Chronik

27-Jähriger wegen Mordversuchs in Asylheim vor Gericht

Ein Iraker soll im Streit um Rasierzeug mehrmals auf einen Marokkaner eingestochen haben. Der Angeklagte spricht von Notwehr.

27-Jähriger wegen Mordversuchs in Asylheim vor Gericht SN/robert ratzer
Symbolbild.

Ein Schwurgericht in Salzburg hat sich heute, Montag, mit einer Messerstecherei in einer Asylunterkunft im Pongau befasst. Ein 27-jähriger Iraker wurde des Mordversuchs beschuldigt. Er hat laut Anklage im April 2016 im Streit um Rasierzeug mehrfach auf einen 25-jährigen Marokkaner eingestochen und ihn schwer verletzt.

Der Marokkaner erlitt einen Durchstich im Ellbogenbereich des rechten Unterarms, eine Durchtrennung einer Sehne an einem Finger und auch Schnittwunden im Schulterbereich. Der Angeklagte beteuerte allerdings seine Unschuld. Der Marokkaner habe ihn angegriffen und geschlagen. In Notwehr habe er mit dem Küchenmesser zugestochen, schilderte der 27-Jährige dem Vorsitzenden des Geschworenengerichts, Richter Günther Nocker.

Angeklagter sei Opfer noch nachgelaufen

Staatsanwalt Christian Weismann schloss aber einen Mordvorsatz nicht aus. Er berief sich dabei auf die bisherigen Angaben des Opfers und von Zeugen sowie auf ein gerichtsmedizinisches Gutachten. Der Beschuldigte sei aggressiv und unnachgiebig vorgegangen, er habe gezielte Stichbewegungen gegen den Kopf und Oberkörper des Opfers gesetzt. "Die Tathandlung ist nur deshalb bei einem Mordversuch geblieben, weil sich das Opfer noch wehren hat können", sagte Weismann." Der Angeklagte sei dem Kontrahenten noch mit dem Messer nachgelaufen und habe abermals zugestochenen.

Mitbewohner konnten den Iraker schließlich überwältigen und in sein Zimmer bringen. Er stellte sich dann selbst der Polizei. Verteidiger Daniel Schöpf sprach von einer "vermutlich emotional aufgeladenen Situation, ausgehend durch falsche Beschuldigungen". Man könne dem bisher unbescholtenen Mann zwar eine schwere Körperverletzung vorwerfen, aber keinen Mordversuch, meinte Schöpf. Für den Kurden, der eigenen Angaben zufolge sieben Jahre der Peschmerga (Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistan, Anm.) gedient habe, wäre es ein leichtes gewesen, als geübter Kämpfer jemanden zu töten.

Der Angeklagte selbst bedankte sich zu Beginn seiner Einvernahme vor den Geschworenen, dass er in Österreich Zuflucht bekommen habe. Er hoffe nun, einen fairen Prozess zu bekommen. "Ich sehe mich nicht als Beschuldigter, ich habe in Not gehandelt." Es sei ihm in der Asylunterkunft gut gegangen, er habe seine Frau und seine Kinder nachholen und in Österreich eine Zukunft aufbauen wollen. "Doch dann bin ich in dem Heim diesen Arabern begegnet, dann ist alles anders geworden."

"Wenn ich schuldig wäre, hätte ich mich nicht der Polizei gestellt."

Weil er gewusst habe, dass zwei der Araber Schleuser gewesen seien, und diese das mitbekommen hätten, "haben sie Probleme gemacht", erzählte der Angeklagte. Die Männer hätten den 25-jährige Marokkaner vorgeschoben, "dass sie mir etwas antun". Der Marokkaner sei in der Nacht auf 12. April in sein Zimmer gekommen und habe ihn beschimpft, attackiert und mit einem Messer auf ihn einstechen wollen. "Ich habe ihm das Messer aus der Hand genommen." Als dieser mit einem Hocker auf ihn losgegangen sei, habe er mit dem Messer, das laut Staatsanwalt eine zwölf Zentimeter lange Klinge aufwies, eingestochen. "Wenn ich schuldig wäre, hätte ich mich nicht der Polizei gestellt."

Die Beweiswürdigung wird schwierig: Das Opfer wurde als Zeuge geladen, ist heute aber nicht zum Prozess gekommen. Der Richter wollte den Mann vorführen lassen, doch laut Polizei ist dieser seit 26. August nicht mehr im Flüchtlingsheim anwesend, sein Aufenthaltsort ist derzeit unbekannt. Zwei damalige Heimbewohner, die ebenfalls als Zeugen infrage kamen, sind mittlerweile wieder in Richtung Heimat aufgebrochen.

Der Prozess wurde auf den 27. Oktober vertagt.

Quelle: APA

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