Chronik

300 Strafen für Hundehalter

Sie sind ungeeignete Halter, räumen den Kot nicht weg. Das Ordnungsamt schätzt sie auf zehn Prozent.

Der Vorfall ist bis heute nicht geklärt. Zwei bayerische Nachtschwärmer waren Ende Jänner an einem Sonntagmorgen in der Elisabeth-Vorstadt unterwegs, als sie einem Mann mit einem weiß-braunen Pitbull Terrier begegneten, der weder Leine noch Beißkorb trug. Als die jungen Männer, 18 und 19, das Tier als "süßen Hund" bezeichneten, rastete der Halter aus, versetzte den Burschen Faustschläge ins Gesicht. Personenbeschreibung: um die 30, osteuropäischer Typ, vielleicht Ungar, blond, blaue Augen, kräftig.

Die Polizei und das Ordnungsamt der Stadt konnten den rabiaten Halter nicht ausforschen. "Wir haben alle Datenbanken durchforstet, der Hund ist nirgends registriert", sagt Christian Schwarz, zuständiger Jurist im Ordnungsamt. Es ist eine bekannte Problemlage: In einem bestimmten Milieu pfeift man auf Vorschriften und Regeln. Allerdings erwische man diese Klientel häufig doch noch, weiß Schwarz. "Uns kommt zugute, dass diese Leute immer wieder auffällig werden. Die sperren den Hund ein, der bellt, die Nachbarn zeigen das an."

Die Zahl der Hundehalter steigt auch in der Stadt Salzburg kontinuierlich an: Waren 2011 noch 4176 Hunde gemeldet, waren es im Vorjahr bereits 4872. Der überwiegende Teil der Besitzer bemühe sich, das ohnehin nicht einfache Zusammenleben in dichten Siedlungsräumen nicht noch weiter zu erschweren, meint man im Ordnungsamt. Eine Zahl von "vielleicht zehn Prozent" schere sich jedoch nicht um den in der Stadt geltenden Leinen- und Maulkorbzwang, die Pflicht, den Hundekot zu beseitigen, und das Verbot, Hunde auf Kinderspielplätzen mitzuführen.

Kampf-Terrier griff Kindergartengruppe an

Einige Mal pro Jahr wird besonders uneinsichtigen und ungeeigneten Hundehaltern das Tier abgenommen. Es ist die letzte Eskalationsstufe nach Vorfällen mit Bedrohung oder Verletzung. Die vom Amtstierarzt meist als "gefährlich" eingestuften Hunde landen dann im Tierheim. Im Gegensatz zu Wien, NÖ und Vorarlberg, die Listen mit potenziell gefährlichen Rassen eingeführt haben, erfolgt in Salzburg eine fallbezogene Gefährdungsanalyse. Daraus können besondere Auflagen erwachsen: Der Besitzer muss um eine Halteerlaubnis ansuchen oder einen erweiterten Sachkundenachweis mit zehn Stunden Training in einer Hundeschule erbringen. Von sogenannten Kampfhundelisten hält Sachbearbeiter Schwarz wenig: "Ich hatte auch schon einen Chihuahua, der ständig Leute gebissen hat." In prekären und sozial schwierigen Schichten hält man sich gerne einschüchternde Hunde. Man kann sie in bestimmten Stadtteilen zunehmend auf der Straße sehen. Oft geht das schief.

So ängstigte ein in Salzburg lebender Kroate mit Gefängniserfahrung mit seinen zwei Dogo Argentinos seine Umwelt. Die hünenhaften Tiere, die sogar für die Jagd auf Raubkatzen eingesetzt werden, attackierten auf den Freilaufwiesen ständig andere Hunde. Als bedrängte Halter die Polizei riefen, gingen die Hunde auf eine Beamtin los, bissen die Frau, die sich nur mit einem Warnschuss zu helfen wusste. Dem Besitzer wurden die Tiere abgenommen, er kriege sie sicher nicht mehr, so Schwarz.

Ein anderer, unbekannter Halter verlor über seinen nicht angeleinten Kampf-Terrier jede Kontrolle: Das Tier attackierte eine Kindergartengruppe in Gnigl. Der Mann war später wie vom Erdboden verschluckt. Ab und an seien Unterhändler aus osteuropäischen Zuchtfabriken mit Welpen unterwegs, sagt Strafamtsleiter Roland Schagerl. Man habe Importtiere auch schon beschlagnahmt. Die Internet- und Kofferraumhändler zu erwischen, sei schwierig.

FPÖ-Fraktionschef und Neo-Hundebesitzer Andreas Reindl sagt, der ohnedies verbotene Welpenhandel gehöre schärfer verfolgt. "Diese Leute gehören dingfest gemacht." An die Hundebesitzer im eigenen Land könne man nur appellieren, dass sie sich an die Regeln halten.

Sigrid Schober-Lukas, Obfrau des Vereins "Hund sucht Hütte", ärgert sich besonders über jene Tierhalter, die die Fäkalien ihres Vierbeiners liegen lassen. "Das ist eine solche Unart. Ich verstehe, dass Anrainer die Hundebesitzer zu hassen anfangen." Sie selbst habe immer ein Sackerl mit dabei, mehr noch, ihre Familie räume sogar den Kot fremder Hunde weg. "Mein Mann steht im Dunkeln oft mit der Handylampe da, damit er ja nichts übersieht."

Die ehemalige Volksschullehrerin geht oft bei den Salzachseen mit ihren Hunden spazieren. Unlängst kam ihr ein junger Mann mit Migrationshintergrund mit einem Pitbull Terrier an der kurzen Leine entgegen. Er habe schon von Weitem zu schreien begonnen: "Achtung, geh' weg, mein Hund ist wild." Derartige Erlebnisse sind der Grund, warum die Tierschützerin bei bestimmten Rassen für einen Hundeführerschein plädiert.

Im Amt von Bürgermeister Harald Preuner setzt man auf die neue Stadtwache. "Das Ordnungsamt wurde kräftig aufgestockt, die haben jetzt auch Uniformen. Die sind dazu da, um auf diese Dinge zu reagieren."

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