Chronik

500-jährige Lungauer "Zeitzeugin" übersiedelte ins Freilichtmuseum

1500 Puzzleteile vom Balken bis zum Löffel und 200 handgefertigte Holznägel mussten abgebaut, transportiert und wieder zusammengesetzt werden. Jetzt geht es um die Feinarbeiten. Offiziell eröffnet wird die "Rainerkeusche" im September.

Der Werkstattleiter des Salzburger Freilichtmuseums, Franz Greisberger, hat alles im Blick. Sein Team, hoch spezialisierte Handwerker, leistet hier Unglaubliches, auf jedes Detail wird geachtet. Dass diese auch historisch richtig sind, darauf schaut Monika Brunner-Gaurek penibel, sie überwacht die "Verpflanzung" der Rainerkeusche von Ramingstein nach Großgmain. Die Historikerin betont: "Zurzeit geht es hauptsächlich um die Innenausstattung. Zum Beispiel hat der Putzrestaurator neun verschiedene Farbschichten freigelegt. Diese Schablonenarbeiten machen wir jetzt in Stube und Schlafkammer nach. So hat das Haus in den 1920er- und 1930er-Jahren ausgesehen."

Die letzten von Hand gefertigten Holznägel werden von Christian Enthammer eingeschlagen, 200 von ihnen hat er sozusagen maßangefertigt. Und Franz Greisberger betont: "Das ganze Bauwerk wurde im Lungau vermessen und gescannt. Jedes Stück, vom Balken bis zum Löffel, haben wir nummeriert, nach Großgmain gebracht und hier wieder zusammengesetzt. 1500 Puzzle-Teile waren es schließlich. Das Ergebnis kann man jetzt schon von außen gut sehen." Offiziell eröffnet wird das restaurierte Kleinbauernhaus im September.

Einer, der die "Rainerkeusche" wie seine Westentasche kennt, ist der ehemalige Landessanitätsdirektor Christoph König: Er ist in dem kleinen historischen Bauernhaus aufgewachsen. Es jetzt im Freilichtmuseum zu sehen, ist für eine eine emotionale Reise in die Kindheit.

Das Landesmedienzentrum hat ihn dazu interviewt:

LMZ: Herr König, wie ist es, wieder zurückzukommen?
Christoph König: Für mich waren die vergangenen Monate, als die Keusche von Ramingstein nach Großgmain versetzt wurde, eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich kam viel zum Reflektieren - über meine Kindheit, die fantastisch war.

LMZ: Wann haben Sie denn hier gelebt?
Christoph König: Meine Mutter kehrte nach Ramingstein zurück als ich zwei Jahre alt war. Vorher war sie Sennerin in Mariapfarr. Sie musste heim, weil meine Großmutter krank war. Dann lebten wir hier bis ich zehn wurde und ins Internat des Borromäums in Salzburg wechselte.

LMZ: Wie waren diese Kindheitsjahre?
Christoph König: Wir waren arm, aber die Erinnerungen sind sehr positiv, ich hatte eine schöne Kindheit. Da hinten in der Kammer im ersten Stock haben wir geschlafen. Ich hinter meiner Mutter, mein Cousin auf der anderen Seite. Bei minus 25 Grad auf das Plumpsklo, das sich draußen befand, das war schon eine Tortur. Aber fürs kleine Geschäft gab es die ,Kachel".

LMZ: Wie wurde damals geheizt? Schließlich ist der Lungau ein wenig "arktisch".
Christoph König: Die Schlafkammer nur durch ein Dunstloch, das von der Stube heraufführte. Die Spalten zwischen den Balken wurden mit Moos abgedichtet. Eigentlich war das gesamte Baumaterial aus der Gegend, ökologisch, ohne künstliche Mittel. Aber es hat funktioniert. Das ist pure Natur.

LMZ: Und wenn sie dieses Haus jetzt in Großgmain betreten?
Christoph König: Dann wird mir erst bewusst, in welchem historischen Juwel ich aufgewachsen bin. Das Haus zeigt das Leben von damals, auch ein Stück meines Werdegangs. Es wurde bis Ende der 1980er-Jahre bewohnt. Wir haben immer geglaubt, es wäre so um 1705 errichtet worden. Dass es zirka 500 Jahre alt ist, hat uns alle überrascht. Ich bin fasziniert, mit welcher Genauigkeit das alles wieder aufgebaut und restauriert wurde.

Quelle: SN

Aufgerufen am 17.08.2018 um 07:02 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/500-jaehrige-lungauer-zeitzeugin-uebersiedelte-ins-freilichtmuseum-38498251

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