Chronik

Ärger über eigenmächtig errichtete Kletterrouten

Die Jäger sind empört. Zum Kleinen Bruder in Reith bei Unken suchten sich Sportler neue Wege. Der Zustieg führt durch Wildgebiet.

Walter Wimmer zeigt von seinem Garten aus auf das Ziel der Kletterer. Der Kleine Bruder ist der rechte der drei markanten Gipfel.  SN/sw/Andreas Rachersberger
Walter Wimmer zeigt von seinem Garten aus auf das Ziel der Kletterer. Der Kleine Bruder ist der rechte der drei markanten Gipfel.

"Die Nordwand des Kleinen Bruders war lange nicht erschlossen, doch jetzt führen insgesamt sechs durchgehend mit Bohrhaken abgesicherte Routen durch die schöne Wand."

So wird Kletterern auf einer Online-Outdoor-Plattform ein Ausflug nach Unken schmackhaft gemacht. Seit drei Jahren sei das jetzt ein Thema, immer mehr Leute würden die neuen Wege zum Gipfel suchen, sagt Aufsichtsjäger Walter Wimmer. Das Problem: Es gibt gar keinen offiziell beschilderten Zustiegsweg, alles sei ohne Absprache mit den Grundbesitzern geschehen, etwa den betroffenen Agrargemeinschaften Alpa- und Reiteralm oder den Saalforsten. Mit Steinmandln und Spraydosen seien Orientierungspunkte gesetzt worden. "Es ist ein Wildgebiet, ein Aufzuchtsort für das Birkhuhn, ein Adlerhorst ist dort, die Kletterer sind sich oft gar nicht bewusst, was sie bei den Tieren auslösen. Den Tieren wird in diesem Gebiet wieder eine wichtige Ruhezone genommen", sagt Wimmer. Sehr kritisch sei es jetzt im Herbst, zur Brunftzeit, wenn es bei der Rückkehr von Sportlern oft schon dämmere und mitunter mit Stirnlampen durch Einstände gegangen werde. "Viele sehen die Natur als großen Freizeitpark, in dem sie sich grenzenlos austoben können, ohne Respekt vor Grundbesitz und anderen Lebewesen. Wenn ein Klettergebiet überlaufen ist, sucht man sich offenbar einfach ein neues. So dehnt sich das Problem aus wie ein Spinnennetz."

Dagegen vorzugehen sei schwierig und vor allem mit mühsamen Rechtsstreitigkeiten verbunden, sagt der Aufsichtsjäger. Er sehe sich in der Sache als Aufklärer, halte nichts davon, Kletterer "anzuschnabeln", die sich auf dem nicht ausgewiesenen Zustiegspfad bewegten. "Sie sehen die Route im Internet und denken sich nichts Schlimmes dabei. Ich kann die Leute nicht aufhalten, versuche aber, Bewusstsein zu schaffen. Wie viel Tierleid Naturnutzer auslösen, das nie jemand sieht, möchte ich gar nicht wissen." Das betreffe natürlich nicht nur Kletterer, sondern auch Biker, Skitourengeher oder Schneeschuhwanderer, die sich alternative Routen suchen.

Bezirksjägermeister Walter Herbst hat das Thema bereits wiederholt öffentlich angesprochen, so auch heuer im Februar beim Bezirksjägertag. Man dürfe nicht müde werden, immer wieder Appelle zu richten und auf Initiativen wie "Respektiere deine Grenzen" aufmerksam zu machen. "Der Lebensraum wird immer noch enger für das Wild, der Druck hat in den vergangenen Jahren massiv zugenommen", bekräftigt Herbst.

Zurück zum Wildklettern beim Kleinen Bruder. Thomas Zanker ist in mehrerer Hinsicht involviert, als Forstbetriebsleiter der Saalforste in St. Martin/L., Revierleiter des betroffenen Hegerings und Naturschutzreferent der Sektion Lofer des Österreichischen Alpenvereins. Vor rund einem Dreivierteljahr, als er von dem Problem erfahren habe, sei er in Zusammenarbeit mit einem Grundeigentümer umgehend aktiv geworden. "Die neuen Routen hätten in einem neuen Kletterführer veröffentlicht werden sollen, das haben wir in Absprache mit den Errichtern verhindern können", sagt Zanker. Dass das Angebot online auf einer Plattform aufscheint, hat er erst im Zuge der PN-Recherchen mitbekommen. "Das war so ganz klar nicht abgemacht."

Zanker unterstreicht, dass die Zuwegung durch sehr sensibles Gebiet verlaufe, naturschutzrechtlich sei das problematisch. "Ich habe sehr viel mit Lenkungsmaßnahmen zu tun, gewisse Geländekammern müssen einfach ruhig gehalten werden." So sei es ein Schlag ins Gesicht, wenn eigenmächtig Kletterrouten gebohrt würden.

In der Online-Tourenbeschreibung ist unter anderem bei der Zustiegsinformation zu lesen: "Kurz unter den ersten Felsen erreicht man einen Jägersteig, den man flach nach Nordosten (links) für ca. 10 Minuten folgt. Dann geht man an einem Steinmann in der linken Begrenzung einer Rinne einen erdigen Weg nach oben. Wo man in der Rinne nicht mehr weiterkommt, verlässt man diese an immer wieder gelben Markierungen nach rechts." Eine Wegbeschreibung, die Interessierte stutzig machen sollte, sagt Zanker. Das Thema Naturnutzung erfordere ein hohes Maß an Sensibilität von allen Beteiligten. "Lenkungsmaßnahmen sind zu respektieren. Sonst hat das alles keinen Sinn."

Ganz klar gegen die unkoordinierte Kletterei spricht sich der Tourismusverband Salzburger Saalachtal aus. Es gibt intensive Bemühungen, um das Angebot in geordnete Bahnen zu führen. Geschäftsführer Wolfgang Fegg: "Das Thema Klettern ist klar in unserer Positionierung verankert und vor allem die Klettergebiete rund um Weißbach sind weit über die Grenzen hinaus bekannt. Wohl wissend, dass es sich um ein sensibles Thema handelt, welches mögliche Interessenkonflikte zum Beispiel zwischen Tourismus, Jägerschaft und Naturschutz birgt, kommunizieren wir nur jene Klettergebiete, wo wir ,grünes Licht' von allen Beteiligten haben." Konkret heiße das, so Fegg weiter, dass der TVB für diese Gebiete als sogenannter Halter auftrete - "damit die Haftung übernimmt, gemeinsam mit der jeweiligen Gemeinde Vereinbarungen mit den Grundstücksbesitzern für Zu- und Abstiege hat und sich auch um weitere Themen wie Parkplätze und Beschilderung kümmert. Auch die Instandhaltung dieser Gebiete wird von TVB und jeweiliger Gemeinde koordiniert. So werden derzeit in Weißbach zehn Klettergärten, für die der TVB als Halter auftritt, von Kletterern ehrenamtlich saniert." Die hierfür anfallenden Kosten - Material, Bohr-Kurse, Helfer-Fest - tragen TVB und Gemeinde Weißbach."

Alle Informationen zum offiziellen Kletterangebot der Region: lofer.com/klettern


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Aufgerufen am 25.11.2020 um 12:32 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/aerger-ueber-eigenmaechtig-errichtete-kletterrouten-93275770

Schöne Heimat

Nie wieder Eisenmangel!

Von Hilde Haid
25. November 2020
Wer aus mir trinkt, ist seinen Eisenmangel los und zwar für immer!!!

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