Weltpolitik

US-Rechtsextreme wollen von Trump profitieren

In der Amtszeit von Donald Trump erlebt der Rechtsextremismus in den USA einen Aufschwung. Viele Vertreter des rechten Randes reklamieren den Präsidenten als einen der ihren. Folglich mischen Rassisten und Immigrantenfeinde auch bei den bevorstehenden Kongress- und Regionalwahlen kräftiger mit als in früheren Jahren. Und die Rechtsausleger machen dabei aus ihrer Gesinnung keinen Hehl.

Neo-Nazis spüren Rückenwind in den USA SN/AA (Getty/AFP)/SPENCER PLATT
Neo-Nazis spüren Rückenwind in den USA

Arthur Jones etwa bestreitet den Völkermord der Nazis an den Juden. Den Holocaust bezeichnet der Kandidat für das Repräsentantenhaus in Washington auf seiner Website als "größte, schwärzeste Lüge der Geschichte". Laut der auf Bekämpfung des Antisemitismus spezialisierten Anti Defamation League (ADL) nimmt der pensionierte Versicherungsmakler regelmäßig an Neonazi-Treffen teil.

Jones kandidiert keineswegs für eine kleine Randgruppe - sondern für Trumps Republikaner. Bei seiner Nominierung im Staat Illinois hatte er leichtes Spiel. Denn der Regionalverband der Partei hatte es nicht geschafft, für die Vorwahlen einen Gegenkandidaten zu rekrutieren. Seither bemüht sich der regionale Parteivorstand um größtmögliche Distanz zu seinem offiziellen Kongressanwärter: "Arthur Jones ist kein wirklicher Republikaner - er ist ein Nazi", hieß es in einem Statement.

Jones ist aber nicht der einzige Vertreter des rechten Rands, der für die Republikaner antritt. Steve West etwa nennt auf seiner Kampagnenwebsite den Islam einen "Krebs für Amerika". Er hat auch eine Radiosendung, in der er gegen Muslime und Juden zu Felde zieht, antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet und verkündet hat: "Hitler hatte Recht". West bewirbt sich für die Republikaner in Missouri um einen Sitz im Regionalparlament.

Viele Rechtsextreme in den USA berufen sich in ihren Kampagnen auf den Präsidenten. Rick Tyler etwa wirbt mit dem Slogan "Macht Amerika wieder weiß". Die Trump-Parole "Macht Amerika wieder großartig" hat der parteiunabhängige Kandidat aus dem Bundesstaat Tennessee damit für ein rechtes Publikum zugespitzt. Tyler bewirbt sich zugleich um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus und um das Gouverneursamt.

Nach Angaben von Beobachtern der Szene ist nie zuvor eine derart große Zahl von Kandidaten angetreten, die offen ihre rechtsextreme Ansichten kundtun. Die Verantwortung für diesen Trend weisen die Experten dem Präsidenten zu, der gegen Immigranten und Muslime polemisiert und Teilnehmer des Rassisten-Aufmarschs in Charlottesville im Sommer 2017 als "sehr feine Leute" beschrieben hat.

Trumps Polemik gegen Minderheiten habe "Tabus gebrochen" und Rechtsextremisten die Tür geöffnet, sagt Heidi Beidrich vom Southern Poverty Law Center (SPLC), das die Aktivitäten rechtsextremer Gruppierungen verfolgt. Sperrangelweit offen steht diese Tür allerdings nicht - die Mehrzahl der rechtsextremen Kandidaten hat bei den Wahlen am 6. November geringe bis gar keine Siegchancen.

Quelle: Apa/Ag.

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