Weltpolitik

Zahl der Festnahmen in der Türkei auf über 40.000 gestiegen

Auch mehr als vier Wochen nach dem Putschversuch in der Türkei reißt die Welle der Festnahmen und Entlassungen nicht ab. Bisher seien 40.029 Menschen festgenommen worden, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim am Mittwoch in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Gegen 20.355 von ihnen sei Haftbefehl ergangen.

Zahl der Festnahmen in der Türkei auf über 40.000 gestiegen SN/APA (AFP)/ADEM ALTAN
Premier Binali Yildirim verkündete die neuesten "Zahlen".

Bereits 79.900 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes hätten ihre Posten räumen müssen, sagte der Regierungschef weiter. Zudem seien 4.262 Firmen und Einrichtungen geschlossen worden, weil sie mit dem Prediger Fethullah Gülen zusammengearbeitet haben sollen.

Bei der Fahndung nach mutmaßlichen Gülen-Unterstützern wurden am Donnerstag erneut mehrere Unternehmen durchsucht. Bei der Razzia in Istanbul und in mehreren anderen Provinzen sollten 187 Haftbefehle vollstreckt werden, wie der TV-Sender CNN Türk am Donnerstag berichtete. Etwa tausend Beamte waren demnach an dem Einsatz beteiligt. Türkische Ermittler hatten bereits am Dienstag dutzende Unternehmen in Istanbul durchsucht und etwa hundert Menschen in Gewahrsam genommen.

Die Regierung in Ankara hält den seit 1999 im selbst gewählten Exil in den USA lebenden Gülen für den Drahtzieher des Putschversuchs am 15. Juli. Gülen hat den Umsturzversuch von Teilen des Militärs verurteilt und bestreitet eine Verwicklung darin. Die Gülen-Organisation versteht sich als vom Islam inspirierte soziale Bürgerbewegung.

Unmittelbar nach dem Putschversuch hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan weitreichende "Säuberungen" angekündigt. Sie richteten sich gegen Polizei, Militär, Justiz, Verwaltung, Bildungswesen und Medien. Mehr als 130 Zeitungen und andere Medien wurden geschlossen. Zuletzt nahm die Regierung auch Unternehmen ins Visier.

Ankara beantragte indes offiziell die Auslieferung von acht türkischen Militärs, die nach dem gescheiterten Putsch nach Griechenland geflohen waren und dort Asyl beantragt haben. Das türkische Auslieferungsersuchen sei angekommen, hieß es laut Staatsradio aus Kreisen des Athener Außenministeriums am Donnerstag.

Es sei dem Justizministerium übermittelt worden. Ankara bekräftige darin, die Militärs hätten einen Umsturz versucht. 

Die Militärs, zwei Majore, vier Hauptmänner und zwei Unteroffiziere, waren nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei mit einem Militärhubschrauber in Alexandroupoli nahe der türkischen Grenze gelandet und hatten sofort Asyl beantragt. Die Anhörung der ersten beiden Militärs soll an diesem Freitag in Athen beginnen.

Die türkische Regierung verlangt, dass Griechenland die Männer sofort ausliefert. Eine andere Entscheidung würde "den bilateralen Beziehungen der beiden Staaten nicht helfen", hatten türkische Diplomaten in Athen gewarnt. Juristen zufolge kann das Asylverfahren mehrere Monate dauern, wenn die türkischen Militärs alle Rechtsmittel bis zum obersten Gerichtshof ausschöpfen.

Quelle: Apa/Ag.

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