Weltpolitik

US-Außenminister Pompeo nach London weitergereist

US-Außenminister Mike Pompeo ist nach seinem Überraschungsbesuch im Irak am Mittwoch nach London weitergereist, während der Konflikt mit dem Iran weiter eskaliert. "Die Botschaft, die wir hoffentlich an die Iraner gesendet haben, bringt uns in eine Position der Abschreckung, in der die Iraner es sich zwei Mal überlegen werden, amerikanische Interessen anzugreifen", sagte Pompeo.

Es ging vor allem um die Spannungen mit dem Nachbarland Iran SN/APA (AFP)/MANDEL NGAN
Es ging vor allem um die Spannungen mit dem Nachbarland Iran

Die US-Geheimdienste gingen davon aus, dass Angriffe drohten. Der Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, hatte am Sonntag angekündigt, dass die Amerikaner als militärische Warnung an den Iran den Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" und eine Bomberstaffel in Richtung Iran verlegen.

Bolton begründete das Vorgehen mit "einer Reihe beunruhigender und eskalierender Anhaltspunkte und Warnzeichen", auf die man nun reagiere. Die USA wollten eine "klare und unmissverständliche Botschaft an das iranische Regime senden, dass jedem Angriff auf die Interessen der Vereinigten Staaten oder auf die ihrer Verbündeten mit unerbittlicher Kraft begegnet wird". Konkreter wurde er nicht.

Er habe direkt mit der irakischen Führung über die Bedrohung aus Teheran reden wollen, sagte Pompeo. Der US-Chefdiplomat hatte zuvor - als ersten Stopp einer mehrtägigen Europa-Reise - Finnland besucht und dort an einer Sitzung des Arktischen Rates teilgenommen. Von dort aus war er am Dienstag aufgebrochen, ohne dass sein nächstes Ziel öffentlich bekannt wurde. Über Stunden war Pompeo abgetaucht. Die Reise in den Irak war aus Sicherheitsgründen zunächst geheimgehalten worden.

Pompeo sagte für den Besuch im Irak den ursprünglich geplanten Trip nach Berlin kurzfristig ab. Er traf sich bei der Kurzvisite in Bagdad mit mehreren Vertretern der irakischen Regierung, um über die wachsenden Spannungen mit dem Nachbarland Iran zu sprechen. Der US-Außenminister versicherte, er wolle den Besuch in Deutschland so schnell wie möglich nachholen. Einen Termin gibt es dafür bisher nicht. Am Mittwoch wird Pompeo zu politischen Gesprächen in Großbritannien erwartet. Für Donnerstag ist ein Stopp in Grönland geplant.

Pompeo sagte auf dem Flug in den Irak, er habe der irakischen Regierung die Botschaft überbringen wollen, dass die USA bereitstünden, um die Unabhängigkeit des Irak sicherzustellen. Es gehe dabei auch um die Energieunabhängigkeit vom Iran. Der Iran "eskaliere" seine Aktivitäten, erklärte Pompeo.

Die Amerikaner fahren seit längerem einen Kurs der Härte gegenüber der Führung in Teheran. Die USA hatten sich im vergangenen Jahr im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran zurückgezogen. US-Präsident Donald Trump hatte den Schritt fast auf den Tag genau vor einem Jahr angekündigt. Zwischenzeitlich ausgesetzte US-Sanktionen wurden seither schrittweise wieder in Kraft gesetzt - vor allem gegen den Ölsektor des Landes. Auch an anderen Stellen verschärften die Amerikaner die Gangart gegenüber Teheran.

Als Reaktion will die iranische Führung nun offenbar seine Verpflichtungen aus dem Atomabkommen "schrittweise reduzieren" - passend zum Jahrestag des US-Ausstiegs aus dem Vertrag an diesem Mittwoch. Irans Präsident Hassan Rouhani werde dann seine Kollegen in China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland über die Entscheidung informieren, berichtete die iranische Agentur Irna.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 26.01.2021 um 04:45 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/us-aussenminister-pompeo-nach-london-weitergereist-69911116

Kommentare

Schlagzeilen