Weltpolitik

Zahl der Cyberattacken auf NATO um 60 Prozent gestiegen

Die Zahl schwerwiegender Cyberattacken auf die NATO ist deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr habe es pro Monat "durchschnittlich 500 bedrohliche Cyberangriffe" auf Einrichtungen der NATO gegeben, "die ein intensives Eingreifen vonseiten unserer Experten erforderlich machten", sagte Bündnis-Generalsekretär Jens Stoltenberg der "Welt". Das sei ein Anstieg von 60 Prozent gegenüber 2015.

500 Angriffe wurden pro Monat gezählt.  SN/APA (dpa)/Oliver Berg
500 Angriffe wurden pro Monat gezählt.

Das NATO-Computernetzwerk registriere pro Tag 500 Millionen verdächtige Vorfälle, sagte eine Bündnis-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Dabei könne es sich um Versuche der Spionage, der Störung von NATO-Computern und -Infrastruktur oder der Verfälschung von Webseiten-Inhalten etwa durch politische Aktivisten handeln. "Der Großteil wird automatisch aufgespürt und bearbeitet." In zuletzt rund 500 Fällen pro Monat sei ein Eingreifen der NATO-Spezialisten nötig.

Die meisten der Angriffe gingen "nicht von Privatpersonen" aus, sondern würden "von staatlichen Institutionen anderer Länder gesponsert", sagte Stoltenberg der "Welt". Dies sei aus dem großen Ressourcenaufwand klar ersichtlich. Die NATO wollte sich auf AFP-Anfrage nicht zur Herkunft dieser Angriffe äußern.

Die US-Geheimdienste werfen Russland Cyberangriffe während des Präsidentschaftswahlkampfs zugunsten des nun gewählten republikanischen Kandidaten Donald Trump vor. China gilt seinerseits insbesondere im Bereich der Cyberspionage als sehr aktiv.

Stoltenberg sagte, er sei "äußerst besorgt" über den Anstieg der Angriffe. "Cyberabwehr wird beim nächsten NATO-Gipfel eine wichtige Rolle spielen", kündigte der NATO-Chef an. "Wir müssen unsere Anstrengungen auf diesem Gebiet weiter verstärken."

Cyberangriffe seien potenziell sehr gefährlich, weil durch sie beispielsweise die Energie- und Gesundheitsversorgung und andere wichtige Infrastruktur beeinträchtigt werden könne, sagte Stoltenberg. "Zudem können sie der Verteidigungsbereitschaft der NATO schaden und unsere bewaffneten Truppen bei ihrer Arbeit beeinträchtigen."

Die NATO verfügt derzeit über ein Team aus 200 militärischen und zivilen Experten, die ihre Netzwerke rund um die Uhr überwachen und Angriffe abwehren. Dazu gehören auch schnelle Eingreifteams, die binnen kürzester Zeit in die über viele Staaten verteilten NATO-Standorte oder zur Unterstützung von Mitgliedsländern entsandt werden können.

Schon 2014 hatten die NATO-Staats- und Regierungschefs beschlossen, dass Cyberangriffe auch den Bündnisfall nach Artikel 5 des NATO-Vertrages auslösen können. Seit dem vergangenen Jahr ist der Cyberspace auch offizielles Operationsgebiet der Allianz. Die Cyberabwehr wurde damit den Luft-, Land- und Seestreitkräften des Bündnisses gleichgestellt.

Die NATO betont aber, dass sie selbst keine Cyberangriffe führt. "Die NATO als Organisation hat und entwickelt keine offensiven Cyberkapazitäten", sagte die Sprecherin AFP. "Alles, was die NATO tut, ist defensiv und entspricht internationalem Recht."

Stoltenberg bekräftigte seine Sorge über mögliche Datenmanipulationen bei Wahlkämpfen: Regierungen verschiedener Mitgliedstaaten befürchteten, "dass Hacker versuchen werden, sich in nationale Wahlkämpfe einzumischen", sagte der ehemalige norwegische Ministerpräsident der "Welt". "Damit würden sie die Demokratie unterminieren." Er verwies dabei auf das NATO-Anbot, Krisenteams zu entsenden, um den Bündnismitgliedern zu helfen, ihre Netze besser zu schützen.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 18.11.2018 um 11:20 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/zahl-der-cyberattacken-auf-nato-um-60-prozent-gestiegen-515416

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