Chronik

130 Jahre Sonnblick: Am Anfang stand eine absurde Idee

Seit September 1886 forschen am Sonnblick Menschen in der Einsamkeit. Der erste Beobachter wurde sogar irrtümlich für tot erklärt.

Das Sonnblick-Observatorium der ZAMG in den Hohen Tauern (Salzburg) feiert 130. Geburtstag.Ein visionärer Wissenschaftler und ein an der Natur interessierter, durchsetzungsstarker Geschäftsmann legten die Basis, dass aus einer scheinbar absurden Idee eine wissenschaftliche Erfolgsgeschichte wurde. Der eine war Julius Hann. Er war von 1877 bis 1897 Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und forcierte den Ausbau von Gebirgswetterstationen zur Erforschung der höheren Luftschichten. Der andere war Ignaz Rojacher, Besitzer eines Goldbergwerkes in Rauris. Nach einigen Besteigungen von Gipfeln in seiner Region kam er zum Schluss, einen optimalen Ort für eine meteorologische Messtation gefunden zu haben: den frei stehenden Gipfel des Hohen Sonnblicks, in 3106 Meter Seehöhe.

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Im Februar 1885 diskutierte Rojacher seinen Plan in Zell am See mit Bezirkshauptmann, Bürgermeister und Bezirksarzt. Sie verfassten einen Brief an ZAMG-Direktor Julius Hann: ".. und ersuche Euer Hochwohlgeboren, mir bekanntgeben zu wollen, ob die meteorologische Central-Anstalt in der Lage wäre, etwas zur Errichtung einer solchen Station zu thun … Ich glaube das Projekt dürfte der Beachtung werth sein. " Hann war begeistert und setzte sich für die Umsetzung ein. Bereits im Frühsommer wurde mit dem Bau des Observatoriums begonnen, das Material mit improvisierten Seilzügen und teilweise zu Fuß auf den Gipfel gebracht. Das Sonnblick-Observatorium wurde am 2. September 1886 eröffnet.

Erster Beobachter irrtümlich für tot erklärt

Der erste Wetterbeobachter am Sonnblick-Observatorium, Simon Neumayer, wurde schon nach kurzer Zeit von der Bevölkerung im Rauriser Tal für tot gehalten. Denn während eines heftigen Sturms im November 1886 riss die Telefonverbindung zum Observatorium ab und tagelang konnte niemand zum Gipfel aufsteigen. Alle Vorurteile der Bevölkerung in den Tälern rund um den Sonnblick schienen bestätigt: Ein Haus auf einem 3100 Meter hohen Gipfel könne nicht lange Sturm, Schnee und Blitzschlag standhalten. Doch Neumayer und das Observatorium überstanden das extreme Wetter unbeschadet. Er versah seinen Dienst Herbst und Winter über allein am Gipfel und wurde erst im Frühling 1887 abgelöst. Um den Wetterbeobachtern die Einsamkeit erträglicher zu machen, stellte die Österreichische Gesellschaft für Meteorologie eine vollständige Einrichtung für Laubsägearbeiten und fotografische Arbeiten zur Verfügung.

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In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Arbeitsbild am Sonnblick massiv gewandelt. Heute sind zwei Techniker der ZAMG durchgehend 15 Tage am Observatorium im Dienst. Sie garantieren, dass alle Messgeräte der nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen korrekt messen. Sie nehmen Proben für Forschungsprojekte und liefern Informationen, die unter den extremen Bedingungen nicht oder nur unzureichend automatisch gemessen werden können.

Heute ist das Sonnblick-Observatorium ein nationales und internationales Kompetenzzentrum zur Erforschung von Atmosphäre, Eis und Biosphäre mit rund 40 Forschungsprojekten pro Jahr.

21 Meter Neuschnee pro Jahr

Für Elke Ludewig, seit Frühjahr 2016 neue Leiterin des Sonnblick-Observatoriums, ist die Erhaltung der notwendigen baulichen Infrastruktur eine ständige Herausforderung. Konkret müssen mittelfristig die 20-Kilovolt-Stromleitung auf den Sonnblick und die Seilbahn erneuert werden. Zwei Vorhaben, die auf Grund des extremen Wetters und der großen Höhe sehr arbeits- und kostenintensiv sind.

Wie extrem das Wetter am Sonnblick sein kann, zeigt ein Blick in die Aufzeichnungen der letzten 130 Jahre. Die tiefste jemals am Sonnblick gemessene Temperatur ist auch der österreichweite Kälterekord: Am 2. Jänner 1905 wurden hier minus 37,4 °C gemessen. Der Wetterbeobachter schrieb damals "...Thermometer zu kurz...Hygrometer erkrankt vor Kälte...".

Auch viele Schneerekorde hält die Wetterstation am Sonnblick, zum Beispiel die höchste jemals in Österreich gemessene Schneehöhe: 11,90 Meter am 9. Mai 1944. Außerdem ist der Sonnblick jene Messstation, an der pro Jahr der meiste Neuschnee zusammenkommt: Die durchschnittliche Neuschneesumme pro Jahr liegt hier bei 21,03 Meter. Der Sonnblick gehört zu den stürmischsten Regionen Österreichs. So wurden hier zum Beispiel am 20. Dezember 1993 Windspitzen bis 202 km/h gemessen.

Quelle: SN

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