Chronik

42 neue Stolpersteine erinnern an Nazi-Opfer in Salzburg

Mehr als 300 Stolpersteine gibt es in Salzburg, Hallein und St. Johann. Einer von 42 neuen Quadern erinnert an einen mutigen Priester.

Er war ein katholischer Pfarrer mit Zivilcourage. Für Verfolgte riskierte er in der Nazi-Zeit sein Leben - Franz Zeiss, geboren am 7. November 1892 in Altenmarkt im Pongau. Der Künstler Gunter Demnig hat für ihn am Dienstag, 14. Juli, einen Gedenkstein vor der Andräkirche auf dem Mirabellplatz verlegt.

Franz Zeiss war aber nicht der einzige Mensch, dem in diesen Tagen für seinen Widerstand gegen das Nazi-Regime gedacht worden ist. Insgesamt haben Demnig und seine Mitarbeiter 42 Steinquader verlegt.

Die Aktion für Franz Zeiss hatte aber auch einen ganz offiziellen Anlass: Alle sieben Mitglieder der Salzburger Landesregierung haben die Patenschaft für jeweils einen Stolperstein übernommen. Die Initiative dazu hat Landesrätin Martina Berthold (Grüne) gesetzt.

Franz Zeiss, für dessen Stolperstein Landeshauptmann Wilfried Haslauer die Patenschaft übernommen hat, wirkte in der Stadt Salzburg als Religionslehrer, Präses des katholischen Gesellenvereines und als Seelsorger. Seit 1934 war er Stadtpfarrer der Pfarre St. Andrä.

Er verriet seinen Informanten nichtGauleiter und Reichsstatthalter Friedrich Rainer hatte 1940 der Polizei die Weisung zur Durchsuchung aller Pfarrämter nach Feldpostadressen von Soldaten gegeben, da das Sammeln dieser Adressen zwecks Versendung religiöser Schriften den Pfarren aus "Abwehrgründen" untersagt war. Durch den katholischen Polizeibeamten Maximilian Klimitsch war Zeiss vorab von der Aktion informiert worden und hatte die Pfarrämter davon in Kenntnis gesetzt. Zeiss, der seinen Informanten nicht verriet, wurde inhaftiert und zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Pfarrer Zeiss half Menschen mit jüdischer Herkunft, die Terrorjahre im Verborgenen zu überstehen, bei zum katholischen Glauben übergetretenen Juden durch Verheimlichung in den von den Pfarrämtern geführten Matrikenbüchern.

Zeiss überlebte die Haft in SS-Gewahrsam. 1991 verstarb er im Alter von 99 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof des Stiftes St. Peter.

Auf der Internetseite des Personenkomitees Stolpersteine sind Wohnorte und Biografien jener Menschen aus Salzburg verzeichnet, denen als Nazi-Opfer Gedenksteine gewidmet sind.

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