Chronik

19 Kinder aus der Ukraine suchen in Salzburg eine Bleibe

Wirt Jan Pasajan nahm zwei Großfamilien aus der Ukraine bei sich im Gasthof Mitteregg auf. Seine Gästezimmer kann er aber nicht ewig frei halten.

19 Kinder und vier Frauen sind derzeit im Gasthof Mitteregg untergebracht. SN/Kolarik Andreas
19 Kinder und vier Frauen sind derzeit im Gasthof Mitteregg untergebracht.

Im Gasthof Mitteregg auf dem Gaisberg bekommt man bis kommenden Mittwoch keine Gästezimmer mehr. Pächter Jan Pasajan hat alle Reservierungen storniert. Der Grund ist eine Begegnung auf einer Autobahnraststätte zwischen Wien und Salzburg am vergangenen Dienstag. Dort traf der Wirt auf eine Gruppe von 19 ukrainischen Kindern in Begleitung von vier Erwachsenen. "Sie waren schon seit drei Tagen unterwegs."

Pasajan bot den zwei Großfamilien an, die Nacht in seinem Gasthaus am Gaisberg zu verbringen, dann könne man weitersehen. Die Strapazen der dreitägigen Flucht nach Österreich seien der Gruppe anzusehen gewesen, sagt Pasajan. "Sie kamen aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Kiew. Bis zuletzt wollten sie nicht fort. Aber alle anderen Nachbarn waren schon weg. Als die Russen bei ihnen im Garten waren, sind sie auch geflohen."

Die Gruppe wollte gemeinsam untergebracht werden

Am Mittwoch fuhr Jan Pasajan mit der Gruppe zur Registrierungsstelle beim Salzburger Messezentrum. Dort fragte man auch wegen eines Quartiers für die Familien an. Das Problem: Gefragt wäre eine große Unterkunft, in der die Gruppe gemeinsam untergebracht werden kann. "Man hat uns gleich gesagt, dass das schwierig wird", sagt Pasajan.

Kurzfristig bot man den Flüchtlingen Hotelzimmer an. Dort hätte es aber nur Frühstück gegeben. "Dann hätten die zwei Familien jeden Tag zwei Mal mit ihren 19 Kindern ins Gasthaus gehen müssen. Wie soll das gehen?"

So blieben die ukrainischen Flüchtlinge vorerst in den Gästezimmern im Gasthof Mitteregg. Bis nächste Woche könne er die Gruppe jedenfalls noch unterbringen und versorgen. Auch danach könnte er die Flüchtlinge weiter unterstützen, sagt Pasajan. "Es gibt viele leer stehende Häuser. Für ein paar Monate könnte ich das gemeinsam mit ein paar Stammgästen schon finanzieren." Bis dann würden die Flüchtlinge schon auf dem österreichischen Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben, hofft Pasajan.

Im Moment werden geeignete Quartiere gesucht

Die Frage ist derzeit nur, wo man ein entsprechendes Objekt finden könne.

Bei der Caritas nennt man weiterhin die Zahl von 280 gemeldeten Privatquartieren, die teils noch geprüft werden müssen. Man rufe weiterhin dazu auf, mögliche Quartiere bekannt zu geben. Gleichzeitig würden sich bei der Caritas auch täglich Verwandte oder Bekannte von Geflüchteten melden, die diese bei sich etwa auf der Couch untergebracht hätten und nun eine dauerhaftere Bleibe suchten.

Derzeit dürften sich in Salzburg rund 600 geflüchtete Personen aus der Ukraine aufhalten, heißt es aus dem Büro von LH-Stv. Heinrich Schellhorn (Grüne). Dieses Bild ergebe sich aus den verschiedenen Meldungen der vergangenen Tage von den beteiligten Organisationen.

Seit vergangenem Freitag registrierte das Rote Kreuz 745 Personen im Messezentrum. Davon blieben allerdings nur 112 in Salzburg. Die Zahl der bei der Polizei gemeldeten Flüchtlinge wird jeden Tag größer, am Mittwoch waren es 145 Personen.

800 Plätze für Flüchtlinge in organisierten Quartieren hat das Land Salzburg derzeit in Abklärung. Fix ist seit Donnerstag, dass das Rote Kreuz seine 76 Plätze im Holzhaus in Tamsweg wieder für Flüchtlinge zur Verfügung stellen wird. Zuletzt war die Einrichtung als Quarantänequartier genutzt worden. Ab Montag sollen die Betten ebenso zur Verfügung stehen wie 16 Plätze für Flüchtlinge der Organisation Rettet das Kind in St. Gilgen.
SN-Info: Jan Pasajan erbittet Hinweise für ein Quartier unter:

wirt@zum-kasnocknwirt.at

Ankunft von Flüchtlingen in Salzburg

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