Weltpolitik

Weißes Haus benutzte Fake-Logo für Kim-Video

Die Journalisten in Singapur dachten erst, es handele sich um ein Propaganda-Video Nordkoreas. Tatsächlich produzierte das Weiße Haus den vierminütigen Clip - unter einem falschen Namen.

Gute Freunde zumindest für einen Tag: Kim Jong Un und Donald Trump. SN/AP
Gute Freunde zumindest für einen Tag: Kim Jong Un und Donald Trump.

Als Mark Castaldo am Morgen in seinen Posteingang schaute, traute er seinen Augen nicht. Er fand Hunderte Anfragen von Reportern aus aller Welt vor, die dringend mit ihm sprechen wollten. Ihnen war auf dem Video, das US-Präsident Donald Trump dem nordkoreanischen Diktator mitgebracht hatte, das Logo "Destiny Pictures Productions" aufgefallen - der Name von Castaldos Filmproduktionsfirma in Kalifornien.

Vai Twitter stellte Castaldo klar, "nichts mit dem Video zu tun zu haben". Er werde aber versuchen, herauszufinden, "warum sie den Namen meiner Firma benutzt haben".

Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus räumte ein, das Propagandafilmchen sei dort kreiert worden. "Es sollte dem Präsidenten helfen, die Vorteile einer kompletten nuklearen Abrüstung und eine Vision für eine friedliche und wohlhabende koreanische Halbinsel vorzuführen."

Trump hatte nach eigenen Aussagen das Video zum Abschluss der Gespräche in Singapur Kim Jong Un und acht weiteren Personen auf einem IPad gezeigt. "Ich denke, sie waren fasziniert davon", meinte Trump den Journalisten, die den Clip in koreanischer Sprache vor der Pressekonferenz auf großen Schirmen sehen konnten.

Wie die "Washington Post" berichtet, dachten viele Reporter zunächst, es handele sich um Propaganda des Nordens, weil der Videoclip Trump und Kim als ebenbürtige Führer präsentierte, die von tanzenden Koreanern gefeiert werden.

Die Wiederholung in englischer Sprache machte dann klar, dass es eine Botschaft an Kim war, der die "vielleicht einmalige" Chance habe, seine Waffen gegen eine schillernde Zukunft mit Hochgeschwindigkeitszügen, Strandressorts und glitzernde Skylines einzutauschen. "Nur sehr Wenige werden Entscheidungen treffen oder Aktionen unternehmen, ihre Heimat zu erneuern oder den Kurs der Geschichte zu ändern", hieß es.

Dass Video war im Stil der Werbeclips geschnitten, die Trump bei der Akquisition seiner Bauprojekte benutzte.

Dass der Präsident von dieser ungewöhnlichen Form der Überzeugungsarbeit begeistert war, daran ließ er in Singapur keinen Zweifel. Offen bleibt, warum sich das Weiße Haus hinter Castaldos Firma versteckte. Der Sprecher des Sicherheitsrats ließ diese Frage unbeantwortet.

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