Chronik

13-Jährige in Salzburg stundenlang gequält - vier Jugendliche verurteilt

Drei Mal bedingte Haft und ein Mal teilbedingte Haft - nicht rechtskräftig. Die zwei Hauptangeklagten werden noch neuropsychiatrisch begutachtet.

Symbolbild. SN/sn
Symbolbild.

Im Aufsehen erregenden Prozess gegen eine Jugendclique, die im März in Salzburg-Lehen laut Anklage eine 13-jährige Schülerin schwer misshandelt und gedemütigt hatte, wurden am Dienstag vier der sechs Angeklagten verurteilt.

Zwei der an den stundenlangen Quälereien beteiligten Mädchen, 14 und 17 Jahre alt, erhielten je zehn Monate bedingte Haft - ebenso wie ein 17-jähriger Bursch. Ein weiteres, bereits einschlägig vorbestraftes Mädchen bekam 15 Monate bedingt, fünf Monate davon wurden unbedingt verhängt. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Im Fall der beiden mutmaßlichen Haupttäter und Rädelsführer - einem bereits einschlägig vorbestraften Brüderpaar (17 und 15 Jahre alt) wurde das Verfahren hingegen vertagt: Richterin Nicole Haberacker lässt die beiden neuropsychiatrisch untersuchen. Es geht dabei letztlich um die Frage, ob die Voraussetzungen für deren Einweisung in eine Anstalt für zwar zurechnungsfähige, aber höhergradig geistig abnorme Rechtsbrecher vorliegen.

Konkret soll das Gutachten klären, ob von den zwei Brüdern angesichts ihrer mangelnden Empathie und ihrer Gewaltbereitschaft die Gefahr besteht, dass sie erneut (ähnliche) Gewalttaten verüben. Das Duo war im viertägigen Prozess wiederholt durch Grinsen aufgefallen.

Wie berichtet hatten die sechs Jugendlichen laut Anklage das ihnen bekannte, 13-jährige Mädchen aus nichtigem Grund stundenlang in der Wohnung der beiden Brüder festgehalten. Die 13-Jährige wurde mit Watschen und Schlägen mit einem Handtuch bedacht. Ihr wurden die Haare abgeschnitten und die Ohrringe ausgerissen. Zudem dämpfte man dem Opfer eine glühende Zigarette auf der Stirn aus.

Die 13-Jährige erlitt Schwellungen im ganzen Gesicht, eine Brandwunde über den linken Auge sowie ein Hämatom an der Ohrmuschel und an den Oberarmen.

Richterin Haberacker verhängte gegen das Quartett bei einer gesetzlich möglichen Strafdrohung von bis zu zweieinhalb Jahren Haft aber nicht nur drei Mal eine bedingte und ein Mal eine teilbedingte Haftstrafe. Die Richterin erteile auch zahlreiche Weisungen:

Alle vier verurteilten Angeklagten müssen Bewährungshilfe in Anspruch nehmen. Weiters erhielten die drei schuldig erkannten Mädchen die Weisung, sich dem Alkohol zu enthalten und sich einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen. Zudem muss das Trio ein sozialen Kompetenztraining absolvieren, das vom Psychosozialen Versorgungs- und Beratungszentrum des Landes angeboten wird. Schließlich wurde dem Quartett aufgetragen, die Schulausbildung abzuschließen oder sich um eine Lehrstelle zu bemühen.

Laut Urteil muss das Quartett dem Opfer, vertreten von RA Stefan Launsky für den Weißen Ring, zudem 2000 Euro an Teilschmerzensgeld zahlen.

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