Chronik

Alpinist ist seit Tagen in Schnee und Eis vermisst

Doch die Bergretter mussten am Donnerstag die Suche nach dem Vermissten am Wiesbachhorn abbrechen. Auch für sie bestand Lebensgefahr.

Das letzte Lebenszeichen des vermissten 34-jährigen Wieners stammt vom Montagabend der vergangenen Woche: "Er hat mit einem Freund telefoniert und diesem erzählt, er habe gerade 2000 Höhenmeter geschafft, sei unterhalb des Gipfels des Wiesbachhorns. Er könne jedoch aufgrund der schlechten Witterung nicht mehr weiter rauf, werde nun biwakieren und sich dann über eine Rinne abseilen und den Abstieg antreten." Das schildert Paul Hasenauer, Ortsstellenleiter des Bergrettungsdienstes in Fusch an der Glocknerstraße. Seither fehlt von dem Wiener jede Spur.

In dem Telefonat kündigte der 34-Jährige Bergsteiger, der als gut ausgerüstet und ausgebildet beschrieben wird, an, eine völlig unbekannte Route zum 3563 Meter hohen Großen Wiesbachhorn gehen zu wollen. Sein Auto hatte er in Ferleiten abgestellt und ist dann über die Vögerlalm, dem letzten bewohnten Objekt, weiter aufgestiegen. Nach Angaben seiner Eltern habe der 34-Jährige Ausrüstung und Material für mehrere Tage am Berg mitgeführt.

"Nach unseren Informationen dürfte der Vermisste eine unbekannte Variante an der Südostseite versucht haben. Eine Route, die es so nicht gibt, exponiert und gefährlich ist. Dieser Aufstieg führt auch unter einem Eisbruch durch", erklärte auch Paul Hasenauer.

Am Mittwochabend erstattete die Lebensgefährtin des Mannes, eine Ärztin, die Vermisstenanzeige bei der Polizei. Zu diesem Zeitpunkt war das Mobiltelefon des 34-Jährigen bereits außer Betrieb. Anhand der letzten Login-in-Daten des Handys konnte jedoch nur ein ungefähres Bewegungsprofil des Bergsteigers erstellt werden. Ein Suchflug mit dem Salzburger Polizeihubschrauber "Libelle" verlief am Donnerstag ergebnislos. "Wir haben keinen Hinweis, keine Gegenstände oder Spuren zu dem Vermissten im Gebiet erkennen können", sagte Hubschrauberpilot Günther Köppl.

"Die Neuschneemengen reichen allemal für Lawinenabgänge", sagte Paul Hasenauer, der als Einsatzleiter der Bergretter mit Kollegen der Alpinpolizei am Wochenende erst am vergangenen Samstag nach einer kurzen Wetterbesserung ins Suchgebiet aufgebrochen war. Die siebenköpfige Suchmannschaft musste ihr Vorhaben schnell wieder aufgeben. "Es ist einfach zu gefährlich, lebensgefährlich angesichts der Lawinengefahr", so Hasenauer.

Am Sonntag startete der Polizeihubschrauber neuerlich zu einem Suchflug und wieder musste die Besatzung ohne weitere Erkenntnisse heimkehren. "Mit jedem Tag sinkt die Hoffnung, den Mann noch lebend zu finden", erklärt Hasenauer. Eine Lawine könnte die Biwakstelle des Wieners verschüttet haben, der Alpinist könnte beim Abseilen durch eine Rinne abgestürzt oder in eine Spalte gefallen sein.

"Bis auf weiteres ist die Suche nach dem Vermissten unterbrochen", erklärte am Montag Hannes Schernthaner, Katastrophenschutzreferent der Bezirkshauptmannschaft Zell am See. Sie werde fortgesetzt, wenn es weitere Anhaltspunkte zum Vermissten gebe und vor allem, wenn sich die Wetterlage bessere. "Der Hubschrauber hat das Suchgebiet mehrere Stunden lang abgeflogen. Dabei sind immer wieder Schneerutschungen am Berg festgestellt worden", sagte Schernthaner.

Im April 2015 hatten zwei Alpinisten aus einer Gletscherspalte am Großen Wiesbachhorn gerettet werden können. Ein 33-jähriger Kärntner und ein 60-jähriger Bayer waren über den Sandbodenkees aufgestiegen und bei der Abfahrt verunglückt. Eine Nacht lang mussten sie auf einer kleinen Schneebrücke in der Spalte über einen etwa 70 Meter tiefen Abgrund ausharren, ehe sie geborgen werden konnten. In diesem Fall hatte das Duo mit dem Handy Hilfe holen können.

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