Chronik

Alte Filme bringen private Schätze zutage

Auf 75 Schmalspurfilmen verbargen sich ungeahnte Erinnerungen. Jetzt kommt Ulrike Fraundorfer damit sogar ins Fernsehen.

Fast 30 Jahre lang schlummerten die alten Schmalfilme unbeachtet im Abstellkammerl und später im Keller. Als Last habe sie die drei Pappkartons empfunden, weil sie viel Lagerplatz verstellt hätten, schildert Ulrike Fraundorfer.

"Ich hatte bis zum Frühjahr keine Ahnung, was auf diesen Filmen überhaupt zu sehen ist." Der Lebensgefährte ihrer Mutter sei begeisterter Amateurfilmer gewesen. Seit seinem Tod im Jahr 1991 habe niemand mehr die Filme angeschaut.

Als die Salzburgerin im Frühjahr von der Filmaktion "salzburg privat" des Landes Salzburg und des Filmarchivs Austria erfuhr, schritt sie zur Tat, packte die 75 Filme samt Projektor und Klebegerät in den Radanhänger und brachte alles zum Salzburg Museum in die Altstadt. Das Museum ist außer 60 Gemeindebibliotheken eine der Stellen, bei der die Salzburger noch bis Ende Oktober analoge Schmalfilme abgeben können. Diese werden dann kostenlos digitalisiert und auf Wunsch auch archiviert. Bisher trudelten 15.200 Filme ein.

"Plötzlich kehrt die alte Zeit zurück"

Im Juni erhielt Fraundorfer vom Filmarchiv Austria zwölf DVDs zugeschickt. "Ich kann gar nicht sagen, wie viel Vergnügen mir die Filme bereiten, aus heiterem Himmel kehrt plötzlich die alte Zeit zurück." Aus der Last sei Freude geworden, sagt die 66-Jährige. Sie legt eine der DVDs ein, drückt den Startknopf und wird auf dem Sofa Zeugin ihrer ersten Hochzeit im Jahr 1978. Im weißen Brautkleid spaziert sie kurz nach der Trauung im Marmorsaal vergnügt durch den tief verschneiten Mirabellgarten. Ihr frisch angetrauter Gemahl bringt ihr im Laufschritt die wärmende Pelzjacke. "Ich und mein erster Mann haben im Dezember geheiratet", sagt Fraundorfer. "Ich wusste nicht, dass es davon einen Film gibt." Tränen steigen der Salzburgerin in die Augen als sie ihren Vater unter den Hochzeitsgästen entdeckt. "Es hat mich so berührt, als ich ihn zum ersten Mal auf dem Film gesehen habe, er ist vier Monate nach der Hochzeit gestorben."

Verewigt ist auf einem der Filme auch Pudeldame Susi. Als 15-Jährige hatte Fraundorfer den Hund von Zirkusleuten im Baronschwarzpark bekommen. "Susi sollte ein Zirkuspudel werden, aber sie war nicht artistisch genug." Ihre geliebte Susi sei jedoch sehr geschickt gewesen und habe gerne im Lehener Park die Kinderrutsche benützt. "Ich habe meinen beiden Söhnen immer davon erzählt, jetzt kann ich ihnen das Kunststück zeigen."

Eine andere Szene zeigt Susi und den rothaarigen Kater Titus Feuerfuchs mit der Familie beim Schwimmen am Irrsee. "Auf den Sonnenliegen herrschte ein riesenb Kuddelmuddel." Außerdem entdeckte Fraundorfer Filme von ihrem Sohn Peter als Baby, beim Stadtbummel, beim Schiffsausflug auf dem Königsee, auf der Dult und 1983 beim Rupertikirtag.

Dokumentation auf ORF III

Morgen, Samstag, ist um 18.45 Uhr in ORF III die Dokumentation "Salzburg privat. Amateurfilme machen Geschichte" zu sehen, bei der auch Fraundorfer zu Wort kommt. Der Film von Mella Blazovich (sie gehört zum Kernteam Salzburg 20.16) und Stefan Aglassinger beleuchtet die Arbeit des Filmarchivs Austria und zeigt zugleich das Material von fünf Amateurfilmern.

"Das Spannende ist, dass die meisten Salzburger die abgegebenen Filme noch nie oder zuletzt vor Jahrzehnten gesehen haben, die Aktion ist dadurch eine sehr emotionale Sache", sagt Blazovich. Schmalfilme seien von den 1920er Jahren bis in die 1990er Jahre verwendet worden. Durch "salzburg privat" werde dieser Teil des audiovisuellen Gedächtnisses der Salzburger gesichert. "Jetzt ist das letzte Zeitfenster, wo man zu diesen Filmen kommt." Die Amateurfilmer seien heute rund 70 Jahre alt.
In einem zweiten Schritt werden im Jahr 2018 die interessantesten Filme in Form einer interaktiven Online-Chronik veröffentlicht.


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