Weltpolitik

Zweiter Kirchen-Angreifer mit DNA-Vergleich identifiziert

Zwei Tage nach dem islamistischen Mord an einem Priester ist auch die Identität des zweiten Täters geklärt. Er soll kurz vor der Tat bereits im Visier der Anti-Terror-Behörden gestanden haben. Er stammt aus den ostfranzösischen Vogesen und war erst Ende Juni in eine Gefährder-Kartei aufgenommen worden.

Zweiter Kirchen-Angreifer mit DNA-Vergleich identifiziert SN/APA (AFP)/CHARLY TRIBALLEAU

Es handelt sich um den 19-jährigen Abdel-Malik Nabil Petitjean, wie eine Sprecherin der Pariser Staatsanwaltschaft am Donnerstag bestätigte. Die Identität des in Lothringen geborenen Mannes wurde per DNA-Vergleich nachgewiesen.

Nach dem tödlichen Anschlag auf eine katholische Kirche nahe der nordfranzösischen Stadt Rouen am Dienstag wurde sein Personalausweis im Haus seines Komplizen Adel Kermiche gefunden. Weil Petitjean nicht vorbestraft war, hatten die Sicherheitsbehörden aber weder seine Fingerabdrücke noch DNA-Proben von ihm. Weil außerdem sein Gesicht durch Polizeikugeln entstellt war, war die Identifizierung schwierig. Sie gelang schließlich über DNA-Proben seiner Mutter.

Womöglich hatten die Behörden schon seit dem 22. Juli - also vier Tage vor der Kirchenattacke - eine Warnung, dass Petitjean einen Anschlag plant. Die französische Terrorismus-Koordinierungsstelle Uclat bekam von einem ausländischen Geheimdienst einen Hinweis über einen Mann mit einem mutmaßlichen Anschlagsprojekt.

Petitjean, der zuletzt in Aix-les-Bains am Rande der französischen Alpen lebte, war nicht vorbestraft. Über ihn wurde aber am 29. Juni eine sogenannte Akte S - das S steht für Staatssicherheit - angelegt, wie Ermittler sagten. In der entsprechenden Kartei werden unter anderem mutmaßlich radikalisierte Islamisten geführt.

Er soll Mitte Juni versucht haben, über die Türkei nach Syrien zu reisen. Jedenfalls wurde türkischen Angaben zufolge am 18. Juni ein Einreiseverbot in die Türkei über ihn verhängt. Die französischen Behörden habe man darüber informiert. Petitjean sei demnach am 10. Juni am Istanbuler Atatürk-Flughafen eingetroffen. Er sei gestoppt und befragt worden, weil er vor der Passkontrolle mit jemandem gesprochen habe, gegen den bereits eine Einreiseverbot vorgelegen habe. Petitjean habe die Türkei am nächsten Tag wieder verlassen.

Den anderen Angreifer hatten die Ermittler bereits kurz nach der Tat als ebenfalls 19 Jahre alten Adel Kermiche identifiziert. Die beiden jungen Männer hatten am Dienstagvormittag in einer Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray bei Rouen Geiseln genommen und den Priester umgebracht. Sie wurden von der Polizei erschossen. Woher sich die beiden Attentäter kannten, war zunächst nicht bekannt.

Petitjean soll den Behörden bekannt gewesen sein. Der Sender France Info berichtete, seit Ende Juni habe es zu ihm einen Eintrag in einer Datenbank mit als radikalisiert eingestuften Personen gegeben. Grund war demnach ein Versuch, nach Syrien zu reisen.

Nach Informationen der Zeitung "Le Monde" und des Radiosenders RTL ähnelte Petitjean dem Mann auf einem Foto, das die französische Anti-Terror-Koordinationsstelle am Freitag vor dem Anschlag an die Polizeibehörden geschickt hatte. Sie habe gewarnt, dass der Mann zu einem Anschlag bereit sein solle - ein entsprechender Tipp sei aus dem Ausland gekommen. Ein Name soll nicht genannt worden sein.

Das Sprachrohr der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), Amak, hatte am Mittwoch ein angebliches Video der Attentäter veröffentlicht. In der etwa einminütigen Aufnahme, die auf den Tag des Anschlags datiert ist, schwört einer der Männer dem IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi die Treue. Das Video konnte zunächst nicht unabhängig auf Echtheit überprüft werden.

Eine während der Geiselnahme aus der Kirche entkommene Nonne hatte aber gesagt, die Männer hätten einander gefilmt. Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte zudem bei einem Besuch am Tatort gesagt, die Angreifer hätten sich zum IS bekannt - ohne aber Details zu nennen.

Drei Personen aus dem Umfeld des zweiten Attentäters wurden in Polizeigewahrsam genommen, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete. Es gebe bisher keine Hinweise, dass sie etwas mit dem Anschlag zu tun hatten. Es gehe vielmehr darum, Angaben über "das Profil des Mörders" zu erhalten.

Petitjeans Mutter zeigte sich fassungslos, dass ihr Sohn einer der Attentäter ist. "Er ist ein guter Franzose", sagte sie am Mittwochabend in Aix-les-Bains der Nachrichtenagentur AFP. "Er ist sanft. Ich kenne meinen Jungen, er hat damit nichts zu tun."

Unterdessen haben die französischen Behörden Gedenkmärsche für die Opfer der Anschläge auf eine Kirche und die Strandpromenade von Nizza aus Sicherheitsgründen abgesagt. Ein für Sonntag geplanter Marsch in Nizza werde wegen der starken Belastung der Sicherheitskräfte nicht genehmigt, teilte die Präfektur der Mittelmeerstadt am Donnerstag mit. In Nizza war am 14. Juli ein Lastwagen in eine Menschenmenge gerast und hatte 84 Menschen getötet.

Zuvor war auch ein ursprünglich angedachter Marsch in Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie aus Sicherheitsgründen verboten worden. Am Donnerstagabend sollte es aber eine Gedenkveranstaltung in einem Stadion geben.

Quelle: Apa/Ag.

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