Weltpolitik

Vermisster australischer Autor in China festgenommen

Der in China vermisste australische Autor und Kritiker der Kommunisten, Yang Hengjun, ist von den chinesischen Behörden festgenommen worden. Das bestätigte China am Donnerstag und begründete den Schritt mit Spionagevorwürfen. Das Außenministerium in Canberra bemühe sich nun um konsularischen Zugang zu dem Schriftsteller und gebürtigen Chinesen.

Eine Außenministeriumssprecherin sagte am Donnerstag, die Sicherheitsbehörden in Peking hätten "zwingend erforderliche Maßnahmen" gegen Yang Hengjun ergriffen, weil er im Verdacht stehe, mit einer Verwicklung in "kriminelle Aktivitäten" die "nationale Sicherheit" Chinas zu gefährden.

Dies ist in China eine Umschreibung für einen Spionageverdacht. Der Ex-Diplomat Yang, der als Romanautor und Demokratieaktivist bekannt ist, war am Freitag vergangener Woche bei einem Besuch in seinem Heimatland verschwunden. Inzwischen ist klar, dass er kurz nach seiner Ankunft in China festgenommen wurde. Australien hat von China verlangt, ihn "fair und transparent" zu behandeln.

Canberra kritisierte zudem, dass Peking die australischen Behörden nicht wie vorgeschrieben nach drei Tagen, sondern erst nach vier Tagen über die Festnahme informierte. Der australische Verteidigungsminister Christopher Pyne, der gerade in China zu Besuch ist, will zudem mit seinem chinesischen Kollegen über den Fall sprechen.

Yang hatte für das chinesische Außenministerium gearbeitet. 1992 ging er nach Hongkong und 1997 in die USA, wo er für das Politikinstitut Atlantic Council arbeitete. Später nahm er die australische Staatsbürgerschaft an.

Yang hat mehrere Spionageromane geschrieben und betreibt einen bekannten Blog. Er wurde einmal als einflussreichster Politik-Blogger Chinas beschrieben. Er war im Jahr 2011 schon einmal verschwunden. Damals tauchte er aber nach einigen Tagen wieder auf und sprach von einem "Missverständnis".

China hatte auch die Festnahme von zwei Kanadiern im Dezember mit Spionagevorwürfen begründet. Beobachter sehen darin eine Vergeltungsaktion der chinesischen Behörden für die Festsetzung der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou, die auf Betreiben der USA in Kanada festgenommen worden war. Die US-Justiz wirft ihr einen Verstoß gegen die Iran-Sanktionen vor und verlangt ihre Auslieferung.

Quelle: Apa/Ag.

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