Salzburg

Appartements lösen die Hotels ab

Im ganzen Land entstehen neue Ferienwohnungen, obwohl es schon jetzt genug Betten gibt. Meist werden die Wohnungen noch vor dem Bau ins Ausland verkauft, um das schnelle Geld zu machen.

Appartements lösen die Hotels ab SN/markus winkler


In der traditionellen Hotellerie werde kaum noch gebaut, sagt Walter Veit, Landesvorsitzender der Hoteliervereinigung (ÖHV). "Die Hotellerie hat kein Geld mehr. Wir haben mehr als genug Betten im Land und wir wollen die Wiesen grün lassen."

Gebaut wird aber dennoch. Im ganzen Land schießen Appartementanlagen wie die Schwammerl aus dem Boden. Kaum ein Dorf bleibt verschont.

Meist funktioniert es nach dem gleichen Prinzip: Jemand lässt eine Fläche für einen Tourismusbetrieb umwidmen oder kauft einen bestehenden Betrieb. Dann wird ein Appartementprojekt entwickelt. Zur Finanzierung verkauft man die einzelnen Wohnungen oder einen Teil davon vor dem Bau mit Gewinn - meist an Deutsche, Niederländer und Briten. Nach Fertigstellung sollen die Wohnungen an Urlauber vermietet werden, um das Investment der Wohnungskäufer wieder hereinzuspielen. Was in zehn, 20 Jahren mit den Wohnungen passiert, kann niemand sagen.

Profiteure sind Grundbesitzer, Baufirmen, Immobilienentwickler und die Investoren. "Aber die Hotellerie, die Kommunen, die Einheimischen und die Landschaft leiden", sagt Veit. "Die Hotellerie verliert Stammgäste, weil sich diese Wohnungen kaufen oder mieten. Es entstehen Geisterdörfer. Die Gemeinden müssen die teure Infrastruktur für diese Bauten erhalten. Und für die Einheimischen steigen die Grundpreise."

"In Zell am See sind im letzten Jahr 304 neue Appartementbetten entstanden", sagt Bürgermeister Peter Padourek (ÖVP). "Gleichzeitig sind etwa 170 andere Betten verschwunden." Weitere Appartementanlagen sind in der Bergstadt in Bau. Gemeinsam ist vielen Projekten, dass sie dazu dienen, Geld aufzutreiben, wenn Betriebe sanierungsbedürftig sind, es von Haus aus finanzielle Probleme gibt oder die Übergabe an die nächste Generation gescheitert ist. So entstand neben dem alten Hotel Bellevue in Thumersbach ein äußerst umstrittener Appartementblock, um die Sanierung des Stammhauses zu finanzieren. Das Ergebnis: Der Neubau ist fertig und die Wohnungen großteils verkauft. Die Sanierung des Gründerzeitbaus steht, und der Besitzer hat das Bellevue verkauft.

"Die Hotellerie hat ein Finanzierungsproblem", sagt Padourek. "Durch neue Bankenrichtlinien wird es immer schwieriger für sie, Geld auszuleihen. Die Familienbetriebe werden weniger."

"Die Querfinanzierung von nicht laufenden Hotels mit Appartementverkäufen funktioniert nicht", sagt Walter Veit, der ein Hotel in Obertauern hat. "Mein Vorgänger hat das auch versucht. Ich habe 20 Jahre gebraucht, bis ich die Wohnungen um ein Mehrfaches zurückkaufen konnte. Erst dann konnte ich in das Hotel investieren. Es gibt auch oft Nutzungskonflikte, wenn ein Hotel und private Wohnungseigentümer nebeneinander sind."

In Hinterglemm sollen rund 200 Appartementbetten in einem großen Bau dazukommen. Karl Schnell (FPÖ) ist dort seit der Wahl 2014 Bauausschuss-Obmann. "Das wurde vor meiner Zeit genehmigt", sagt Schnell. "Wir müssen so etwas in Zukunft hintanhalten. Es ist ein teilweiser Ausverkauf der Heimat und der Tod der bestehenden Hotellerie. Der Ort stirbt und wird leer. Dann kann man das gesellschaftliche Leben, etwa die Feuerwehr, nicht mehr aufrechterhalten."

Meist werden die Projekte im Entscheidungsprozess als Hotels getarnt, die die Gemeinden weder verhindern wollen noch können. Schnell fordert vom Land bessere gesetzliche Grundlagen, um solche Anlagen stoppen zu können.

Ebenso Padourek: "Wenn es innerhalb der Gesetze ist, kann es die Gemeinde nicht verhindern. Es gibt Lücken im Gesetz und man rückt sofort mit Rechtsanwälten an. Ich habe keine Lust auf eine Klage wegen Amtsmissbrauchs."

Die für die Raumordnung zuständige LH-Stv. Astrid Rössler (Grüne) sagt, es gebe ständig neue Umgehungen der Gesetze. Das Ganze sei ein Anlagen- und Investitionsprogramm, aber nicht jener Tourismus, den man sich für das Land wünsche.

Natürlich gibt es auch Hoteliers und Private, die auf die langfristige Vermietung von Appartements setzen und nicht durch den Verkauf das schnelle Geld suchen. Die Gemeinde St. Johann hat zwei aus Chalets bestehende Anlagen genehmigt. Aber nur weil eine touristische Nutzung vorliege, die Finanzierung geklärt sei und - vor allem - die Einheiten im Eigentum der Bauherren blieben, also nicht verkauft würden, sagt Bgm. Günther Mitterer (ÖVP). Ansonsten "darf man die Gefahr, dass Zweitwohnsitze entstehen, nicht unterschätzen". Bauherren sind Einheimische: ein Hotelier im Alpendorf sowie ein Bauer und Campingplatzbetreiber. "Wir kennen beide Familien. Das ist auch eine Frage des gegenseitigen Vertrauens", sagt der Bürgermeister.

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