Weltpolitik

USA stationieren US-Raketenabwehr in Südkorea - China empört

In Asien wächst die Sorge vor einer militärischen Eskalation des Nordkorea-Konflikts. Trotz Protesten aus China begannen die USA am Dienstag mit dem Aufbau einer Raketenabwehr in Südkorea. Die Atommacht Nordkorea hatte am Montag vier ballistische Raketen getestet, die zum Teil vor der Küste Japans ins Meer stürzten.

Erste THAAD-Komponenten werden entladen.  SN/APA (AFP)/HANDOUT
Erste THAAD-Komponenten werden entladen.

Machthaber Kim Jong-un hatte dies als Antwort auf das gemeinsame jährliche Militärmanöver der USA und Südkorea bezeichnet, das vor einigen Tagen begann. Nordkorea sieht in den Übungen eine Vorbereitung auf einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel und hat mit Vergeltung gedroht. China erklärte, die US-Raketenabwehr zerstöre die Sicherheits-Gleichgewicht in der Region. Russland erklärte, die Stationierung führe zu einem Patt auf der koreanischen Halbinsel.

Der Kommandant der US-Truppen im Pazifik, Harry Harris, erklärte am Dienstag, Nordkoreas Test beweise die Notwendigkeit, die US-Raketenabwehr vom Typ THAAD in Südkorea zu installieren. Der südkoreanischen Agentur Yonhap zufolge trafen zwei Abschussrampen ein. Ihr Aufbau solle in ein bis zwei Monaten abgeschlossen sein.

Die USA hatten Mitte 2016 unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama mit Südkorea den Aufbau des Systems vereinbart. Damit soll den Angaben zufolge der Süden besser gegen Nordkorea verteidigt werden können. Aus der südkoreanischen Regierung hieß es damals, das System solle Ende 2017 einsatzbereit sein.

China protestierte heftig gegen die eingeleitete Stationierung. "Wir fordern alle Beteiligten auf, die Aufstellung abzusagen und damit zu verhindern, weiter einen Irrweg zu verfolgen", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Geng Shuang, in Peking. China fürchtet eine Eskalation mit Nordkorea, sieht das Gleichgewicht in Ostasien und seine eigenen Sicherheitsinteressen bedroht. 

Die staatliche chinesische Zeitung "Global Times" kritisierte neben den USA und Südkorea auch Nordkorea. "Das chinesische Volk ist verärgert darüber, dass Nordkoreas Atomprogramm für Seoul einen Vorwand zur Stationierung des THAAD-Systems liefert", heißt es in einem Leitartikel. Die Regierung in Nordkorea "glaubt blind daran, dass Atomwaffen die beste Garantie für ihre nationale Sicherheit sind - dabei ist das Gegenteil der Fall".

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un warnte unterdessen, dass die Situation auf der koreanischen Halbinsel so ernst sei, dass "zu jeder Zeit ein Krieg ausbrechen kann". Die strategischen Streitkräfte habe er angewiesen, ihre hohe Wachsamkeit beizubehalten, um die Feinde auszulöschen, wenn die Partei dies befehlen sollte, wurde er von den Staatsmedien zitiert. Kim habe den gleichzeitigen Start der vier Raketen persönlich angeordnet und beobachtet. Der Zeitpunkt der Übung wurde nicht genannt. Nach Angaben Südkoreas und Japans flogen die Raketen bei den Tests am Montag etwas 1.000 Kilometer in Richtung japanische Küste. Drei von ihnen stürzten innerhalb der 200-Meilen-Zone vor Japan ins Wasser.

UN-Resolutionen verbieten Nordkorea, das wegen seines Atomprogramms international isoliert ist, Tests von Raketen unter Verwendung ballistischer Raketentechnik. Der UN-Sicherheitsrat will sich nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap voraussichtlich am Mittwoch auf Antrag Südkoreas, der USA und Japans mit den verbotenen nordkoreanischen Raketentests befassen.

US-Präsident Donald Trump telefonierte nach Nordkoreas jüngstem Test mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe und dem südkoreanischen Präsidenten Hwang Kyo-ahn. "Die Bedrohung (durch Nordkorea) hat eine neue Stufe erreicht", erklärt Abe danach. Trump habe Japan volle Unterstützung zugesagt. Die USA und Japan forderten zudem eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates, die Diplomaten zufolge für Mittwoch zu erwarten ist. Trump hat schon vor Wochen einen harten Kurs gegenüber Nordkorea angekündigt.

Der Test am Montag wurde der nordkoreanischen Agentur KCNA zufolge von einer Armee-Einheit ausgeführt, deren potenzielles Ziel US-Stützpunkte in Japan sind. Machthaber Kim habe die Tests überwacht und die Armee angewiesen, "angesichts der ernsten Lage, in der ein realer Krieg jederzeit ausbrechen kann, in hoher Alarmbereitschaft zu bleiben".

Südkorea zufolge ist es unwahrscheinlich, dass Nordkorea am Montag Interkontinental-Raketen getestet hat, die die USA erreichen könnten. Nordkorea arbeitet aber an der Entwicklung solcher Flugkörper. Das Land hatte zuletzt im Februar eine Rakete getestet. 2016 hatte es rund 20 Raketentests und zwei Atomtests vorgenommen und damit gegen UN-Resolutionen verstoßen.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

Aufgerufen am 18.11.2018 um 01:58 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/usa-stationieren-us-raketenabwehr-in-suedkorea-china-empoert-319528

Schlagzeilen