Chronik

34-Jähriger soll Bekannten brutal getötet haben: Mordprozess in Salzburg

Nicht geständiger, bereits 13 Mal vorbestrafter Angeklagter war von einem Freigang nicht wieder in die Justizanstalt zurückgekehrt. Er soll den 64-jährigen Bekannten in dessen Wohnung durch Tritte gegen den Oberkörper und heftiges Würgen getötet haben.

Symbolbild.  SN/Copyright by: FRANZ NEUMAYR Pres
Symbolbild.

In Salzburg musste sich ab Donnerstag ein 34-Jähriger wegen Mordes vor einem Geschworenengericht verantworten. Der vor allem wegen Gewaltdelikten 14-fach vorbestrafte Angeklagte soll im Vorjahr einen Bekannten (64) in dessen Wohnung durch Schläge, Tritte und Würgen vorsätzlich so schwer verletzt haben, dass dieser starb. Ein Urteil wurde für Freitag erwartet.

Als sich Tage nach der Tat im Stiegenhaus Verwesungsgeruch ausbreitete, alarmierten Nachbarn am 15. Juni 2017 die Polizei. Bei der Durchsuchung der Wohnung stießen die Beamten auf die stark verweste Leiche. Der Tote lag auf der Couch und war in eine Decke gewickelt. Da dürfte das Opfer, ein schwerer Trinker, bereits sieben bis zehn Tag lang tot gewesen sein. Als der Angeklagte kurz nach dem Fund der Leiche erneut im Haus auftauchte, wurde er festgenommen. Er dürfte die Wohnung auch nach der Tat noch weiter genutzt haben.

Nach der Verhaftung stellte sich heraus, dass der arbeitslose Verdächtigte von April 2014 an fast drei Jahre lang im Gefängnis saß und am 21. März 2017 kurz vor seiner Entlassung nicht mehr von einem Haftausgang zurückgekehrt ist. Auf der Suche nach Unterschlupf, kam er bei dem 64-Jährigen unter, den er von früher kannte. "Er ging in dessen Wohnung ein und aus. Man hat dort nicht nur gemeinsam getrunken, er hat dort offenbar gelebt", sagte Staatsanwalt Marcus Neher. Der 34-Jährige hatte sogar einen eigenen Schlüssel. Nachbarn hätten zudem auch von Streitigkeiten berichtet.

"Der Angeklagte ist der einzige; von dem wir wissen, dass er sich in der Wohnung aufgehalten hat", so Neher. Und ihm sei eine derart brutale Tat angesichts einiger seiner Vorstrafen auch durchaus zuzutrauen. Der Staatsanwalt las etwa auszugsweise aus dem Obduktionsbericht vor. Demnach hat der 64-Jährige Serienrippenbrüche, Frakturen an den Querfortsätzen der Lendenwirbel, Einblutungen in der Brusthöhle und typische Würgeverletzungen erlitten. "Wenn jemand aufrecht steht, sind solche Verletzungen nicht möglich. Das Opfer muss am Boden gelegen sein", sagte Neher.

Außerdem wurden in der Wohnung vor allem DNA-Spuren des Verdächtigen und des Opfers gefunden. "Ansonsten gab es nur wenige andere Spuren, die sich durch die Öffnung der Wohnung durch die Feuerwehr und die Bergung der Leiche erklären lassen", berichtete Neher.

Der Angeklagte bekannte sich zum Prozessauftakt nicht schuldig. Er sei zwar am Tag des Leichenfunds in der Wohnung gewesen, davor aber drei Wochen lang nicht. Als er auf der Couch die zugedeckte Leiche entdeckte - "Die Füße schauten heraus und waren ganz schwarz. Und es gab extrem viele Fliegen" - habe er einen Schock erlitten. Die Polizei zu rufen habe er sich aber nicht getraut. "Ich war auf der Flucht und ich hatte ein paar Sachen in der Wohnung gelagert."

Er habe sich vielleicht 15 Mal in der Wohnung des 64-Jährigen aufgehalten und eine Handvoll Male dort übernachtet, nicht öfter. Richtigen Streit habe es keinen gegeben, maximal Diskussionen über den hohen Alkoholkonsum des Opfers. "Er hat dann immer so laut geschrien." Dass sich ein Nachbar ziemlich sicher war, ihn am Tag vor dem Leichenfund in der Wohnung telefonieren gehört zu haben, stimme nicht. "Da muss er mich mit jemanden verwechselt haben."

Der Verteidiger des 34-Jährigen, Christoph Mandl, sprach am Donnerstag von einem reinen Indizienprozess. "Es gibt keine Tatzeugen." Auch andere Männer aus dem Alkoholikermilieu seien regelmäßig beim Opfer zu Besuch gewesen und hätten sich ihm gegenüber gewalttätig verhalten. "Aber die Polizei hat nur in eine Richtung ermittelt. Dabei hatte mein Mandant kein Motiv. Er hat vom Tod des Mannes nur Nachteile gehabt." Die Verletzungen des Opfers hätten auch anders entstehen können. "Es hat ihn im Suff oft geschmissen", meinte dazu der Angeklagte

Quelle: APA

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