Chronik

72-Jährige aus Salzburg hat Rezept gegen das Alleinsein

Die Pensionistin hat einen Plan. Gemeinsam mit Gleichgesinnten das Leben genießen und Alleinstehende in Kontakt bringen.

Dagmar Späth möchte neue Freundschaften knüpfen und für gemeinsame Aktivitäten Menschen zusammenbringen, die allein leben. SN/privat
Dagmar Späth möchte neue Freundschaften knüpfen und für gemeinsame Aktivitäten Menschen zusammenbringen, die allein leben.

Dagmar Späth war zeit ihres Lebens eine Macherin. Abwarten und jammern liegt nicht in ihrem Naturell, vor Stillstand nimmt sie sich in Acht. "Wer in seinem Leben etwas verändern will, muss neue Wege gehen", sagt die 72-jährige Pensionistin. Deshalb hat sie sich entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen und ein Thema zur Sprache zu bringen, das sie seit geraumer Zeit beschäftigt: das Leben alleinstehender Menschen, die so wie sie Salzburg zum Lebensmittelpunkt erkoren haben, als Zugereiste hier leben und sich nach der Gesellschaft Gleichgesinnter sehnen, um sich zu treffen, gemeinsam etwas zu unternehmen und sich gegenseitig zu unterstützen.

"Ich habe mit 62 Jahren noch einmal geheiratet, mein Mann, er war Deutscher, ist vor zwei Jahren verstorben, die Kinder sind erwachsen und leben mit ihren eigenen Familien im Ausland", schildert Späth. Sie sei körperlich und geistig noch beweglich und unternehmungslustig. Es mache auf Dauer keine Freude, ohne Gesellschaft spazieren zu gehen, Ausflüge zu machen, Theater zu besuchen oder zu verreisen. "Beruflich hatte ich immer mit vielen Menschen Kontakt, das fehlt mir jetzt im Ruhestand."

Spaziergänge am Sonntag vermeidet Späth. "Man trifft fast nur Paare und Familien, das ist für Alleinstehende frustrierend." Auch ihren Geburtstag am 24. Dezember und Silvester verbrachte Späth allein in ihrem Zuhause in Salzburg-Parsch: "Das möchte ich nicht noch einmal erleben." Daher hat sie sich entschlossen, die Initiative zu ergreifen.

"Ich möchte eine Möglichkeit schaffen, dass sich Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich, jenseits von politischen oder religiösen Zugehörigkeiten vernetzen oder treffen können." Sie sei interessiert an weltoffenen Leuten, die über den Tellerrand schauen und die ebenfalls die Gemeinschaft suchen, ohne die eigene Individualität aufzugeben. "Ich bin unabhängig, mobil und hilfsbereit, ich weiß genau, was ich will, und ich habe Zeit."

Späth ist überzeugt, dass es vielen anderen Frauen und Männern in ihrem Alter ähnlich ergeht. "Es wäre schön, einen Kreis von Mitmenschen kennenzulernen, die auf ein geglücktes Leben zurückblicken, die an Kunst, Kultur und Natur Freude haben, die eventuell auch aus der ganzen Welt zusammengewürfelt sind und Salzburg zu ihrer Wahlheimat gemacht haben." Sie liebe Salzburg und die historischen Bauwerke, an denen sie sich bei ihren Spaziergängen erfreue. "Die Stadt begeistert mich und spendet mir Lebensfreude."

Durch die Vernetzung von Gleichgesinnten und das Teilen gemeinsamer Interessen könnte eine Win-win-Situation entstehen, meint Späth. Das Altern bringe für Alleinstehende eine gewisse Unsicherheit mit sich. Noch sei sie gesund und fit, aber ihr sei bewusst, dass sich dieser Zustand jederzeit ändern könne. "Es wäre beruhigend, einen Freundeskreis in Salzburg zu wissen, in dem man sich mit Rat oder auch einmal mit Tat unterstützt, wo jeder seine Sorgen in Worte kleiden kann, in dem Wissen, auf Verständnis zu stoßen." Späth wünscht sich eine sympathische Runde, in der alle von sich und ihrem Leben erzählen. "Jede und jeder Einzelne hat sicher Erfreuliches erlebt, aber vielleicht ist gelegentlich nicht alles so geglückt wie erhofft, es zeugt von menschlicher Größe, auch dazu zu stehen." Eines macht Späth unmissverständlich klar: "Der Wunsch nach einem Partner ist nicht der Grund für meinen Vorstoß."

Späth ist gebürtige Wienerin und hat mit ihrer Familie rund 20 Jahre auf Teneriffa gelebt. Deshalb spricht sie gut Englisch und etwas Spanisch. Mit 50 Jahren zog sie mit ihren beiden Kindern nach Salzburg, um ihnen eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Ihr Mann blieb auf Teneriffa, die Beziehung ging auseinander. Ihren Beruf als Heilmasseurin und medizinische Fußpflegerin hat Späth mit großer Freude ausgeübt. 13 Jahre lang arbeitete sie als Selbstständige im Hotel Sheraton, mit 61 ging sie in Pension.

Außer in Salzburg lebt Späth im Waldviertel, wo sich ihre Mutter ein Zuhause geschaffen hatte. Nach dem Tod ihres Mannes Anfang 2020 beschloss Späth, mit 70 Jahren noch einmal beruflich durchzustarten. Sie eröffnete im Waldviertel einen kleinen Salon und legte los. Einen Monat später kam Corona und ein Lockdown nach dem anderen. Deshalb hat Späth das Gewerbe ruhend gemeldet. Als sie noch berufstätig war, schmiedete Späth Pläne, um in der Pension eine Beschäftigung zu haben. "Ich habe vor zehn Jahren in der Diözese Linz die Ausbildung zur Pilgerbegleiterin absolviert, dann habe ich überraschend meinen Mann kennengelernt und statt Gruppen zu begleiten, bin ich mit ihm zu zweit durchs Leben gepilgert."

Um zu sondieren, wer ihre Ansichten teilt und zu einer solchen Gruppe gehören möchte, bittet Späth um Kontaktaufnahme per Mail unter dagmar.terber@aon.at. Je nach Interesse wird sie dann in Salzburg für ein erstes Treffen nach einer Räumlichkeit oder einem Lokal suchen. "Wir Alleinstehende müssen hinaus aus den eigenen vier Wänden", sagt sie. "Nur in der Gesellschaft, im aktiven Miteinander und durch positive Kontakte wird das Leben spürbar lebenswerter." Sie halte nichts von anonymen Kontakten im Netz, sondern vertraue lieber auf ein seriöses Kennenlernen durch persönliche Gespräche und Begegnungen. Eine Anregung an Gastronomen hat Späth parat: "Es müsste Singles-Only-Tage geben, am Tag für Senioren und am Abend für die Jungen."

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