Weltpolitik

Varoufakis mischt wieder in der griechischen Politik mit

Ein nur kurzes Intermezzo hatte Yannis Varoufakis als griechischer Finanzminister. Dennoch blieb er vielen als Politik-Rebell im Gedächtnis. Nun ist Varoufakis mit seiner neu gegründeten Partei Athener Parlament zurückgekehrt.

Der ehemalige griechische Finanzminister Yannis Varoufakis hat mit seiner Partei die Drei-Prozent-Hürde geschafft.  SN/APA (EPA)/ALEXANDROS VLACHOS
Der ehemalige griechische Finanzminister Yannis Varoufakis hat mit seiner Partei die Drei-Prozent-Hürde geschafft.

Die Wahl am Sonntag hat in Griechenland politisch einiges umgeworfen: Die bisherige Regierungspartei von Premier Alexis Tsipras, die Linkspartei Syriza, wurde auf den zweiten Platz verwiesen. Die meisten Stimmen, nach aktuellen Auszählungen 39,6 Prozent, hat die konservative Partei Nea Dimokratia mit ihrem Spitzenkandidaten Kyriakos Mitsotakis gewonnen.

Im Gegensatz zu der Siegerpartei liegt die neu gegründete Partei MeRA 25 mit aktuell 3,4 Prozent weit abgeschlagen und schaffte gerade noch die Drei-Prozent-Hürde des griechischen Parlaments.

Dennoch schafft es die Zwergenpartei insbesondere in viele deutsche Medien. Denn MeRa 25 hat mit seinem berühmten Vorsitzenden Yannis Varoufakis eine Person an der Spitze, die in Deutschland einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat - und zwar nicht gerade einen positiven. Aber dazu später mehr.

Varoufakis war als griechischer Finanzminister selbst in den eigenen Reihen umstritten.  SN/APA (epa)/SIMELA PANTZARTZI
Varoufakis war als griechischer Finanzminister selbst in den eigenen Reihen umstritten.

Anfang 2018 stellte der ehemalige Finanzminister von Griechenland MeRA 25 vor. Die Abkürzung steht für "Europäische realistische Ungehorsams-Front". Nicht nur der Name zeugt von Rebellion. In einem Video, das Varoufakis am Wahlabend veröffentlichte, sagt er: "Wir sind hier, um unseren konstruktiven Ungehorsam, unseren europäischen Internationalismus, zu implementieren." Die Mitglieder der pro-europäischen Partei seien Linke, Liberale, Grüne und Feministen, sagt Varoufakis. Auf seiner Internetseite spricht Varoufakis davon, dass MeRA 25 gegen die "parasitäre und grausame Form der Oligarchie" der Wahlsieger, der konservativen Partei Nea Dimokratia, vorgehen will.

Er hat die Wahl in Griechenland gewonnen: Kyriakos Mitsotakis von der konservativen Partei Nea Dimokratia.  SN/APA/AFP/LOUISA GOULIAMAKI
Er hat die Wahl in Griechenland gewonnen: Kyriakos Mitsotakis von der konservativen Partei Nea Dimokratia.

Zu den Hauptthemen der MeRA 25 zählt Klimaschutz, eine "verantwortungsvolle" Wirtschaftspolitik, die einen Schuldenerlass Griechenlands fordert, und die Gleichstellung der Geschlechter, inklusive Heirat zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren.

Kein Liebespaar: Varoufakis mit Alexis Tsipras, der nun als griechischer Premier abdanken muss. SN/APA/EPA/ORESTIS PANAGIOTOU
Kein Liebespaar: Varoufakis mit Alexis Tsipras, der nun als griechischer Premier abdanken muss.

Laut aktuellem Stand wird die Partei von Varoufakis neun Abgeordnete ins Athener Parlament schicken. Neben Varoufakis hat die MeRA 25 zwar keine bekannten Gesichter vorzuweisen - aber prominente internationale Unterstützer: Neben dem US-amerikanischen Linguisten Noam Chomsky begeistert sich auch Baywatch-Star Pamela Anderson für die Varoufakis-Partei.

Bekannte Unterstützerin von MeRa 25: die US-Schauspielerin Pamela Anderson.  SN/APA/EPA/GEORG HOCHMUTH
Bekannte Unterstützerin von MeRa 25: die US-Schauspielerin Pamela Anderson.

Ob der Politik-Rebell das Abgeordnetenhaus aufmischen kann, ist eher ungewiss. MeRA 25 hat keine Verbündeten im Parlament. Zu viele seiner Politik-Kollegen beäugen Varoufakis skeptisch. Als Varoufakis mitten in der Griechenlandkrise Finanzminister wurde, gab es viele Hoffnungen: Ein linker Ökonom, der lange Zeit als Wirtschaftsprofessor gearbeitet hat, könnte neue Ideen und Visionen in die damals verfahrene Situation bringen, dachten viele.

Um Griechenland vor dem Staatsbankrott zu retten, hat die Troika, ein Zusammenschluss der europäischen Geldgeber, den Griechen ein striktes Sparprogramm auferlegt. Es war Varoufakis ein Dorn im Auge. Der damalige Finanzminister forderte mehr Hilfe für die griechische Wirtschaft und wetterte vor allem gegen das "deutsche Spardiktat".

Wolfgang Schäuble war Finanzminister in Deutschland während der Griechenlandkrise. Er wurde durch seine Spar-Forderungen für viele Griechen zum Feindbild.  SN/APA/EPA/ORESTIS PANAGIOTOU
Wolfgang Schäuble war Finanzminister in Deutschland während der Griechenlandkrise. Er wurde durch seine Spar-Forderungen für viele Griechen zum Feindbild.

In Deutschland blieb vor allem ein Auftritt von Varoufakis im Gedächtnis. In einem Video, das während seiner Amtszeit viral ging, sagte Varoufakis, dass Griechenland Deutschland - einem der Geldgeber und Teil der Troika - dem Mittelfinger zeigen solle. Wie das aussehen könnte, demonstrierte Varoufakis in dem Video - und erhielt damit den Beinamen "Stinkefinger Griechenlands".

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