Chronik

40 Jahre Wetterwart auf dem Sonnblick

Der Rauriser Ludwig Rasser erzählt aus seinem außergewöhnlichen Arbeitsalltag auf über 3100 Metern.

"Ja, heuer feiere ich mein 40. Dienstjubiläum hier heroben auf dem Sonnblick", sagt Ludwig Rasser. Der Luggi, wie ihn seine Freunde und Kollegen nennen, ist damit schon so etwas wie ein Inventar des Observatoriums auf dem Gipfel des 3106 Meter hohen Berges in den Tauern. "Es hat sich viel getan in diesen 40 Jahren, das ist gar nicht mehr zu vergleichen", versichert der Rauriser.

Spengler und Installateur hat Ludwig Rasser gelernt. Daneben waren die Berge schon immer seine große Liebe. Und die Mineralien, die man dort findet, wenn man sich auskennt und die Berechtigung hat, sie überhaupt zu suchen. Als ein Bekannter von ihm als Wetterwart in Pension ging, hat er sich beworben und die Stelle bekommen. "Das waren noch Zeiten zu Beginn meiner Dienstzeit", grinst Ludwig Rasser. Zwei Räume hatte das Observatorium, eine Küche und das "Gelehrtenzimmer", in dem die Meteorologen ihrem Dienst nachgingen.

Damals, als noch mit Kohlen geheizt wurde

Über diesen zwei Räumen gab es ein Mansardenzimmerchen, das als Schlafstätte herhalten musste. Toilette gab es keine, da mussten die Wetterwarte in das benachbarte Zittelhaus des Alpenvereins hinüber gehen. "Und geheizt haben wir mit Kohlen", erklärt der langjährige Wetterwart. Das wäre heute undenkbar, würden doch die allermeisten wissenschaftlichen Projekte aufgrund des Schadstoffausstoßes der Kohlenheizung überhaupt nicht durchgeführt werden können. "Aber damals ging es hier heroben ja fast ausschließlich um die Wetterprognose."

Das ist heute anders. Dutzende Projekte von Wissenschaftlern aus aller Welt sind am Observatorium am Hohen Sonnblick beheimatet. Das bedeutete auch über all die Jahre viel Weiterbildung und Schulung für die Mitarbeiter. Die Arbeit des modernen Wetterwarts beginnt heute um 6 Uhr, wenn die ersten Messungen durchgeführt werden - von der Temperatur bis Windstärke und Niederschlagsmenge. "Um 6.30 Uhr geben wir die ersten Daten an die Zentrale durch", sagt Ludwig Rasser, "das tun wir dann jede Stunde, entweder über den Computer, aber auch telefonisch." Die Wartung von Gerätschaft für die Wissenschaft gehört ebenso zu seinen Aufgaben wie die Außendienste. Dazu gehören Gletschermessungen oder die Kontrolle von Schneehöhen-Niveaus an fixen Punkten im Gelände. "Heuer haben wir die 4,5 Meter hohen Stangen verlängern müssen, weil sie zu kurz waren", berichtet er auch von einem Extremwinter auf dem Sonnblick.

Früher hatte ein Wetterwart drei Wochen Dienst, die vierte Woche dann frei. Aber oft verlängerte sich der Aufenthalt am Observatorium um Tage oder gar Wochen. "Wenn das Wetter schlecht war und der Sturm pfiff, konnte ja niemand hinauf und auch niemand hinunter", so Ludwig Rasser. Heute machen er und seine Kollegen 15 Tage Dienst, und haben dann 12 oder 13 Tage frei, Zeitausgleich von vorher geleisteten Überstunden inklusive. Und die neue moderne Seilbahn garantiert auch einen pünktlichen Dienstwechsel.

Er ist auch ein erfolgreicher Bergkristall-Sammler

In seiner Freizeit geht Ludwig Rasser vor allem dem Mineraliensammeln nach, nachdem die Karriere als Gleitschirmflieger schon in den Achtzigerjahren abrupt beendet wurde: Er krachte nach einem Start auf dem Sonnblick aufgrund einer unerwarteten Windböe in die Felswand und verletzte sich dabei mit zwei Wirbelbrüchen schwer.

Als Sammler von Bergkristallen ist der Rauriser einer der erfolgreichsten überhaupt: Der größte je in der Region gefundene und geborgene Rauchquarz mit einem Gewicht von 250 Kilogramm gehört Luggi Rasser. Das Prachtstück ist derzeit in der Skihalle im deutsche Neuss ausgestellt.

Die Geschichte mit der Gams zum Einstand

40 Jahre Dienst am Sonnblick - Ludwig Rasser hat noch immer Spaß dabei. Und nach einer kurzen Nachdenkphase erzählt er dann noch ein G'schichterl: "Es ist 40 Jahre her, also wird das ja schon verjährt sein", lacht er, "an meinem ersten Tag als Wetterwart haben meine neuen Kollegen gesagt: Du weißt schon, dass jeder, der anfängt, mit einer Gams kommen muss! Also habe ich meine Ski geschnappt, bin ein Stück den Sonnblick hinunter gewedelt - und mit einer erlegten Gams zurückgekehrt!"

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