Chronik

29 neue Salzburger Stolpersteine gegen das Vergessen

Adolf Altmann gründete 1911 die Israelitische Kultusgemeinde Salzburg. 1944 wurde er von den Nazis in Auschwitz ermordet. Zur Erinnerung an den Rabbiner wurde vor der Synagoge ein Stolperstein verlegt.



Marko Feingold ist mittlerweile so etwas wie eine Sehenswürdigkeit geworden. Gleich drei Schulklassen kommen zu der Verlegung eines Stolpersteines vor der Synagoge in der Lasserstraße, in der Feingold der Hausherr ist. Bevor es los geht, bittet eine englischsprachige Jüdin noch schnell um ein Foto mit Feingold. "Ich bin das schon gewohnt", sagt er. Dass ein Stolperstein in Salzburg vor die Synagoge kommt, war ein Versprechen des Stolpersteine-Komitees zu Feingolds 100. Geburtstag. Der Künstler Gunter Demnig verlegen Mittwoch und Donnerstag dieser Woche 29 neue Stolpersteine in Salzburg. Insgesamt werden es dann 246 Gedenksteine sein.

Der Stein vor der Synagoge erinnert an Adolf (Abraham) Altmann. Der jüdische Rabbiner war von 1907 bis 1914 in Salzburg. Ihm ist es zu verdanken, dass die jüdische Kultusgemeinde in der Stadt Salzburg 1911 zur eigenen Rechtspersönlichkeit wurde. Historiker Gert Kerschbaumer verfasste in den 1990er Jahren ein Buch über Altmann. "Er war ein Patriot", sagt Kerschbaumer bei der Verlegung. "Er zog in den Ersten Weltkrieg und wurde Feldrabbiner." Danach war er Oberrabbiner in Trier. 1938 flüchtete er nach Den Haag zu seiner Tochter. 1944 ermordeten die Nazis Altmann, dessen Frau, seine Tochter und ihren Schwiegersohn im Konzentrationslager Ausschwitz.

Wie zynisch das Vorgehen der Nazis war, erzählt Marko Feingold. Noch 1934 hatte Altmann von den Nazis ein Ehrenkreuz für seinen Einsatz als Frontkämpfer bekommen.

Angesichts solcher Geschichten ist es unfassbar, dass im Jahr 2014 Neonazis den Davidsstern vor der Synagoge mit gelbem Lack beschmierten. Die Tat ist jetzt fünf Monate her, die Farbe ist dort immer noch zu sehen. Marko Feingold möchte sie nicht entfernen. "Das soll der machen, der den Stern beschmiert hat."

Quelle: SN

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