Weltpolitik

Waffenruhe zwischen Israel und Gazastreifen hält soweit

Nach tagelangem Beschuss haben die Bewohner des palästinensischen Gazastreifens und grenznaher israelischer Gebiete erstmals wieder eine ruhige Nacht erlebt. Eine von militanten Palästinensern am Dienstag einseitig verkündete Waffenruhe wurde von beiden Seiten eingehalten. Zuvor waren bei palästinensischen Raketenangriffen auf Israel und israelischen Gegenschlägen acht Menschen getötet worden.

Zuvor hatte es intensive Angriffe gegeben SN/APA (AFP)/GIL COHEN-MAGEN
Zuvor hatte es intensive Angriffe gegeben

Die Rückkehr zu einer Waffenruhe sei von Ägypten eingefädelt worden, hatten die Hamas und andere militante Palästinenserorganisationen mitgeteilt. Die Hamas dankte vor allem Ägypten, Katar, Norwegen und den Vereinten Nationen, wie das israelische Nachrichtenportal ynet berichtete.

Ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu hatte sich zunächst nicht dazu geäußert. Die Gewalt hatte nach einer am Sonntag missglückten israelischen Kommandoaktion im Süden des Gazastreifens begonnen. Bei einem Feuergefecht waren dabei zunächst sieben Palästinenser und ein israelischer Offizier getötet worden. Dem folgenden gegenseitigen Beschuss fielen bis Dienstag weitere sieben Palästinenser und ein Mann in Israel zum Opfer.

Militante Palästinenser feuerten nach israelischen Armeeangaben rund 460 Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen auf Israel ab. Es habe sich um die intensivsten Angriffe auf Israel seit dem Gaza-Krieg 2014 gehandelt, sagte der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus. Als Reaktion darauf griff die israelische Armee nach eigenen Angaben im Gazastreifen mehr als 160 militärische Ziele an. Auch ein TV-Sender der Hamas wurde zerstört.

Der UN-Sicherheitsrat befasste sich unterdessen in einer Dringlichkeitssitzung mit der Gewalteskalation im Gazastreifen. Das von Kuwait und Bolivien beantragte Treffen in New York fand am Dienstag hinter verschlossenen Türen statt. Nach Angaben von Diplomaten wurde aber keine Einigung auf ein gemeinsames Vorgehen angesichts der Gewalt im Konflikt zwischen Israel und Palästinensern erzielt. Eine Abschlusserklärung, auf die sich alle 15 Mitgliedstaaten hätten verständigen müssen, gab es nicht.

Auch das Auswärtige Amt in Berlin zeigte sich über die Lage besorgt. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron verurteilte den massivem Raketenbeschuss Israels durch militante Palästinenser. In einem Telefongespräch mit Netanyahu habe Macron zudem die Beteiligten aufgerufen, jegliche Eskalation zu vermeiden, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den Elysee-Palast.

Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Israel hat vor mehr als zehn Jahren eine Blockade über das Küstengebiet verhängt, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen dies mit Sicherheitsinteressen. Im Gazastreifen leben rund zwei Millionen Menschen unter schwierigen Bedingungen. Es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Strom.

Bewohner israelischer Siedlungen im Grenzgebiet zum Gazastreifen demonstrierten am Dienstagabend gegen die Waffenruhe. Sie hätten es satt, immer wieder in Bunker und Schutzräume flüchten zu müssen. Die Regierung müsse endlich dafür sorgen, dass die Angriffe aus dem Gazastreifen aufhörten, berichteten israelische Medien.

Quelle: Apa/Dpa

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