Weltpolitik

Zehntausende Südkoreaner fordern Verhaftung der Präsidentin

Zehntausende Südkoreaner haben die Verhaftung der abgesetzten bisherigen Präsidentin Park Geun-hye gefordert. Nach den Demonstrationen in den vergangenen Monaten, bei denen Hunderttausende noch den Rücktritt Parks gefordert hatten, feierten die Teilnehmer der Kundgebung am Samstag in Seoul die Amtsenthebung Parks am Tag zuvor durch das Verfassungsgericht.

Erneut zahlreiche Südkoreaner auf der Straße.  SN/APA (AFP)/JUNG YEON-JE
Erneut zahlreiche Südkoreaner auf der Straße.

Zugleich forderten sie, dass Park der Prozess gemacht und sie bestraft werden müsse. Der Korruptionsskandal um die enge Park-Vertraute Choi Soon-sil hat das Land seit Monaten aufgewühlt. Im Dezember hatte das Parlament ein Amtsenthebungsverfahren gegen Park eingeleitet, am Freitag wurde sie endgültig abgesetzt. Aus Sicht der Verfassungsrichter hatte Park ihrer langjährigen Freundin die Einmischung in die Regierungsgeschäfte erlaubt und ihre Macht zugunsten von Chois Interessen missbraucht. Park bestreitet die Vorwürfe. 

Nach gewalttätigen Protesten von Park-Anhängern am Freitag stieg unterdessen die Zahl der Toten auf drei. Ein 74-jähriger Teilnehmer der Demonstration sei am Samstag in einem Krankenhaus gestorben, berichteten südkoreanische Sender. Der Mann sei während der Proteste zusammengebrochen. Am Freitag waren zwei ältere Teilnehmer ums Leben gekommen. Einer von ihnen wurde bei Zusammenstößen mit der Polizei von einem Lautsprecher getroffen, der sich von einem Polizeifahrzeug gelöst hatte. 

Rund 50.000 Demonstranten hatten am Samstag bei einer Kundgebung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul die Festnahme der entmachteten Präsidentin verlangt. "Das Volk hat gesiegt - nehmt Park fest", riefen die Demonstranten. Tausende Polizisten waren im Einsatz.

Rund 20.000 Gegendemonstranten forderten, die einstimmige Entscheidung des Verfassungsgerichts zur endgültigen Amtsenthebung Parks müsse überprüft werden. Die 65-jährige Politikerin gab zu der am Freitag bekannt gegebenen Entscheidung des Verfassungsgerichts keine öffentliche Stellungnahme ab. Park sei "offensichtlich fassungslos" gewesen, als sie von dem Richterspruch erfuhr, sagte einer ihrer Mitarbeiter laut Medienberichten. Sie habe "niedergeschlagen" gewirkt. Mit der Entscheidung der Verfassungsrichter verlor Park alle Vorrechte mit Ausnahme der besonderen Sicherheitsvorkehrungen, die ihr auch als ehemalige Staatschefin zustehen.

Park hielt sich weiter im Präsidentenpalast, dem Blauen Haus, auf. Ihre Mitarbeiter sagten, die abgesetzte Präsidentin warte darauf, dass ihr eigenes Haus im Süden der Hauptstadt hergerichtet sei, bevor sie den Palast verlassen wolle. Die Polizei errichtete Barrikaden, um Anhänger und Kritiker Parks auseinanderzuhalten.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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