Weltpolitik

USA fliegen Luftangriffe auf Taliban in Afghanistan

Die USA haben mit einer Serie von Luftangriffen auf radikalislamische Taliban in die schweren Kämpfe in der südafghanischen Provinz Helmand eingegriffen. Charles Cleveland, Sprecher der US- und NATO-Streitkräfte in Afghanistan, sprach von "etwa 15 Luftschlägen in 48 Stunden". Die Taliban haben im vergangenen Jahr ihren Einflussbereich in Afghanistan massiv ausgeweitet.

Helmand ist seit Monaten ein Hauptziel der Taliban in ihrem Kampf um mehr Territorium in Afghanistan. Sie kontrollieren mittlerweile bis zu 80 Prozent der Provinz. Vor zwei Tagen hatten sie einen schweren Angriff auf das Zentrum des Bezirks Sangin begonnen. Unter anderem hatten sie unter einem Armeeposten einen Tunnel gegraben und dort eine Bombe gezündet. Ein Sprecher des 215. Korps, Mohammed Rassul Sasai, sprach von bis zu acht weiteren Selbstmordanschlägen.

Sprecher von Gouverneur und Polizei, die dafür bekannt sind, die Sicherheitssituation herunterzuspielen, sagten, in den Anschlägen und Kämpfen seien bis zu drei Soldaten und Polizisten ums Leben gekommen. Ein Stammesältester aus Sangin, der namentlich nicht genannt werden wollte, sprach dagegen von rund 64 Toten. Acht Männer seien gefangen genommen worden. Aber auch viele Taliban seien tot.

Der aktuelle Stand der Gefechte blieb unklar. US- und afghanische Streitkräfte sagen, die Taliban hätten zunächst viele Posten und wichtige Gebäude überrannt, seien aber zurückgeschlagen worden. Derzeit sei es ruhig. Dem Stammesältesten aus Sangin zufolge sind weiterhin Regierungsgebäude in der Hand der Taliban.

Nach Angaben des US-Militärs verliert die Regierung immer mehr Gebiete an die Taliban. Weniger als 60 Prozent des Landes sei noch unter Kontrolle der afghanischen Behörden, heißt es in einem am Mittwoch vorgelegten Bericht der Agentur für den Wiederaufbau des Landes an den US-Kongress unter Berufung auf Schätzungen des US-Militärs.

Der Einflussbereich der Regierung habe damit gegenüber dem Vorjahr um weitere 15 Prozent abgenommen. Die afghanischen Sicherheitskräfte bauten Personal ab, während die Zahl der Zwischenfälle sowie der Einfluss der Regierungsgegner stiegen. Zudem würden immer mehr Stützpunkte im Land aufgegeben, um die Kräfte in den am stärksten bedrohten Gebieten zusammenzuziehen.

Dem Bericht zufolge leben mehr als neun Millionen Menschen in umkämpften Gebieten. Dies habe zu einer der höchsten Raten an zivilen Opfern in Afghanistan geführt, welche die Vereinten Nationen in dem Land jemals verzeichnet hätten. Etwa 2,5 Millionen Menschen lebten in Gegenden, die unter Kontrolle oder Einfluss der Aufständischen seien.

Im Land tobt seit Jahren nach dem weitgehenden Rückzug der NATO- und US-Kampftruppen weiterhin der Konflikt zwischen den vom Westen unterstützten Regierungstruppen und den Taliban. Die Taliban waren 2001 per US-Invasion nach den 9/11-Anschlägen gestürzt worden, weil sie den Anführern des Terrornetzwerk Al-Kaida Unterschlupf gewährten. Zehntausende Afghanen haben wegen der Lage in ihrem Land Zuflucht in Europa gesucht.

Quelle: Apa/Dpa

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