Chronik

18-jähriger Nigerianer stach im Lehener Park zwei Afghanen nieder: Zehn Jahre Haft

Ein bereits vorbestrafter junger Mann ist von Salzburger Geschworenen mit 6:2 Stimmen wegen zweifachen Mordversuchs für schuldig befunden worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der 18-Jährige soll laut dem Urteil des Geschworenengerichts für zehn Jahre ins Gefängnis.  SN/widmayer
Der 18-Jährige soll laut dem Urteil des Geschworenengerichts für zehn Jahre ins Gefängnis.

Ins Finale ging Donnerstag der Geschworenenprozess gegen einen Nigerianer (18), der am 8. Jänner 2022 im Lehener Park in Salzburg zwei Afghanen (beide 24) je einen tiefen Messerstich in den Bauch versetzt haben soll. Die Opfer erlitten schwere Verletzungen und mussten operiert werden. Für Staatsanwalt Sebastian Wolfsteiner sind die Bluttaten klar als zweifacher versuchter Mord zu qualifizieren: "Tatwaffe war ein 32 Zentimeter langes Messer mit fast 20 Zentimeter Klingenlänge. Wer Unbewaffneten ein solches Messer tief in den Bauch sticht, hält es ernstlich für möglich, dass er die Opfer dabei töten kann."

Angeklagter bereits mehrfach wegen Gewalttaten vorbestraft

Der Angeklagte, bereits wegen schweren Raubes und schwerer Körperverletzung vorbestraft, gab am Mittwoch zum Auftakt des Prozesses (Vorsitz: Jugendrichterin Christina Bayrhammer) die Stiche zu. Er bestritt aber jeden Tötungsvorsatz: "Ich hatte Angst. Die beiden kamen damals direkt auf mich zu; ich dachte, sie wollen mich angreifen. Ich habe einfach zugestochen und nicht geschaut, wohin. Ich wollte sie sicher nicht töten." Das Messer habe er eigentlich nur "zum Selbstschutz" mitgehabt. Im Hintergrund der späteren Messerattacken stand ein Konflikt, den der 18-jährige Angeklagte mit einem anderen Afghanen (21) hatte. Die beiden hatten sich zuvor via Handy beschimpft und für den Abend ein Treffen im Park vereinbart. Laut Staatsanwalt ging es beim Konflikt "offenbar um Revierstreitigkeiten im Drogenmilieu". Fakt ist: Der Angeklagte rückte damals mit zwei Freunden an - der 21-jährige Afghane brachte vier Landleute mit, darunter die späteren Opfer. Einer des Quintetts, der den 21-Jährigen auch zum Park begleitet hatte, sagte Donnerstag als Zeuge, dass sein 21-jähriger Freund mit dem Angeklagten "zuerst etwas abseits geredet und dann gestritten hat. Dann kamen sie zurück. Und der Nigerianer holte das Messer aus seiner Jacke." Die unmittelbaren Attacken auf seine zwei 24-jährigen Landsmänner habe er jedoch nicht gesehen. Laut Staatsanwalt sagte eines der Opfer noch zum Nigerianer: "Was willst du denn mit dem Messer? Ich habe keine Angst vor Dir. Mit dem Messer tust du eh nichts!"

Geschworene erkannten den 18-Jährigen mehrheitlich für schuldig

Am Abend erkannten die Geschworenen den 18-Jährigen mit 6:2 Stimmen des zweifachen Mordversuchs für schuldig. Das Urteil (möglicher Strafrahmen ein Jahr bis 15 Jahre Haft): Zehn Jahre unbedingte Haft. Zudem ordnete das Gericht die Einweisung des Burschen in eine Anstalt für zwar zurechnungsfähige, aber geistig höhergradig abnorme Rechtsbrecher an.

Den beiden Opfern, vertreten von Rechtsanwalt Stefan Rieder, wurden je 5000 Euro Teilschmerzensgeld zugesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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