Weltpolitik

Zentralasiatische Länder beraten über Lage in Afghanistan

Angesichts des Vormarsches der Taliban ist Afghanistan das Hauptthema der Staats- und Regierungschefs der fünf zentralasiatischen Länder bei ihrem am Freitag beginnenden Treffen im turkmenischen Ort Awaza. Die Offensive der Islamisten im an Turkmenistan, Usbekistan und Tadschikistan angrenzenden Afghanistan sorgt für große Unruhe bei den Anrainern. Der turkmenische Präsident Präsident Gurbanguly Berdymuchamedow bezeichnete Afghanistan als "die Frage, die uns alle beunruhigt".

Bei dem jährlichen Gipfeltreffen kommen die Staatsspitzen der ehemaligen Sowjetrepubliken zusammen, ohne dass Mächte wie Russland und China beteiligt sind. Russland hält unterdessen gemeinsame Militärübungen mit Tadschikistan und Usbekistan nahe der afghanischen Grenze ab. "Die größte Bedrohung für die zentralasiatische Region geht heute von Afghanistan aus", sagte der russische Generalstabschef Waleri Guerassimow, der am Donnerstag das usbekische Grenzgebiet besuchte. Er wies darauf hin, dass Moskau seine Waffenlieferungen an die Region verstärke.

Nach dem Beginn des Abzugs der NATO-Truppen begann sich die Lage in Afghanistan zu verschärfen. Im Juni nahmen die Taliban den wichtigsten Grenzübergang Afghanistans zu Tadschikistan ein. Nach schweren Gefechten mit den Aufständischen flohen Teile der afghanischen Regierungstruppen nach Tadschikistan und Usbekistan.

Zwar betonen die Taliban, keine Pläne für Zentralasien zu haben. Dennoch knüpften die Islamisten bereits Kontakte nach Usbekistan und Turkmenistan, da sie sich als eine Regierung im Wartestand präsentieren. Experten glauben, dass ein wachsendes Sicherheitsvakuum in Afghanistan auch auf Zentralasien ausstrahlen kann.

Die afghanischen Streitkräfte kämpfen derzeit an mehreren Fronten gegen die Taliban, die ihre Offensiven auf mehrere Provinzhauptstädte fortsetzen. Seit dem Beginn des Abzugs der NATO-Truppen aus Afghanistan haben die Islamisten weite Teile des Landes erobert, bisher aber keine größeren Städte. Die monatelangen Gespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung in Katars Hauptstadt Doha sind unterdessen ins Stocken geraten.

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