Weltpolitik

Vier Tote bei neuer Gewalt zwischen Israel und Gaza

Bei heftigem gegenseitigem Beschuss zwischen Israel und dem palästinensischen Gazastreifen sind mindestens vier Menschen getötet und acht weitere verletzt worden. Die israelische Luftwaffe griff nach Armeeangaben am Samstag 70 Ziele in dem Küstenstreifen am Mittelmeer an. Militante Palästinenser feuerten nach israelischen Angaben etwa 250 Raketen Richtung Israel ab.

Bei einem Angriff im Norden des Palästinensergebietes sei am Samstag ein 25-jähriger Mann gestorben, teilte das Gesundheitsministerium der von der radikalislamischen Hamas geführten Regierung im Gazastreifen mit. Zuvor hatte das Ministerium bereits den Tod eines 14 Monate alten Mädchens, seiner 37-jährigen schwangeren Mutter und eines 22-Jährigen mitgeteilt. Sechs weitere Menschen, drei Zivilisten und drei Kämpfer, seien verletzt worden.

Mit den Angriffen im Gazastreifen reagierte die israelische Armee nach eigenen Angaben auf etwa 250 Raketenangriffe aus dem Gazastreifen seit Samstagmorgen. Dabei waren nach Polizeiangaben mehrere Israelis verletzt worden, einige von ihnen schwer.

Bei einem der Luftangriffe wurde nach Augenzeugenberichten auch ein sechsstöckiges Gebäude im Westen von Gaza-Stadt zerstört. In dem Gebäude habe sich unter anderem das Büro der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu befunden. Die Raketenangriffe hielten auch am Abend an, Israel flog weiter Luftangriffe.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan warf der israelischen Armee unterdessen vor, bei einem Bombardement in Gaza den dortigen Sitz der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zerstört zu haben. "Wir verurteilen den Angriff Israels gegen das Büro der Agentur Anadolu in Gaza scharf", erklärte Erdogan auf Twitter. "Trotz dieser Angriffe informieren die Türkei und Anadolu die Welt weiterhin über den Terrorismus und die Grausamkeiten, die Israel in Gaza und anderswo in Palästina verübt."

Anadolu berichtete, das Gebäude, in dem sich das Büro der Agentur befunden habe, sei durch fünf Geschosse der israelischen Luftwaffe zum Einsturz gebracht worden. Die Nachrichtenagentur veröffentlichte ein Video von den Trümmern eines Gebäudes. Die Anadolu-Mitarbeiter waren den Angaben zufolge nach einem Warnschuss kurz vor dem Beschuss in Sicherheit gebracht worden. Niemand sei verletzt worden.

Der Vorfall könnte die Spannungen zwischen der Türkei und Israel weiter anheizen. "Das Zielen auf die Agentur Anadolu in Gaza ist ein weiteres Beispiel für die grenzenlose Aggressivität Israels", schrieb der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu auf Twitter. "Die wahllose Gewalt Israels gegen Unschuldige ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit."

In Israel wurden mehrere Häuser in Ortschaften in der Nähe des Gazastreifens von Raketen getroffen. Dabei erlitt laut israelischen Medien am Samstag eine Frau in Kirjat Gat gefährliche Gesichtsverletzungen durch Splitter. Ein Mann sei in Ashkelon verletzt worden. Zehntausende Menschen mussten in Schutzräume flüchten, in den betroffenen Regionen heulten immer wieder die Sirenen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu nahm an einer Krisensitzung im Verteidigungsministerium in Tel Aviv teil, wie israelische Medien berichteten. Israels Raketenabwehrsystem habe Dutzende Geschosse abgefangen, teilten die IDF mit. Die Armee griff eine Reihe von Militärposten der in Gaza regierenden radikalislamischen Hamas und des Islamischen Jihad an. Zwei Raketenwerfer im Norden Gazas seien angegriffen und getroffen worden, hieß es. Israel schloss die beiden Grenzübergänge für Menschen und für Waren zum Gazastreifen und verbot auch den Fischern, auszulaufen.

Militante Palästinenserorganisationen rechtfertigten die Raketenangriffe mit dem Tod von Palästinensern bei Protesten der vergangenen Tage. Der Islamische Jihad machte deutlich, dass die Angriffe auch darauf abzielten, die Organisation des in knapp zwei Wochen geplanten Gesangswettbewerbs Eurovision Song Contest in Tel Aviv zu stören. Ein Hamas-Sprecher sagte, die Vereinbarungen für eine Waffenruhe seien "kein Hindernis" für Antworten auf Aggression: "Das Blut unseres Volkes ist eine Rote Linie."

Die Spannungen zwischen Israel und den Palästinenserorganisationen im Gazastreifen waren nach einer Zeit relativer Ruhe zuletzt erneut eskaliert. Bei Protesten an der Grenze zu Israel und bei israelischen Luftangriffen waren am Freitag vier Palästinenser getötet worden. Rund 50 Palästinenser wurden verletzt. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte wurden zudem zwei israelische Soldaten an der Grenze durch Schüsse verletzt.

Aufgerufen am 20.10.2021 um 07:04 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/vier-tote-bei-neuer-gewalt-zwischen-israel-und-gaza-69741499

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