf einen Anschlag nach. Die Maschine setzte den Angaben nach kein Notsignal ab. Die Trümmer verteilten sich auf dem Wasser über mehrere Kilometer.

Etwa 3.000 Rettungsleute auf 27 Schiffen suchten die Küste vor dem Ferienort Sotschi ab. Bis zum Sonntagnachmittag wurden zwölf Leichen geborgen. Die Flugschreiber seien noch nicht geortet worden, sagte Minister Sokolow.

Die russische Nachrichtenagentur RIA berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, vorläufige Daten ließen auf einen technischen Defekt oder einen Pilotenfehler schließen. Laut Verteidigungsministerium war die abgestürzte Maschine seit 1983 im Einsatz und hatte 6.689 Flugstunden absolviert. Die letzte Reparatur war demnach im Dezember 2014, zuletzt inspiziert wurde das Flugzeug im September.

Russland kämpft seit Herbst 2015 im Syrien-Krieg aufseiten des Präsidenten Bashar al-Assad. Die militärischen Verluste waren dabei nach offiziellen Angaben begrenzt. Zur Versorgung der Basis Hamaimim betreibt das Verteidigungsministerium einen regen Luftverkehr. Dabei werden auch Zivilflugzeuge wie die 1983 gebaute Tupolew eingesetzt. Anfang Mai hatte das russische Militär den Stardirigenten Waleri Gergijew und sein Orchester zu einem Konzert in die syrische Wüstenstadt Palmyra geflogen.

Russlands Verbündeter Assad sprach Putin sein Beileid aus. Der Absturz des Flugzeugs, das "gute Freunde" an Bord hatte, habe große Trauer hervorgerufen, schrieb Assad der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge.

Präsident Wladimir Putin ordnete für Montag Staatstrauer an. Im Staatsfernsehen sagte er zudem, es werde eine "sorgfältige Untersuchung" zu den Unglücksursachen geben. Zuvor hatte Putin die Regierung beauftragt, eine Ermittlungskommission zu bilden. Ministerpräsident Dmitri Medwedew sprach von einer "fürchterlichen Katastrophe", wie die Agentur Interfax meldete. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach Putin nach dem Unglück ihr Mitgefühl aus, wie die Regierung in Berlin mitteilte.

Auch der tschechische Schlagerstar Karel Gott hat "tief betroffen" auf die Nachricht vom Unglück des russischen Alexandrow-Ensembles reagiert. "Ich will mir die Erinnerung an unsere gemeinsamen Auftritte immer in meinen Gedanken bewahren", sagte er der tschechischen Nachrichtenagentur CTK. Als "schockierende Nachricht, die mich tief ins Herz getroffen hat", bezeichnete die tschechische Sängerin Helena Vondrackova die Meldung vom Flugzeugabsturz. Sie war ebenfalls mehrfach mit dem Ensemble aufgetreten.

Das Alexandrow-Ensemble hat eine reiche Tradition als Soldatenchor der sowjetischen und russischen Armee. Gegründet wurde der Chor 1928 von Alexander Alexandrow (1883-1946), der auch die Nationalhymne der Sowjetunion komponierte. Das Repertoire umfasst etwa 2.000 Werke, zu denen orthodoxe Kirchenlieder, russische Volkslieder, Märsche, aber auch Meisterwerke der Popmusik zählen. Eine im Frühjahr geplante Tournee durch mehrere europäische Länder werde trotz des Unglücks nicht abgesagt, sagte der Europa-Manager des Alexandrow-Ensembles, Rudolf Heger, der tschechischen Nachrichtenagentur CTK. Es könne jedoch zu Terminänderungen kommen.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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