Weltpolitik

Warum Putin eine wegen Drogenschmuggels verurteilte Israelin nun begnadigte

Wladimir Putin hat eine junge Israelin begnadigt, die wegen fragwürdiger Drogenschmuggelvorwürfen zu über sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Nicht ohne Gegenleistungen aus Israel.

Naama Issachar wurde von Israels Ministerpräsident Netanyahu und seiner Frau in Moskau begrüßt. SN/AP
Naama Issachar wurde von Israels Ministerpräsident Netanyahu und seiner Frau in Moskau begrüßt.

Am Ende strahlten alle vor Glück. Am Donnerstag umarmten der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu und seine Frau auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo die gerade freigelassene Naama Issachar.

Am Vorabend hatte Russlands Präsident Wladimir Putin die junge Israelin mit amerikanischem Zweitpass begnadigt. Issachar war im Oktober von einem russischen Gericht zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis wegen Drogenschmuggels verurteilt worden. Der Richterspruch wurde nicht nur in Israel als Skandal aufgenommen.

"Natürlich freuen wir uns, dass sie ihre Freiheit wieder hat", sagt Issachars russischer Verteidiger Vadim Kljuwgant unserer Zeitung. "Aber Gerechtigkeit ist ihr nicht widerfahren." Der Makel eines Drogendeliktes hänge ihr weiter an, ohne dass sie ihn im Geringsten verdiene.

Issachar wurde am Flughafen in Moskau verhaftet

Die 27-jährige Yogatrainerin flog im April aus Indien zurück nach Israel, mit einer Zwischenlandung zum Umsteigen in Moskau. Auf dem Flughafen Scheremetjewo entdeckten Zollbeamte in einem Rucksack, den sich als Gepäck aufgegeben hatte, 9,6 Gramm Haschisch. Issachar wurde verhaftet und vor Gericht gestellt. Auf Grundlage eines russischsprachigen Protokolls, das die mutmaßliche Drogenschmugglerin nur mit dem Zusatz unterschrieben hatte, sie habe es nicht verstanden.

Vor Gericht beteuerte sie, das Haschisch stamme nicht von ihr. Außerdem befand sie sich im Transitbereich, sie hatte offiziell kein russisches Staatsgebiet betreten und keinerlei Zugang zu ihrem Rucksack mit dem Haschisch. Deshalb bezeichnete die Verteidigung die Anklage wegen Drogenschmuggels als unsinnig.

Israel forderte die Freilassung der Inhaftierten

In Israel und den USA forderten Demonstranten die Freilassung der jungen Frau. Israelische Medien aber zitierten Familienangehörige und Beamte, Moskau hätten vorgeschlagen, Issachar gegen den Russen Alexei Burkow auszutauschen. Der mutmaßliche Cyberkriminelle saß in Israel ein und wurde trotz russischer Protests im November an die USA ausgeliefert.

Aber auch danach bemühte sich die israelische Seite weiter um Issachars Freilassung. Ende Dezember sprach ein israelisches Gericht der russisch-orthodoxen Kirche das Besitzrecht am sogenannten Alexanderhof zu, einem historisches Architekturobjekt in der Altstadt von Jerusalem. Und Wladimir Putin wurde als Stargast empfangen, als er vergangene Woche zu einem internationalen Holocaust-Forum nach Israel kam. Dort stellte ihm Netanyahu auch die Mutter der Verurteilten vor. Schon da lächelte Putin gnädig: "Alles wird gut werden."

Die Freilassung der jungen Israelin kommt für Netanyahu zur richtigen Zeit

Rechtsanwalt Kljuwgant sagt, die Verteidigung und seine Mandantin würden nach ihrer Rückkehr nach Israel entscheiden, ob sie das Urteil weiter anfechten werden. Er schließt auch nicht aus, dass Issachar Entschädigung für die zehn Monate verlangt, die sie in Russland hinter Gittern saß.

Und in Moskau wird gemutmaßt, ob Netanyahu rein zufällig gerade gestern in Moskau landete, um mit Wladimir Putin den neuen Nahost-Plan Donald Trumps zu besprechen. Netanyahu befindet sich im Wahlkampf, muss sich gegen neue Korruptionsvorwürfe wehren. Es trifft sich auch für ihn sehr gut, wenn er die befreite Naama Issachar mit nach Hause bringt.

Aufgerufen am 28.11.2020 um 01:08 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/warum-putin-eine-wegen-drogenschmuggels-verurteilte-israelin-nun-begnadigte-82760347

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