Chronik

412 zusätzliche Arbeitsstunden: In Salzburg brodelt es am Bau

Für die Baubranche herrscht in den heißen Sommermonaten Hochkonjunktur. Darunter leiden besonders die Arbeiter, die bei Temperaturen von über 35 Grad oft in der prallen Sonne "hackeln" müssen - und ihre Arbeitsbedingungen könnten sich in den kommenden Monaten verschlechtern.

Bauarbeiter sind im Sommer oft enormen Temperaturen ausgesetzt. SN/robert ratzer
Bauarbeiter sind im Sommer oft enormen Temperaturen ausgesetzt.

Braungebrannt sitzt ein junger Arbeiter auf der Betonwalze und zieht seine Kreise über den frisch geteerten Parkplatz. Obwohl Temperaturen jenseits der 30 Grad herrschen und die Sonne erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel knallt, dampft der Beton bedrohlich - frisch aufgegossen erreicht er an die 160 Grad. Solche Temperaturen wird der Mann in Zukunft öfter aushalten müssen - nicht nur wegen des Klimawandels, sondern auch wegen der am 1. September in Kraft tretenden Novellierung des Arbeitszeitgesetzes. Sie soll pro Person 412 zusätzliche Arbeitsstunden im Jahr bringen.

Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der Bau und Holz Gewerkschaft (GBH) und Nationalratsabgeordneter der SPÖ, sieht in dem neuen Gesetz vor allem Nachteile für die mehr als 300.000 Beschäftigten am Bau in Österreich. Er selbst ist gelernter Maurer und hat zehn Jahre auf Baustellen gearbeitet - kennt die Arbeitsbedingungen also bestens. "Die Regierung verspricht mit dem neuen Gesetz eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, aber die wurden in der Baubranche auch davor schon flexibel geregelt", sagt Muchitsch. Bereits jetzt wäre es Arbeitgebern möglich, Zwölf-Stunden-Schichten mit ihren Arbeitern zu vereinbaren, wenn die Auftragslage das verlange. Besonders bei Hotelbaustellen, die pünktlich zur Skisaison fertiggestellt sein müssen, aber auch bei Baustellen von großem öffentlichen Interesse, wie der neuen Autobahnrampe in Salzburg-Nord, sei dies der Fall.

Von links Johann Kendlbacher (Betriebsratsvorsitzender STRABAG SALZBURG), Andreas Huss (LandesGF der Gew. Bau-Holz), NAbg. Josef Muchitsch (Obmann der Gewerkschaft Bau-Holz), und Othmar Danninger (Landesobmann der Gew. Bau-Holz) auf der Baustelle des Justizgebäudes Salzburg im Juni 2016.  SN/gbh
Von links Johann Kendlbacher (Betriebsratsvorsitzender STRABAG SALZBURG), Andreas Huss (LandesGF der Gew. Bau-Holz), NAbg. Josef Muchitsch (Obmann der Gewerkschaft Bau-Holz), und Othmar Danninger (Landesobmann der Gew. Bau-Holz) auf der Baustelle des Justizgebäudes Salzburg im Juni 2016.

"Die Arbeitnehmer haben bisher bei Zwölf-Stunden-Schichten Prämien oder längere Freizeitblöcke bekommen. Solche Zuckerl werden in Zukunft niedriger ausfallen, weil der Arbeitgeber die nicht mehr mit seinen Arbeitnehmern ausverhandeln muss, sondern einseitig festlegen kann", fügt Andreas Huss, Landesgeschäftsführer der GBH, hinzu. "Die Arbeiter haben also für die gleiche Arbeit weniger im Geldtascherl." Auch die Zustimmung des Betriebsrates, Arbeitsinspektors oder Betriebsarztes müsse ab dem 1. September nicht mehr eingeholt werden. Dabei bergen lange Arbeitszeiten gesundheitliche Risiken: laut einer Untersuchung der Universität Oldenburg steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall ab der neunten Arbeitsstunde enorm an.

GBH-Landesvorsitzender Othmar Danninger betont, dass das neue Arbeitszeitgesetz nicht nur den Arbeitern schade, sondern der gesamten Baubranche. Denn besonders für kleine Gewerbeunternehmen mit einer Handvoll Arbeitern sei es unmöglich, im Wettbewerb mit den großen Firmen mitzuhalten. "Porr, Swietelsky und die Strabag können mit ihren hunderten Arbeitnehmern das neue Gesetz voll ausschöpfen und dadurch auf Baustellen frühere Fertigstellungstermine erreichen als kleinere Betriebe. Die werden diesem Termindruck auf Dauer nicht standhalten", sagt Huss. Das zweite Problem sei, dass der Arbeitsplatz durch das neue Gesetz an Attraktivität verliere. Das verschärfe den ohnehin schon herrschenden Fachkräftemangel, da weniger junge Leute unter solchen Bedingungen arbeiten wollen würden.

Bei der Gewerkschaft für Bau und Holz hofft man deswegen, dass die großen Konzerne das neue Arbeitszeitgesetz nicht voll ausschöpfen werden. Weiters will sich Josef Muchitsch bei den Lohnverhandlungen im Frühjahr für eine sechste Urlaubswoche stark machen. Auch eine Verankerung der Vier-Tage-Woche im Gesetz stünde auf seiner Agenda. "Und Hitzefrei", merkt Danninger an. "Ab 30 Grad sollten höchstens Acht-Stunden-Tage erlaubt sein, bei 35 Grad sollten die Arbeiter dann die Schaufel niederlegen dürfen."

Quelle: SN

Aufgerufen am 11.12.2018 um 09:33 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/412-zusaetzliche-arbeitsstunden-in-salzburg-brodelt-es-am-bau-38542912

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