Chronik

32 Sommer als Bademeister - und kein Ende in Sicht

Nach über 30 Jahren im Dienst gehört Toni Windhofer zum Inventar des Erlebnisbades in Abtenau. In der Hochsaison schiebt er seit jeher 12-Stunden-Tage.

Toni Windhofer in „seinem“ Freibad in Abtenau. SN/sw/Strübler
Toni Windhofer in „seinem“ Freibad in Abtenau.

Der Bademeister fällt dem durchschnittlichen Badegast meist nur im Notfall auf - oder wenn er übermütige Kinder in die Schranken weist. "Ich versuche, nicht ständig mit dem Pfeiferl herumzustehen und herumzuschreien. Aber wenn ich mal was sage, dann wissen die Kids auch, dass es genug ist", sagt Langzeit-Bademeister Toni Windhofer. Bei bis zu 1000 Leuten im Bad sei es unvermeidlich, "ab und zu mal laut zu werden".

Dienstbeginn zwei Stunden vor Öffnung

Wenn das Bad um 9 Uhr aufsperrt, ist Windhofer schon zwei Stunden im Dienst. Dann hat er unter anderem bereits den Beckenboden abgesaugt und die Aufbereitungsanlage in Gang gesetzt. Wenn untertags neben der Beckenaufsicht Zeit bleibt, unterstützt er seine (wechselnden) Kollegen an der Kasse oder wischt schon mal auch durchs Klo. Zum Rasenmähen ist oft erst am Abend nach Badeschluss Zeit. Die Verantwortung vor Ort liegt bei ihm. Nur bei größeren finanziellen Entscheidungen muss er mit dem Geschäftsführer im Gemeindeamt Rücksprache halten.

Die Saison beginnt für Windhofer bereits sechs Wochen bevor das Bad tatsächlich aufsperrt. "In der Vorbereitungsphase muss alles so weit hergerichtet sein, dass der Betrieb starten kann", erklärt Windhofer. Auf den Sommerurlaub muss er seit jeher verzichten. An Urlaub ist erst zu denken, wenn das Bad nach Schulbeginn Mitte September seine Pforten schließt. 12-Stunden-Tage sind für Windhofer eher die Regel als die Ausnahme.

"Für diesen Beruf braucht es natürlich eine sehr, sehr nachsichtige Frau." Toni Windhofer

Im Sommer kommt Windhofer so auf viele Überstunden, die er im Winter als Zeitausgleich abbaut. Auf eigenen Wunsch. Denn dann ist er als freier Mitarbeiter im Langlaufbereich für die Skifirma Atomic unterwegs. "Ich bin Promoter, mache im Herbst Händlerschulungen, im Winter Skitests und präsentiere im Frühjahr den Händlern in ganz Österreich die neuen Modelle." Weil ihm die Gemeinde seine Überstunden aufgrund dieser Regelung nicht auszahlen muss, profitiert auch sie davon.

Den Bademeister-Job will er bis zur Pension machen. "Wenn ich nicht einen groben Fehler mache, wird mich die Gemeinde nicht mehr los", lacht der 55-Jährige, der mit 23 im Freibad anheuerte, und betont: "Für diesen Beruf braucht es natürlich eine sehr, sehr nachsichtige Frau. Meine hat mich aber zum Glück schon so kennengelernt."

Publikum wurde internationaler

Das Publikum habe sich über die Jahre verändert. Besuchten früher neben den Einheimischen in erster Linie Deutsche und Holländer das Bad, kommen mittlerweile auch viele Russen und Araber. "Bei Besuchern aus aller Welt ist es natürlich manchmal schwierig, denen klarzumachen, welche Regeln bei uns gelten", sagt Windhofer.

Verändert hätten sich aber auch die Kinder, ist der leidenschaftliche Bademeister überzeugt. "Sie sind sicher selbstbewusster als zu meiner Anfangszeit." Auch einen negativen Trend nimmt Windhofer wahr. "Während die Eltern früher oft übervorsichtig und selbst schlechte Schwimmer waren, glauben heute viele, sobald sich ihr Kind über Wasser halten kann, kann es schwimmen. Das kann brandgefährlich sein."

Nach mehr als 30 Jahren als Bademeister erinnert sich Windhofer auch an die ein oder andere dramatische Situation. Etwa an eine ältere Dame, die er nach einem Schwächeanfall reanimieren musste. Oder an einen Buben, der vor fast 20 Jahren mit dem Kopf gegen die Rutsche schlug und von Windhofer bewusstlos aus dem Wasser gezogen wurde.

Am schlimmsten erwischte es einen Mann, der nach einem Salto auf dem Beckenboden aufschlug und sich einen Halswirbel brach. "Da ist es dann schön, später zu sehen, dass es den Leuten wieder gut geht", so Windhofer.

Die Ausbildung zum Bademeister hat er beim Wifi gemacht. Alle fünf Jahre absolviert er eine Auffrischung in Erster Hilfe beim Roten Kreuz sowie - wegen des Chlors - eine Schulung im Umgang mit gefährlichen Stoffen.

Aufgerufen am 15.10.2018 um 01:50 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/32-sommer-als-bademeister-und-kein-ende-in-sicht-38781163

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