Chronik

Abschied vom Kreativfestival in Hallein

"Zu wenig Unterstützung durch die Stadtgemeinde": Nach sieben Jahren verlässt das FH-Kreativfestival "Creativity Rules" Hallein - ein harter Schlag vor allem für die Idee, die Stadt für die Kreativwirtschaft attraktiver zu machen.

Von Medienkunstprojekten zwischen Realität und "Virtual Reality" über preisgekrönte Computerspiele bis hin zu praktischen Anwendungen wie Visualisierungshilfen oder Bestellsystemen für Vereinsfeste: Die Projekte beim "Creativity Rules"-Festival waren stets ein "Ausblick in die Zukunft", wie es Till Fuhrmeister einmal bezeichnete. Der Leiter der Fachbereichs Film am FH-Studiengang MultiMediaArt, selbst Wahl-Halleiner, organisiert seit 2012 mit seinem Team an verschiedenen Standorten in Hallein das Festival, "um einerseits den Leuten in Hallein zu zeigen, was wir an der FH so alles machen, und andererseits, um den Studierenden und Absolventen Hallein näherzubringen". Siedelten sich genug junge Fotografen, Kameraleute, Designer, Computerspielentwickler etc. in Hallein an, habe die Stadt das Potenzial, ein Kreativstandort wie Prenzlauer Berg in Berlin oder Brooklyn in New York zu werden, so seine Vision. "Diese Kombination aus FH in unmittelbarer Nähe, HTL und Modeschule einerseits, schneller Autobahnanbindung und kompakter Innenstadt andererseits kenne ich aus anderen Städten so nicht", meinte er in einem TN-Gespräch 2018.

2020 geht "Creativity Rules" nach Salzburg

Diese Vision hat er nun zumindest auf Eis gelegt: 2019 findet das Festival nicht statt, für 2020 gibt es bereits einen Partner in der Stadt Salzburg. "Der stellt uns das Gelände gratis zur Verfügung und sieht die Kosten als Marketing-Investition. Das war in Hallein nicht der Fall." Während Sponsoren das Festival zum Teil mit mehreren Tausend Euro unterstützen, reduzierte die Stadt lediglich die Saalmieten - auf immer noch insgesamt rund 5000 Euro. "Dabei haben wir ja Standortmarketing betrieben", sagt Fuhrmeister. "Die Leute, die seitens der Stadt involviert waren, waren superfreundlich, aber ich hätte mir gewünscht, dass wir auch in einer offiziellen Kommunikation der Stadt einmal auftauchen oder dass auch einmal der Bürgermeister zur Eröffnung kommt."

Fuhrmeister betont, er sei nicht verbittert, es gebe eben offenbar andere Prioritäten: "Jene der Stadt liegen offenbar nicht bei der Kontaktsuche zur FH. Jeder hat das Recht auf seine eigene Vision, meine war halt, Hallein als Start-up-Stadt zu etablieren, sodass unsere jungen Leute von der FH Lust haben, da hinzugehen. "

Stadt entwickelt neues Förderkonzept für Veranstaltungsstätten

Seitens der neu gewählten Stadtregierung bedauert man den Verlust des Festivals, hofft aber auf eine Rückkehr nach 2020. "Es wäre ein große Bereicherung, wenn wieder das Festival wieder zurückholen könnten", sagt Kulturstadträtin Rosa Bock (SPÖ), betont aber: "Wir werden dazu sicher auch etwas beitragen, das heißt aber nicht, dass die Kulturstätten gratis werden."

Davon unabhängig, will Bock ohnehin ein neues Konzept für eine transparentere Preisgestaltung der städtischen Veranstaltungsstätten entwickeln. "Es soll nicht so sein, dass jedes Mal ein eigener Tarif mit dem Bürgermeister ausgemacht werden muss, es braucht ein durchschaubares, ehrliches Förderkonzept, was die Vermietungen betrifft."

Auch Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) hofft, das Festival wieder nach Hallein zurückholen zu können, auch mit Hinblick auf die dahinterliegende Vision einer Halleiner Kreativwirtschaft: "Jeder Arbeitsplatz ist wichtig und im Besondern die Kreativwirtschaft, weil sie viel Zukunftsspotenzial birgt, auch wenn es keine Betriebe mit vielen Arbeitsplätzen sind."

"Hallein könnte viel mehr Kreativfirmen haben"

Ein junges Kreativunternehmen, das sich bereits mehrfach für Hallein entschieden hat, ist die Software-Schmiede Polycular: 2014 kam das Unternehmen der Gründer Robert Praxmarer und Thomas Layer-Wagner nach Hallein, unterstützt durch die damalige Initiative der Stadt und der FH (u. a. ein Jahr Gratismiete). In den kommenden Wochen zieht das von zwei auf mittlerweile elf Mitarbeiter angewachsene Team bereits zum zweiten Mal innerhalb der Altstadt um. "Die Wege wären in Salzburg kürzer, aber insgesamt war Hallein für uns das bessere Paket", erklärt Praxmarer.

Noch mehr für junge Start-ups könnte die Stadt mit einem Coworking-Space tun, wo junge Kreative zusammenarbeiten: "Solche Orte sind Brutstätten neuer Aufträge, das macht es jungen Firmen leichter, Fuß zu fassen. Es gibt ja schon einige Kreativfirmen in Hallein, es könnten aber viel mehr sein, nachdem die Talente nicht mal zehn Kilometer entfernt sitzen. Hallein wird wohl keine reine Einkaufsstadt mehr, da muss man sich schon einen Plan B überlegen."

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