Weltpolitik

Weltkriegs-Jahrestag: Proteste gegen Neonazis in Dresden

In Dresden haben sich am Samstag bis zu 1.000 Menschen einem Aufzug von mehreren hundert Neonazis in den Weg gestellt. Die Rechtsextremen zogen wegen des Jahrestages der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg durch die Stadt. Auf einer Kundgebung bezeichnete sich der vorbestrafte Neonazi und Holocaust-Leugner Gerhard Ittner selbst als "überzeugten Nationalsozialisten".

Für ihn ist Nazi offenbar kein Schimpfwort.  SN/APA (dpa)/Sebastian Kahnert
Für ihn ist Nazi offenbar kein Schimpfwort.

Ittner verherrlichte zudem die NS-Ideologie als "Modell für die ganze Welt". Der Auftritt könnte juristische Folgen haben; der polizeiliche Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

Nach Angaben der Polizei wurde Ittner schon während der Kundgebung angesprochen, man habe ihm die Auflösung der Versammlung angedroht. Neben Ittner hatten auch andere Redner gehetzt. Zuletzt spendeten ihnen noch etwa 100 Demonstranten Beifall, darunter auch viele Anhänger der islam- und ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung.

Rechtsextreme missbrauchen den Jahrestag der Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 regelmäßig für ihre Zwecke und rechnen die Opferzahlen hoch, um so "alliierte Kriegsverbrechen" zu belegen. Bei Ittners Aufzug hatten sich zunächst gut 200 Rechtsextreme am Zwingerteich versammelt. Sie konnten ihren Marsch in die Neustadt nicht wie geplant durchführen, weil vor allem viele junge Menschen die Brücken blockiert hatten. So mussten sie schon nach kurzer Zeit zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Ittner war im November 2015 vom Landgericht Nürnberg-Fürth unter anderem wegen Volksverhetzung zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Auf der Abschlusskundgebung kündigte er den Schweizer Rechtsextremisten Bernhard Schaub als "bekennenden Holocaust-Leugner" und "Kämpfer für die Wahrheit" an. Er selbst nahm das Wort Holocaust-Lüge zwar nicht in den Mund, sprach aber "von der größten Lüge der Weltgeschichte".

Am frühen Abend gab es im Umfeld des Dresdner Hauptbahnhofes einem zweiten Aufzug Rechtsextremer, der von der örtlichen Szene angemeldet war. Nach Angaben der Studentengruppe "Durchgezählt" beteiligten sich etwa 650 Teilnehmer an dem Marsch. Am Rande machten immer wieder Gegendemonstranten mit Sprechchören ihrem Unmut Luft. An einer Stelle musste die Route wegen Sitzblockaden verlegt werden. 1.300 Polizisten trennten die Lager.

Die Polizei zog eine positive Bilanz. Neben dem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung lägen lediglich einige wenige Verstöße gegen das Versammlungsgesetz vor, hieß es. "Wie erwartet ergab sich aus den angezeigten Aufzügen der unterschiedlichen Lager eine konfrontative Versammlungslage. Vor diesem Hintergrund freue ich mich besonders, dass der Tag friedlich und störungsfrei verlief", erklärte Polizeipräsident Horst Kretzschmar.

Am Montag erinnert die Stadt Dresden an ihre Zerstörung - unter anderem mit einer Menschenkette. Die Barockstadt war am 13. Februar 1945 und an den beiden Tagen danach bei Luftangriffen der Briten und Amerikaner schwer getroffen worden. Das Zentrum fiel in Schutt und Asche. Bis zu 25.000 Menschen verloren ihr Leben.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 22.09.2018 um 05:21 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/weltkriegs-jahrestag-proteste-gegen-neonazis-in-dresden-379321

Schlagzeilen