Wadlbeißer wird Ministerpräsident

Im weißblauen Freistaat ist der Übergang vom einen Regenten zum nächsten stets prekär gewesen. Immer kommt es dann innerhalb der CSU zu einem Hauen und Stechen.

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Standpunkt Helmut L. Müller

Standhaft, ja stur hat sich Horst Seehofer nach der Schlappe seiner Partei bei der Bundestagswahl Ende September geweigert, seinen Abgang als bayerischer Ministerpräsident in Aussicht zu stellen. Erst jetzt, nach einer langen Personaldebatte, sprich: nach einem heftigen Machtkampf, gibt er den Weg frei für seinen Nachfolger Markus Söder.
Ausschlaggebend dafür war das eindeutige Signal der CSU-Landtagsfraktion, dass sie nicht mehr mit Seehofer, sondern eben mit Söder als Spitzenkandidat in die Landtagswahl im Herbst 2018 ziehen will. Denn die Christsozialen fürchten um ihre Machtposition, weil ihnen nicht nur FDP und Freie Wähler, sondern auch die Rechtspopulisten von der AfD Stimmen wegnehmen könnten. Die endgültige Entscheidung trifft zwar ein Parteitag; aber er wird jedenfalls der Empfehlung der Landtagsfraktion folgen.
Söder soll die CSU aus dem Stimmungstief holen. Dazu muss er beweisen, dass er nicht nur ein Wadlbeißer sein kann, sondern auch ein Mann mit Gespür, Vision und Konsenswillen ist. Seehofer tritt einen Rückzug auf Raten an. Er will den CSU-Vorsitz behalten und wechselt womöglich ins Bundeskabinett nach Berlin, bleibt also neben Söder der zweite König der CSU. Eine Doppelspitze, die nach vielen Reibereien ein konstruktives Zusammenwirken erst noch üben muss.

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