Chronik

50 Jahre 1968: Ein "Salzburger Beatle" 1968 in Golling

Revolution mit dem Kinderwagen, Zugfahrten zum Fernsehschauen und "haarige" Angelegenheiten: Der "Salzburger Beatle" Rudi Fürschuss über sein Jahr 1968 in Golling.

Das Jahr 1968 ist Rudi Fürschuss auch 50 Jahre später noch gut in Erinnerung: "Da hat sich wahnsinnig viel ereignet, das hat mich schon irgendwie geprägt." Im Jänner '68 zog der damals 21-Jährige mit seiner Freundin Gudrun Maier in eine Wohnung in der Südtiroler Siedlung, gegenüber dem heutigen Spar-Markt, gemeinsam mit dem neugeborenen Sohn Frederic. "Ich war ein Stadtmensch, das war schon eine große Umstellung für mich. Wir waren auch noch nicht verheiratet, das war nicht so einfach in einer Landgemeinde", sagt der gebürtige Stadt-Salzburger. "Die Leute haben einen schon etwas misstrauisch beäugt, grade mich mit meinen etwas längeren Haaren. Ich war noch dazu einer der ersten Männer, der hier mit dem Kinderwagen spazieren ging, das hat's ja damals nicht gegeben."

"Der Pfarrer im Ehe-Unterricht war völlig entsetzt"

Aber auch in eine Landgemeinde wie Golling drang 1968 das turbulente Weltgeschehen, mit Nachrichten von der Niederschlagung des Prager Frühlings. "Als meine Frau das im Radio gehört hat, hat sie auf der Straße nach tschechischen Autos geschaut, damit sie sie vor der Heimreise warnen kann."

Im August 1968 feierten Rudi und Gudrun Hochzeit - vorher ging es aber noch zum "Ehe-Unterricht": "Der Pfarrer sagte uns, zusammenwohnen ist Sünde, und hoffentlich hätten wir uns eh noch nicht ,vereint', so hat er sich ausgedrückt", lacht Rudi Fürschuss. "Und dann hab ich gesagt: ,Herr Pfarrer, es tut mir leid, aber wir haben schon ein Kind.' Da war er völlig entsetzt, das war ein Schock für ihn."

Zum Fernsehen mit dem Zug nach Salzburg

Kennengelernt hatten sich die beiden bei einem Konzert von Fürschuss' Band "The Blue Beats", damals eine Institution in der Salzburger Musiklandschaft. 1967 lösten sich die "Salzburger Beatles" auf, als Fürschuss seinen Wehrdienst ableistete, und danach der Familie den Vorrang geben wollte. Erst 1987 fand die Band wieder zusammen und tritt bis heute in Salzburg und Umgebung auf. Die Leidenschaft für die Musik der "Pilzköpfe" hat ihn aber sowieso nie verlassen und hält aber bis heute an - Im kommenden Dezember wird Fürschuss mit seiner Enkelin beim Wien-Konzert von Beatles-Mastermind Paul McCartney im Publikum stehen.

In seiner Zeit als "Salzburger Beatle" musste man dagegen für diese Leidenschaft noch einiges auf sich nehmen: Platten der Band besorgte bis Mitte der 1960er ein Musikerkollege direkt aus England, für die legendäre Musiksendung "Beat Club" fuhr Rudi jeden Samstag mit dem Zug zu seinen Eltern nach Salzburg - denn die im Gegensatz zu ihm und seiner Frau hatten einen Fernseher. "Und im August 1968 rief mich meine Frau ganz aufgeregt im Büro an, sie habe gerade ein Lied von den Beatles gehört, das dauert sieben Minuten. Für mich war das eine Sensation." Das Lied war das brandaktuelle "Hey Jude", für das Telefonat war Gudrun eigens in den Ort zur Post gelaufen, weil die Familie kein Telefon hatte.

Kein Telefon, kein Auto, keine Waschmaschine, kein Kühlschrank

"Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, wir hatten kein Auto, keine Waschmaschine, keinen Kühlschrank, es war keine leichte, aber trotzdem eine schöne Zeit, ich möchte das nicht missen. Das prägt einen und schafft auch Zusammenhalt", sagt Rudi Fürschuss. Wie wahr - heuer feierten Gudrun und er goldene Hochzeit.

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