Weltpolitik

Weltweit sozialer Fortschritt - aber Toleranz erodiert

Die Soziale Lage der Welt verbessert sich insgesamt. Aber in zahlreichen Ländern zeigt sich eine Erosion von persönlichen Rechten, persönlicher Sicherheit und der Toleranz gegenüber Immigranten und Minderheiten, zeigt der "Social Progress Index", der am Mittwoch zum vierten Mal veröffentlicht wurde.

Die Lage in Venezuela wurde nicht bewertet.  SN/APA (AFP)/FEDERICO PARRA
Die Lage in Venezuela wurde nicht bewertet.

Vor allem der Zugang zu Information verbessert sich weltweit, dank Verbreitung des Smartphones auch in ärmeren Ländern. Auch erreichen zunehmend mehr Menschen eine weiterführende Bildung. Obwohl aber der weltweite Durchschnitt in den meisten Komponenten des Indikators für sozialen Fortschritt gestiegen ist, schaffen es viele Länder nicht, allen Bürgern Chancen zu eröffnen, heißt es in dem Bericht. In Bezug auf die Milleniumsziele - Ernährung, Gesundheitsvorsorge, Wasser und Zugang zu Grundausbildung - habe es seit 2014 nur eine sehr langsame Verbesserung gegeben. Fortschritte im Gesamtwert sollten nicht die Rückschritte in Teilbereichen übertünchen, warnt der Bericht.

Der Social Progress Index (SPI) wird seit 2014 von der NGO Social Progress Imperative gemeinsam mit Deloitte veröffentlicht. Er soll Maßeinheiten wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ergänzen. Er zielt darauf ab, Stärken und Schwächen der gesellschaftlichen Entwicklung aufzudecken sowie Verbesserungspotenziale zu identifizieren. 2017 erreichte er einen Indexwert von 64,85, gestartet war er 2014 mit 63,19 Punkten.

Österreich liegt in dem heuer 128 Länder umfassenden Index auf Rang 14 (Vorjahr: 13) und damit gerade noch unter der Top-Gruppe der Länder mit "sehr hohem sozialen Fortschritt". Absolut top ist Österreich bei der Versorgung mit Wasser und Hygiene (100 von 100 Punkten) sowie bei Ernährung und Gesundheitsversorgung (99,53 Punkte). Relativ schwach ist der Zugang zur weiterführenden Bildung (62,47), aber auch bei der Toleranz kommt Österreich nur auf 73,76 Punkte.

"Österreich schlägt sich im globalen Vergleich sehr gut. Wir können uns über ein hohes Niveau an Lebensqualität und Wohlstand freuen", schreibt Bernhard Gröhs, Managing Partner von Deloitte Österreich, in einer Aussendung anlässlich der Veröffentlichung des Berichts. Aber "Diversität und Toleranz sollten nicht nur aus sozialen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten mehr in den Fokus rücken".

Nur vier Länder haben sich seit 2014 um mehr als einen Punkt im Index verschlechtert. Auf dieser kurzen Liste findet sich das EU-Land Ungarn mit der Zentralafrikanischen Republik, dem Kongo und Nicaragua wieder. Der Rückgang bei der Toleranz gegenüber Minderheiten und Immigranten sowie der Abbau politischer Rechte haben dazu beigetragen. In der Toleranz verschlechterte sich Ungarn um fünf Punkte, bei den persönlichen Rechten um mehr als 9 Punkte. Da ist Ungarn mit der Türkei, Thailand, Tadschikistan, Lesotho und Burundi in einem Boot.

In Bezug auf die Toleranz liegen schon die europäischen Länder weit auseinander. Während die nordeuropäischen Staaten zu den tolerantesten der Welt gehören, rangieren viele zentral- und osteuropäische Staaten in der unteren Hälfte der Liste und in Tschechien, Frankreich, Ungarn, Lettland, Polen, Russland und der Slowakei hat es substanzielle Verschlechterungen gegeben, weil die Toleranz gegenüber Immigranten sinkt und die Diskriminierung von Minderheiten zunimmt. Auch die USA haben sich aus diesen Gründen verschlechtert, vor allem der Antisemitismus und die Diskriminierung von Minderheiten nahmen zu. Die USA liegen nach diesem Kriterium auf Rang 23, insgesamt gibt es für das Land Rang 18.

Größte Fortschritte bescheinigt der Social Progress Index Myanmar und Nigeria. Syrien und Venezuela wurden hingegen nicht mehr bewertet, weil die aktuelle Verschlechterung in den Daten nicht erfasst werden könne.

Quelle: APA

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