Chronik

19-Jähriger in Salzburg wegen versuchten Mordes vor Gericht

Afghane soll Landsmann in Hinterhof niedergestochen und verletzt haben. Angeklagter: "Wir waren beide schuld."

 SN/sn

Eine blutige Auseinandersetzung in einem Hinterhof im Salzburger Bahnhofsviertel ist Inhalt eines Geschworenenprozesses, der am Montag am Landesgericht Salzburg begonnen hat. Ein 19-jähriger Afghane ist wegen Mordversuchs angeklagt. Er soll am 2. August des Vorjahres einen Landsmann bei der Auseinandersetzung mit einem Messer schwer verletzt haben. Der Prozess ist bis Mittwoch anberaumt.

Der Tat vorausgegangen war laut dem Beschuldigten Gerede, das in "ganz Salzburg" umgegangen und vom Opfer in die Welt gesetzt worden sei: Er handle mit Drogen. Auf jeden Fall kam es nach Telefonaten zu einer persönlichen "Aussprache" zwischen den beiden Afghanen in der Elisabeth-Vorstadt, die dann eskalierte.

Sein 24-jähriger Kontrahent habe von Anfang an ein Messer in der Hand gehabt. Noch im Beisein von Freunden sei es zu einem ersten Gerangel gekommen, ehe ihn der 24-Jährige in einen Durchgang gezogen habe. Dort habe dieser wieder geschimpft und geschrien und dann auf ihn zuerst eingestochen. "Er hat mich auch getroffen", sagte der Angeklagte, der von Schnitten am Zeigefinger, rechten Fuß und am Rücken sprach. Erst da habe er ein Springmesser gezogen und ebenfalls zugestochen, und zwar zwei- bis dreimal in den Rücken seines Kontrahenten. Dann sei er davon gelaufen, "und mehr kann ich nicht sagen, ich war so besoffen." "Also waren Sie eigentlich das Opfer", wollte der Vorsitzende Richter Christian Ureutz wissen. "Wir waren beide schuld", antwortete der Afghane.

Laut Staatsanwalt Mathias Haidinger wurden dem 24-Jährigen mehrere Schnittwunden und zumindest eine Stichverletzung zugefügt. Er erlitt eine so genannte Luftbrust, das heißt, es kam Luft zwischen die Lunge und den Brustkorb. "Wenn das nicht sofort behandelt wird, ist es eine gefährliche Beeinträchtigung", so der Ankläger. Außerdem habe der Beschuldigte seinem Opfer einen Stich in den Hals versetzt, das sei wegen der Blutgefäße mit großer Lebensgefahr verbunden. Der Angeklagte habe in seinem Handeln gebilligt, dass das Opfer stirbt - deshalb die Anklage wegen versuchten Mordes.

Ureutz konfrontierte den Afghanen dann mit den Aussagen des Opfers und zweier unbeteiligter Zeuginnen, die die Tat vom Fenster aus zufällig beobachtet hatten, und die allesamt seiner Version entschieden widersprachen. Alle drei gaben unabhängig von einander zu Protokoll, dass die Aggression vom Angeklagten ausgegangen sei und auch nur er mit einem Messer zugestochen habe. "Das stimmt nicht", so der 19-Jährige. Als der Richter dann auch noch berichtete, dass am Messer des Opfers keinerlei DNA-Material des Beschuldigten gefunden wurde und auch keine Schäden an seiner Bekleidung, die durch Stiche oder Schnitte entstanden hätten müssen, räumte der Angeklagte schließlich ein, dass sein Gegner vielleicht nur auf ihn eingeschlagen und nicht zugestochen habe.

Schließlich wollte der Richter noch wissen, weshalb der 19-Jährige immer ein Messer bei sich habe; noch dazu, wo er doch wegen Beteiligung an einer tödlichen Auseinandersetzung im Lehener Park bereits verurteilt worden sei. "Ich habe nicht nachgedacht, ich habe das Messer immer dabei."

Der Prozess ist für drei Tage anberaumt. Ein Urteil ist voraussichtlich am Mittwoch zu erwarten. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Angeklagten bis zu 15 Jahre Haft.

Quelle: SN

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