Rajchl reist

Reise-Tipps & Video aus Süditalien: In der Hexenküche von Neapel

Der brodelnde Ort Solfatara, ein Sex-Laufhaus der Antike und sieben weitere Orte, die Kampanien-Besucher zum Staunen bringen können.

Capri, Vesuv, Ruinenstadt Pompeji - diese Highlights haben die meisten Kampanien-Besucher auf ihrer To-See-Liste. Ich empfehle Ihnen abseits dieser wunderschönen Klassiker auch diese acht höchst spannenden Orte:

Die Hexenküche von Solfatara


Mitten im Wohngebiet von Pozzuoli pfaucht, brodelt und qualmt die Erde - beim außergewöhnlichsten Campingplatz Italiens. Etwa eine halbe Autostunde westlich von Neapel bin ich buchstäblich in die Hexenküche des Teufels geraten. Es stinkt nach Schwefel in dieser eigenartigen Mondlandschaft, die von Wohnhäusern umsäumt ist. Riechen können Sie das natürlich nicht in meinem Video, aber einen Eindruck vom aktivsten Vulkan im Golf von Neapel bekommen Sie. "Der Vulkan ist ständig in Bewegung, bis zu einem Zentimeter hebt und senkt sich die Erde," erklärt mein "Raiffeisen Reisen"-Guide Robert Binder. Der Vulkan wird ständig vermessen.
Mutige können gleich daneben im Campingplatz übernachten - allerdings wenig komfortabel.
www.vulcanosolfatara.it

Das Amphitheater von Pozzuoli


Ein Abstecher nach Pozzuoli lohnt sich auch wegen des Amphitheaters: In einer der besterhaltenen römischen Gladiatoren-Arenen Europas finden auch Konzerte und Festivals statt. Beeindruckend ist hier vor allem der antike "Backstage"-Bereich: - die erstaunlich gut erhaltenen Hallen für Gladiatoren, Tiere und Kulissen.
www.coopculture.it

Antike Farbenpracht in Herculaneum


Die Ruinen-Stadt Pompeji ist schon wegen ihrer Größe ein Hotspot für Kampanien-Reisende. Wenn auch mit makabrem Touch: Hier sind auch Leichen zu sehen, die durch die Vulkanasche des Vesuv mumifiziert wurden. Und - weniger makaber - ein "Sex-Laufhaus" der Antike mit einschlägigen erotischen Wandmalereien. Aber es gibt noch eine Ruinenstadt am Fuße des Vesuv, die ich Ihnen unbedingt ans Herz legen möchte: Herculaneum, wenige Autominuten von Pompeji entfernt. Beeindruckend sind hier die original erhaltenen Malereien und Holzelemente sowie Türen, die den Vesuv-Ausbruch im Jahr 79 verkohlt, aber doch überstanden haben. Meine Tipps: Sparen Sie ein paar Euro, indem Sie sich ein Kombi-Ticket für beide Ruinenstätten kaufen. Das Smartphone-App "Pompeji Touch" (2,65 €) zeigt eindrucksvolle Animationen, wie die antike Stadt vor dem Vulkanausbruch ausgesehen haben mag.
www.herculaneum.org
www.coopculture.it

Beste Aussichten auf Capri


Die Insel der Reichen und Schönen sollten Sie auch dann nicht links liegen lassen, wenn Sie nicht Fiona oder Karlheinz Grasser heißen: Der Touristen-Hotspot ist einfach zu schön, um ihn zu ignorieren. Auch wenn im Hochsommer Massen die Gassen bevölkern und Souvenir- und Parfüm-Shops die Insel dominieren. Wenn Sie sich bei Ihrer Liebsten beliebt machen wollen, bringen Sie ihr ein Carthusia-Parfüm mit - da haben Sie den Duft von Capri in der Flasche. An Fiona bin ich übrigens bei meinem Besuch vor kurzem auch nicht vorbei bekommen: Sandalen mit Swarowski-Kristallen sind der neueste Verkaufsschlager auf der Insel.
Den besten Ausblick auf die berühmten vorgelagerten Faraglioni-Felsen kostet vergleichsweise günstig nur einen Euro - so viel zahlt man Eintritt in die romantischen Augustus-Gärten. Ein wunderbarer Ort für Verliebte, zumindest frühmorgens - wenn noch nicht so viele Touristen da sind.
In der Oberstadt Anacapri ist die Villa San Michele ein Anziehungspunkt vor allem für etwas ältere Semester, die noch den Schauspieler O. W. Fischer verehren. Der hat nämlich den einstigen Villenbesitzer hinreißend verkörpert: den schwedischen Arzt und Buchautor Axel Munthe.
Ich empfehle Ihnen aber auch, sich in Anacapri für die Kirche San Michele Zeit zu nehmen und dort die Wendeltreppe auf den Chor hinauf steigen: Von oben haben Sie einen tollen Blick auf das riesige detailreiche Mosaik "Vertreibung aus dem Paradies" aus dem 18. Jahrhundert.

Amalfiküste ohne Höhlen-Nepp


Einer der ganz großen Höhepunkte jeder Kampanien-Reise ist die Amalfiküste mit dem gleichnamigen Hauptort. Mit Auto oder Bus die schöne Küstenstraße entlang schlängeln und mit dem Ausflugsboot die beschauliche Felsküste gemächlich entlang tuckern - das ist Dolce Vita pur! Die Bootstouren werden mit oder ohne Besuch der "Grotta dello Smeraldo" angeboten. Aber die fünf Euro Eintritt können Sie sich getrost sparen: Im Akkord-Tempo werden Sie von einem aufdringlichen Bootsguide in der winzigen Höhle im Kreis herumgeführt und bekommen als "Attraktion" eine kitschige Unterwasser-Krippe zu sehen. Etwa eine halbe Stunde bleibt man in der Krippe - eine Zeit, die besser bei einem Cappuchino in einem der Cafés in Amalfi investiert ist, selbst wenn Sie dort natürlich auch unter vielen Urlaubern nicht der oder die Einzige sind.

Orakel fast ohne Touristen


Bei weitem nicht so bekannt wie das Orakel von Delphi ist die Höhle von Cumae, nordwestlich von Neapel. Hier soll in den Zeiten der griechischen Kolonialzeit zwischen 700 und 500 vor Christus Sibylle Wahrsagungen vorgenommen haben. Hier habe ich imposante griechische und römische Ruinen in einem schönen Garten mit Blick auf den Golf von Neapel bewundert. Ein Ort ganz ohne Touristenrummel!

Die Lieblingsvilla von Richard Wagner


Musikliebhabern lege ich das Städtchen Ravello ans Herz. Seit Richard Wagner sich anno 1880 in der idyllischen Villa Rufolo zum Bühnenbild seiner Oper Parsifal inspirieren ließ, ist der Ort ein kleines Mekka für Musikfans geworden. Jedes Jahr finden hier von Juni bis Oktober Festspiele statt. Der Garten der Villa Rufolo ist ebenso ein romantischer Platz zum Verweilen wie die Piazza vor der Villa.
www.ravellofestival.com

Das Schloss von Caserta


Wer sich für königliche Paläste interessiert, kann in der Bourbonen-Residenz locker einen Tag verbringen - schon wegen der gigantischen Dimensionen des Palastes und der Gartenanlage. Hier wurden Filme wie Star Wars und Illuminati gedreht. Hier habe ich einen Mix aus zahlreichen Stilepochen - und so manches Kuriosum entdeckt: etwa eine riesige neapolitanische Krippenanlage, bei der die heilige Familie nur eine Nebenrolle spielt und auffallend viele Figuren beim Essen dargestellt sind. Auch der botanische Garten ist ein wenig kurios - künstlich angelegte Wackelsteine erinnern an das "Waldviertel", Wasserspiele sind ebenfalls vorhanden. Die können zwar nicht ganz mit denen von Schloss Hellbrunn mithalten, dafür können Sie hier einen herrlichen Ausblick auf die weitläufige Anlage genießen.

Bester Ausgangspunkt und feine Hotel-Adressen

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Als idealen Ausgangspunkt für tägliche Ausflüge in Kampanien empfehle ich den kleinen Ort Castellammare di Stabia, südlich von Neapel. Von hier aus ersparen Sie sich den täglichen Verkehrsstau in der Provinzhauptstadt, auch eine Anlegestelle für die Schiffe nach Capri befindet sich hier. Ein nettes Mittelklassehotel ist zum Beispiel das Hotel Stabia direkt an der Strandpromenade. Besonderes Highlight ist die Terrasse mit Blick auf den Vesuv.

www.hotelstabia.it
Zwei weitere Top-Hotels:
Das 5*-Hotel Capo La Gala ist eine der besten Adressen im Golf von Neapel in maritimem Stil und bietet Restaurants, Relax-Zonen, Spa und Pool.
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www.hotelcapolagala.com
Das Torre Barbara ist ein nettes Boutique-Hotel in Seiano di Vico Equense. Auch dieses Hotel bietet eine gute Lage für Tagestouren und einen tollen Ausblick auf den Vesuv. Vorsicht: Manche Zimmer haben statt Fenstern nur Bullaugen, am besten ein Zimmer mit Vesuv-Blick reservieren.

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www.torrebarbara.it

BASIS-INFOS
Anreise/Flug: z. B. München-Neapel via Rom mit AllItalia
Anreise/Pkw: Salzburg-Neapel ca. 1160 km, 11 Stunden Fahrzeit.
Beste Reisezeit: Frühjahr und Herbst bei Temperaturen um 20 bis 27 Grad. Auf dem Vesuv kann das Wetter rasch umschlagen. Windjacke mitnehmen!
Auskünfte: Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Tel. 01/ 505 16 39, www.enit.it
Quelle: SN

Aufgerufen am 20.10.2018 um 09:23 auf https://www.sn.at/rajchl-reist/reise-tipps-video-aus-sueditalien-in-der-hexenkueche-von-neapel-2337601

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