Chronik

380-kV-Urteil entfacht neuen Widerstand

In den betroffenen Pongauer Gemeinden schlägt das neue Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes wie der Blitz ein.

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht den Bau der 380-kV-Leitung abgesegnet hat, gibt es unterschiedliche Reaktionen: Während Sozialpartner wie Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer das Projekt geschlossen begrüßen, wollen Gegner nun vor das Höchstgericht ziehen.

So trafen sich vergangene Woche in Adnet fast 80 Grundeigentümer zu einem überregionalen Treffen der Leitungsgegner.

Widerstand formiert sich etwa in Bischofshofen, wo die Gegner damit rechnen, dass alle Eigentümer demnächst Kaufangebote von der Betreibergesellschaft APG erhalten. Damit wolle diese den Weg für die Freileitung endgültig freimachen. Dem werde man sich weiter widersetzen. So hieß es, dass auch schon von Enteignung die Rede gewesen sei. "Wir erwerben hier nur Servitute", widerspricht Wolfgang Hafner, der Projektleiter der geplanten Salzburgleitung der Verbundtochter Austrian Power Grid (APG). Servitute sind beschränkte Nutzungsrechte.

"Mit dem Bau wird im Herbst gestartet und wir werden mit allen betroffenen Grundstückseigentümern noch in Dialog treten", verspricht Hafner und betont: "77 Monate wurde nun alles diskutiert und nun gibt es ein rechtskräftiges Erkenntnis über 618 Seiten. Diese Leitung ist ein Rückgrat für unsere österreichweite Versorgung. Wir haben bei der Planung versucht, so weit wie möglich Naturschutzinteressen zu berücksichtigen." Hafner hält fest: "Die Freilandleitung ist der neueste Stand der Technik und keine Uralttechnik. Teilverkabelungen sind allein vom physikalischen Prinzip für dieses Gebiet nicht möglich."

Bestürzt und betroffen zeigen sich Anrainer, Grundstücksbesitzer und politische Vertreter der Gemeinden, die von der geplanten Trassenführung betroffen sind. In Bischofshofen hat die Gemeindevertretung bereits 2012 einen Antrag auf Teilverkabelung gestellt: "Wir wollen das vor dem Höchstgericht behandelt sehen", so Bgm. Hansjörg Obinger (SPÖ), "die Leitung quert einzigartiges Landschaftsgebiet unseres Geoparks." Daher werde man an einer Teilverkabelung im Bereich des Talschlusses des Gainfeldtales bis zur technisch notwendigen Überspannung des Mühlbachtales im Süden der Gemeinde festhalten.

Einzigartige Landschaft für Generationen erhalten

Massiv betroffen von dieser neuen Leitung wäre auch das Landschaftsbild von Werfen. Dort ist Karl Obauer Obmann des Tourismusverbandes. Er hat eine klare Position zum Thema: "Der größte Wert für weite Bereiche unserer Wirtschaft und die Lebensqualität in unserer Region sind die intakte Natur und unsere unvergleichliche Landschaft. Diesen Wert zu erhalten und auch den nächsten Generationen die Möglichkeit zu bieten, in unserer Heimat gut zu leben und aussichtsreich zu wirtschaften, ist uns eine Verpflichtung." Zu dem vom Leitungsbau betroffenen Gebiet gehören das einzigartige Blühnbachtal, Imlautal und Höllntal. "Wir empfinden diese Region als Weltnaturerbe und wollen dieses Erbe geschützt wissen. Das Projekt einer diese Landschaft überspannenden 380-kV- Leitung lehnen wir daher kategorisch ab. Es gefährdet die Lebensqualität und die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Einer Region, deren Bilder in The Sound of Music und anderen Medien um die Welt gegangen sind und das Image der Destination Salzburg wesentlich mitgeprägt haben. Mit der Errichtung von 80 Meter hohen Strommasten in dieser Landschaft gingen diese Bilder für immer verloren, würde unersetzliches Kulturgut einem fragwürdigen Wirtschaftsprojekt geopfert."

Der neue Bürgermeister von Werfen, Hubert Stock (ÖVP): "Wir haben seitens der Gemeinde eine etwas andere Strategie gewählt und traten schon sehr früh mit Vertretern der Verbundtochter Austrian Power Grid (AGP) in Verhandlungen. So konnten wir zumindest erreichen, dass die Leitungen weg vom besiedelten Gebiet kommen. Natürlich wäre uns aber eine Erdverkabelung lieber. Derzeit ist ja nur jene Variante vom Höchstgericht geprüft worden, die eingereicht wurde. Wir hoffen daher auf eine Entscheidung der nächsten Instanz."

Aufgerufen am 19.10.2019 um 07:08 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/380-kv-urteil-entfacht-neuen-widerstand-67580512

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