Weltpolitik

Wer wird Großbritanniens nächster Premier?

Die britische Premierministerin Theresa May hat am Freitag verkündet, dass sie am 7. Juni aus der Downingstreet 10 ausziehen wird. Nun ist ganz offiziell das Rennen um ihre Nachfolge eröffnet. Diese sieben Politikerinnen und Politiker haben die besten Chancen, May nachzufolgen.

Theresa May geht – doch wer wird ihr nachfolgen? SN/AP
Theresa May geht – doch wer wird ihr nachfolgen?

Nach ihrem Scheitern beim Brexit hat Großbritanniens Premierministerin Theresa May am Freitag ihren Rücktritt bekanntgegeben. Als Parteichefin der Konservativen tritt May am 7. Juni ab, in der Folge gibt sie auch ihr Amt als Regierungschefin auf. Es gibt einige Anwärter auf den Parteivorsitz und damit für das Amt des Premiers:

Boris Johnson hat bei den Tories nicht nur Freunde. SN/APA/AFP/OLI SCARFF
Boris Johnson hat bei den Tories nicht nur Freunde.

Boris Johnson

Der frühere Bürgermeister von London war einer der Wortführer der Brexit-Kampagne vor dem Referendum im Jahr 2016. Johnson ist unkonventionell, oft undiplomatisch-polternd und verfügt über Charisma. May ernannte den polarisierenden Politiker nach dem Brexit-Referendum zum neuen Außenminister. Er leistete sich allerdings diverse Ausrutscher und machte insgesamt keine gute Figur auf dem diplomatischen Parkett. Schon vor seinem Rücktritt im Juli 2018 war er ein heftiger Kritiker von Mays Brexit-Kurs.

Johnson bestätigte, dass er "natürlich" bei der Wahl um Mays Nachfolge antrete. Der 54-Jährige, der oft einfach nur "Boris" oder "BoJo" genannt wird, hat sich in den Reihen der Tories einige Feinde gemacht. Durch Unterstützung des einflussreichen Torys und Brexit-Hardliners Jacob Rees-Mogg sind Johnsons Chancen aber gestiegen. Bei den britischen Buchmachern gilt er als Favorit für Mays Nachfolge.

Andrea Leadsom war bis Mittwoch die Vorsitzende des britischen Unterhauses – sie trat zurück, weil sie Mays Kurs nicht mehr teilte. SN/APA/AFP/ISABEL INFANTES
Andrea Leadsom war bis Mittwoch die Vorsitzende des britischen Unterhauses – sie trat zurück, weil sie Mays Kurs nicht mehr teilte.

Andrea Leadsom

Die überzeugte Brexit-Befürworterin hat im Sommer 2016 schon einmal nach der Macht gegriffen. Die 56-Jährige hat drei Jahrzehnte als Bankerin in der City of London gearbeitet, ehe sie in die Politik wechselte. Leadsom ist eine Bewunderin der Tory-Ikone Margaret Thatcher. Aus Protest gegen Mays Brexit-Kurs warf Leadsom am Mittwoch als Ministerin für Parlamentsangelegenheiten das Handtuch. Nach Mays Rücktritt gilt Leadsom als Kompromisskandidatin, die in der Partei weithin konsensfähig ist.

Michael Gove ist für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU.  SN/AP
Michael Gove ist für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU.

Michael Gove

Der Brexit-Wortführer Gove wollte bereits in den Wirren nach dem Referendum im Jahr 2016 an die Parteispitze. Er schaffte es bei der Abstimmung in der Fraktion jedoch nicht in die Endrunde. May machte ihn im Juni 2017 zum Umweltminister, wo er mit einer Reihe umweltfreundlicher Ankündigungen in den Schlagzeilen blieb. Der 51-Jährige ist der führende Brexit-Hardliner in Mays Kabinett.

Jeremy Hunt ist Großbritanniens Außenminister.  SN/AP
Jeremy Hunt ist Großbritanniens Außenminister.

Jeremy Hunt

Der Nachfolger von Boris Johnson im Amt des Außenministers war eigentlich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU. Allerdings kritisierte der 52-Jährige das Auftreten Brüssels in den Verhandlungen um den Austritt später als "arrogant". Der frühere Geschäftsmann, der fließend Japanisch spricht, gilt als besonders belastbar. Der Einfluss des 52-Jährigen im Kabinett ist nach und nach gestiegen.

Dominic Raab ist politisch wie privat schlagkräftig: Er hat den schwarzen Karate-Gürtel.  SN/AP
Dominic Raab ist politisch wie privat schlagkräftig: Er hat den schwarzen Karate-Gürtel.

Dominic Raab

Der 45-Jährige folgte im Juli als Brexit-Minister auf David Davis, der seinen Posten räumte, weil er die Linie von May gegenüber Brüssel als zu weich empfand. Doch auch Raab hielt es nicht lange auf dem Posten. Er trat im November zurück und bezeichnete das Brexit-Abkommen als "schlecht für unsere Wirtschaft und unsere Demokratie". Raab ist Boxer und zudem Träger eines schwarzen Karate-Gürtels.

Sajid Javid ist seit April 2018 Innenminister von Großbritannien.  SN/AP
Sajid Javid ist seit April 2018 Innenminister von Großbritannien.

Sajid Javid

Der frühere Investmentbanker und Sohn eines pakistanischen Busfahrers gilt als das Gesicht des modernen, multikulturellen Großbritanniens. Der 49-Jährige gehört dem wirtschaftsliberalen Flügel der Konservativen an und stimmte 2016 für einen Verbleib seines Landes in der EU. Nach dem Ausgang des Referendums unterstützte er aber den Brexit-Kurs.

Seit April 2018 ist Javid Innenminister. In liberalen Kreisen wurde er kürzlich kritisiert, weil er einer jungen britischen IS-Anhängerin, die nach Großbritannien zurückkehren wollte, die Staatsangehörigkeit entzog.

Amber Rudd war die dritte Frau Großbritanniens, die den Posten als Innenministerin inne hatte. SN/APA/AFP/DANIEL LEAL-OLIVAS
Amber Rudd war die dritte Frau Großbritanniens, die den Posten als Innenministerin inne hatte.

Amber Rudd

Nach einer Karriere in der Finanzbranche und als Wirtschaftsjournalistin wurde Rudd 2010 Abgeordnete. Anschließend begleitete sie May bei deren politischem Aufstieg. Diese ernannte Rudd zunächst zur Innenministerin, später zur Arbeitsministerin. Allerdings könnte sich die europafreundliche Haltung der 55-Jährigen negativ für sie auswirken.

Quelle: SN, Afp

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