Chronik

Agierte ehemaliger V-Mann der Polizei als Großdealer? - Prozess in Salzburg

Einem 39-jährigen Kosovaren werden als angeblichem Kopf einer Bande die Einfuhr und der Verkauf von insgesamt 75 Kilo Cannabis angelastet. Pikant: Der Kosovare war einst Informant der Polizei.

Symbolbild.  SN/apa
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"Ich bin nicht schuldig. Ich werde zu Unrecht belastet. Da wollen mich einige vernichten." - Der 39-jährige Kosovare, der am Freitag wegen Suchtgifthandels in großem Stil im Landesgericht vor einem Schöffensenat Platz nahm, wies die massive Anklage scharf zurück. Der Staatsanwalt lastete dem erheblich vorbestraften, zuletzt im nahen Bayern lebenden Kosovaren an, sich ab dem Jahr 2016 mit etlichen weiteren, großteils bereits verurteilten Komplizen zu einer kriminelle Vereinigung zusammengeschlossen zu haben. Mit dem Ziel, große Mengen an Drogen, vor allem Cannabis, aber auch Kokain, aus dem Ausland nach Österreich einzuführen und hier bzw. auch in Deutschland gewinnbringend zu verkaufen.

Konkret soll der Angeklagte - er hat etliche länger zurückliegende, teils einschlägige Vorstrafen und saß schon mehrere Jahre im Gefängnis - im März 2017 fast 23 Kilogramm Cannabisblüten in einem Fernreisebus vom Kosovo über Serbien und Ungarn nach Salzburg geschmuggelt haben. Das Suchtgift gelangte laut den Ermittlungen in der Folge über Mittelsleute an einen in Salzburg lebenden Afghanen (25). Dieser war am Landesgericht bereits zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Des Weiteren lastete der Staatsanwalt dem Angeklagten an, 2016 und 2017 nicht weniger als knapp 53 Kilogramm Cannabis in Salzburg, im Tennengau und auch im nahen Oberösterreich an etliche Abnehmer verkauft oder Subdealern bzw. Mitgliedern der kriminellen Vereinigung zum Weiterverkauf überlassen zu haben. Im Übrigen beantragte der Staatsanwalt auch die Abschöpfung bzw. den Verfall von 42.000 Euro an Drogengeld, das der 39-Jährige durch die inkriminierten kriminellen Machenschaften lukriert habe.

Der Verteidiger des Kosovaren entgegnete, dass "in der Anklageschrift jegliche Beweise für die schweren Vorwürfe fehlen". Sein Mandant habe seit vielen Jahren "nichts mehr getan, was dem Suchtmittelgesetz widerspricht - außer dass er selbst hin und wieder Drogen konsumiert hat". Der Vorwurf des Drogenschmuggels im Bus sei beispielsweise "mit einem Alibi widerlegbar, das mein Mandant für die Tatzeit hat".  Brisante Tatsache ist übrigens: Der Kosovare arbeitete einige Jahre als Vertrauensperson ("VP") bzw. Informant für die Polizei, konkret für einen - ehemals - leitenden Suchtgiftfahnder der Salzburger Polizei. Gegen Letztgenannten ist seinerseits (im Zusammenhang mit zahlreichen Drogenscheingeschäften) seit Langem ein Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs anhängig. Im gegenständlichen Fall vertagte Richterin Verena Wegleiter, die Vorsitzende des Schöffensenats, den Prozess zur weiteren Beweisaufnahme.

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