Weltpolitik

US-Muslime fürchten Deportation und Inhaftierung unter Trump

Rund 3,4 Millionen Muslime leben in den USA. Unter ihnen macht sich angesichts der Kandidatur von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November und dessen islamophoben Aussagen im Wahlkampf großes Unbehagen breit. Sie befürchten Deportation und Inhaftierung, sollte der republikanische Kandidat die Wahl für sich entscheiden.

US-Muslime fürchten Deportation und Inhaftierung unter Trump SN/APA (AFP)/KENA BETANCUR
Die Angst geht um in den USA.

So gibt es mittlerweile Muslime, die angeben, aktuell ihre Dokumente und Pässe in Ordnung zu bringen und detailliert darüber nachzudenken, in welches Land sie ziehen könnten. Andere äußern die Befürchtung, in Internierungslagern zu landen - und fragen in sozialen Medien scherzhaft, ob sie dort wenigstens Internetzugang haben würden. Ein schwuler Muslim fragte auf Twitter, wo er wohl landen werde, im Lager für Schwule oder für Muslime.

Auch Studien belegen die sich verschlechternde Stimmung. Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Southtern Poverty Law Centers geben mehr als zwei Drittel der befragten Lehrer an, dass ihre muslimischen und Immigranten-Schüler sich Sorgen darüber machen, was passieren könnte, sollte Trump Präsident werden.

Hind Makki, eine muslimische Bloggerin und interreligiöse Aktivistin aus Chicago, ist täglich innerhalb der muslimischen Community mit derartigen Bedenken konfrontiert. Rund um Wahlen sei seit dem 11. September stets ein Anstieg an Islamophobie in den USA zu beobachten. Spätestens seit die Republikanische Partei 2010 weiter nach rechts gerückt ist, würden die Republikaner versuchen, sich in Islamophobie und Rassismus zu übertrumpfen. "Das jetzt ist der bisher extremste Wahlkampf", sagt Makki.

Den Großteil der Angriffe und Aggressionen gegenüber Muslimen bekommen Frauen ab. "Islamophobie ist geschlechtsspezifisch", sagt Makki. Denn Frauen seien durch ihr Kopftuch erkennbar. In den vergangenen Wochen häuften sich aber auch Berichte über männliche Muslime, auf die geschossen wurde oder die vor einer Moschee tätlich angegriffen wurden.

Die größte Sorge unter Muslimen ist laut Makki, dass die Wähler und Unterstützer von Trump dessen Vorschläge einfordern und verschärfen. "Sie lieben die Idee, Muslime zu deportieren oder sie zu registrieren." Muslime würden nun vermehrt daran erinnern, was mit japanischstämmigen Amerikanern in den USA im Zweiten Weltkrieg geschah. Damals wurden annähernd 120.000 Menschen von der Westküste zwangsweise umgesiedelt und der Großteil von ihnen in sogenannten War Relocation Centers interniert. "Das ist keine 200 Jahre her, Menschen, die in diesen Lagern waren, sind heute noch am Leben", sagt Makki.

Viele Muslime frustriert zudem, dass sie nicht als Elektorat gesehen werden, das gewonnen werden will, sondern als Vehikel benutzt werden, um andere Wähler zu gewinnen. Muslime, die rund ein Prozent der amerikanischen Bevölkerung ausmachen, leben in allen Bundesstaaten, vor allem aber in Kalifornien, Michigan und New York. Es gibt darüber hinaus große Communities in Swing States wie Ohio, Virginia, Florida oder North Carolina. Sie sind ethnisch sehr divers, zwei Drittel haben Migrationshintergrund und kommen vor allem aus Südasien. Ein Drittel der Muslime sind Afroamerikaner. "Sie können eine Kraft sein, die einen Kandidaten an die Spitze pusht", sagt Makki.

Vor dem 11. September war der Großteil der amerikanischen Muslime registrierte Republikaner. Sie ordnen sich als konservativ ein, schätzten den hohen Stellenwert der Familie und Religion. Da viele von ihnen Kleinunternehmer sind, plädieren sie für niedrige Steuern. Heute liegt Expertenschätzungen zufolge die Zahl der Muslime, die registrierte Republikaner sind, im einstelligen Prozentbereich.

Der scheidende Präsident Barack Obama wird von vielen Muslimen ambivalent gesehen. Seine Persönlichkeit wird gemocht und viele schätzen die Tatsache, dass ein Mann mit einem muslimischen Namen und aus einer multikonfessionellen und multiethnischen Familie im Weißen Haus sitzt, vor allem afroamerikanische Muslime. Gleichzeitig waren und sind viele Muslime gegen die Kriege im Irak und in Afghanistan. Sie wählten ihn wegen seines - nicht gehaltenen - Versprechens, Guantanamo zu schließen und sind enttäuscht über den Drohnen-Krieg.

Im Vorwahlkampf konnte der Demokrat Bernie Sanders viele Muslime für sich begeistern. Nun gibt es Kampagnen, in der so diversen muslimischen Community möglichst viele für die Wahlen zu registrieren. "Es waren noch nie so viele Muslime dazu bereit, wählen zu gehen", beobachtet Makki. Das alleine reiche aber nicht. Die Community müsse über den eigenen Tellerrand schauen, sich mit anderen Minderheiten verbinden und klarstellen, dass die Darstellung und Vision Amerikas vom Trump "nicht Amerika ist, und es nicht das Amerika ist, das wir unseren Kindern hinterlassen wollen."

Quelle: APA

Aufgerufen am 14.11.2018 um 12:27 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/us-muslime-fuerchten-deportation-und-inhaftierung-unter-trump-1192354

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