Chronik

Alles, was gut und schön ist

Es gibt nichts, was Tischlermeister Ernst Dankl, der "Möbel-Doc", nicht wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen könnte. Er hat sich auf das Restaurieren alter Möbel spezialisiert.

Zeit sollte man schon mitbringen, wenn man ein altes Möbelstück zu Ernst Dankl bringt. Der "Möbel-Doc" ist die Gelassenheit in Person. "Wenn ein Kasten oder eine Kommode 200 Jahre alt ist, dann kommt es auf ein Jahr mehr oder weniger auch nicht mehr an", sagt er und schmunzelt. Er schätzt sich glücklich, dass einem Gutteil seiner Kunden eine rasche Reparatur nicht so wichtig ist. "Freilich, manchmal muss es schnell gehen, dann ist so ein gutes, altes Stück auch in 14 Tagen fertig."

Als Hausmann daheim bei den Kindern

Ebenso schätzt er seine Selbstständigkeit, die ihm die Freiheit lässt, seine Arbeitszeit selbst einteilen zu können. "Ich kann alles so machen, wie ich es will, nach eigener Verantwortung, auch wenn ich nicht so viel verdiene dabei." Der gebürtige Uttendorfer hat mit 15 eine Tischlerlehre begonnen, nach der Meisterprüfung war er 25 Jahre lang bei einem großen Bankeneinrichter als Kalkulant und Arbeitsvorbereiter tätig.

Dann kamen einige Jahre als Hausmann. Weil seine Frau - eine Kinderärztin - in Salzburg eine Turnusstelle antrat, übersiedelten sie in die Stadt, wo er bei den drei Kindern daheim blieb. Ebenso reiste die ganze Familie nach Tuscon, Arizona , in den USA, als die Frau dort eine Forschungsstelle angeboten bekam. Die Familie blieb vier Jahre, ihn zog es nach zwei Jahren wieder zurück in die Heimat.

Nach ein paar Jahren als Angestellter bei einem namhaften Restaurateur in Salzburg wagte er 2006 den Schritt in die Selbstständigkeit. "Ich möchte ehrliche Arbeit abliefern, das war einer der wichtigsten Gründe, dass ich mich selbstständig gemacht habe. Aber es war natürlich ein einschneidender Prozess."

Hausverstand und Erfahrung

Während seiner Zeit beim Bankeneinrichter hatte er enorm viel Einblick in die Arbeit bekommen. Heute weiß er, dass er jedes Möbel herrichten und erzeugen kann. "Denn mit Hausverstand und Erfahrung kann man vieles lösen", ist er sicher. Alles, was gut, schön und alt ist, restauriert er so, wie es handwerklich richtig gemacht gehört und dass es wieder wie ursprünglich aussieht. "Das ist natürlich eine Preisfrage und wieviel die Kunden bereit sind, auszugeben. Ich bekomme manchmal Stücke, wo unmöglich gearbeitet wurde. Je besser das Möbel seinerzeit gemacht wurde, desto schöner kann ich es wieder richten. Biedermaiermöbel wurden etwa in drei Wellen nachgemacht. Die sind zwar alt, aber nicht unbedingt von hervorragender Qualität."

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