Wladimir Putin ist der Star der europäischen Rechten

Österreich pflegt traditionell gute Beziehungen zu Moskau. Das ist gut so. Es gibt aber auch eine andere Seite der Medaille.

Autorenbild
Standpunkt Martin Stricker

Putin kommt - und Österreich fiebert. Immerhin pflegt unser Land eine ganz besondere Beziehung zu Russland, die längst Teil des nationalen Sagenschatzes geworden ist. Da ist der Trickreichtum des damaligen Außenministers Leopold Figl, mit dem er den Sowjets den Staatsvertrag abgerungen hat, da tauchen Bruno Kreisky und seine Neutralitätspolitik auf, da ist das Ski-Idol Karl Schranz, wie er den damals jungen Staatschef Wladimir Putin am Arlberg begrüßt.

Es gibt auch Handfesteres, darunter den Anlass der Stippvisite des Langzeit-Kremlchefs. Seit 50 Jahren bestehen stabile Gaslieferverträge mit Russland, und Putin präsentiert sich als pakttreuer und verlässlicher Partner. Und ja, natürlich muss man mit Russland "im Dialog" bleiben, wie es seit jeher in Wien heißt. Es denkt auch niemand daran, weder in Berlin, Paris noch sonst wo, diesen Dialog abzubrechen. Und ja, es kann Frieden "nur mit und nicht gegen Russland" geben, wie das No-na-Mantra des damaligen Außenministers und nunmehrigen Kanzlers Sebastian Kurz lautet. Gute Beziehungen sind sozusagen immer gut.

Nebenbei aber ist ein interessantes Phänomen zu beobachten: Russlands starker Mann ist zum Star der europäischen Rechten aufgestiegen. Von der Front National in Frankreich zur AfD in Deutschland, von der Lega in Italien bis zur FPÖ in Österreich reichen Putins Bewunderer. Es ist eine Achse der Nationalisten. Sie sehnen sich nach einer verklärten Vergangenheit, lehnen die ihrer Ansicht nach wertelose Gegenwart ab, wollen dekadente westliche Eliten zum Teufel jagen und selbst stark sein.

Einigkeit herrscht auch in der Ablehnung der EU, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Was für die einen Fremdherrschaft ist, ist für den anderen schlicht ungemütlich. Es ist einfacher, mit Österreich, Belgien oder Italien jeweils einzeln Schlitten zu fahren als mit einem starken Block der Europäer. Daher stärkt Putin, was in Europa auseinanderstrebt.

In seinem Streben, Russland wieder zur Großmacht zu machen, kennt der Kremlchef keine Skrupel. Er überfiel das Nachbarland Ukraine. Seine Armee vergoss Ströme von Blut, um in Syrien Fuß zu fassen. Zu Hause schuf er ein autoritäres System, das auf Korruption und Loyalität beruht.

Österreich steht auf der anderen Seite. Es ist eine westliche Demokratie mit Gewaltenteilung, Bürgerrechten, Medienfreiheit. Es ist eingebunden in Europa. Genau das Gegenteil also von Putins Russland.

Aufgerufen am 17.12.2018 um 03:52 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/wladimir-putin-ist-der-star-der-europaeischen-rechten-28781434

Wladimir Putin besucht Österreich

Wladimir Putin besucht Österreich

Jetzt lesen

Newsfeed

Arrow Down

Kommentare

Schlagzeilen